Die Schleiereule, erfolgloser Kulturfolger – Fotografien Von Andreas Schüring

Eulen gehören zu faszinierenden nachtaktiven Beutegreifern. Arten wie Waldkauz,  Steinkauz und Uhu sind auf die Förderung des Menschen angewiesen.

Das gilt in besonderem Maße für die Schleiereule. Unter dem Thema “Die Schleiereule – erfolgloser Kulturfolger veranstaltet die  Biologische Schutzgemeinschaft
Hunte Weser-Ems e. V.
(BSH) in den Räumen am Gartenweg 5 / Kugelmannplatz in 26203 Wardenburg (Oldb) eine Fotoausstellung. Die Eröffnung erfolgt am Freitag, dem 8. November 2019, um 11 Uhr. Ausstellungsdauer November 2019 – April 2020. Die exzellenten Fotos erläutert der Fotograf  Dr. Andreas Schüring aus Haselünne (Emsland). Anwesend ist auch der Geschäftsführer der EGE, Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V., Wilhelm Breuer, aus Bad Münstereifel. Der Ausstellungsflyer gibt zum Thema folgende Hinweise:

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Foto: BSH-Archiv

Die Schleiereule gehört in unseren Breiten zu den Charaktervögeln. Seit jeher wohnen sie mit uns unter einem Dach. Den unvergleichlichen Siegeszug aus der Mittelmeerregion hin nach Mitteleuropa erkaufte sie sich als Mäusejäger. Der Schlüssel des Erfolges war so gewissermaßen die Symbiose zwischen Mensch und Eule, wobei hier im klassischen Sinne eines Kommensalismus beide voneinander profitierten. 

Über Jahrhunderte waren sie so ein gern gesehener Untermieter. Doch Segen und Fluch liegen dicht beieinander. Der Wandel in der Landbebauung lässt der Eule heutzutage immer weniger Raum zum Überleben.
Noch heute ist die Bezeichnung Ulenflucht für die Öffnungen in den Giebeln geläufig. Die ursprünglich als Rauchabzug dienenden Löcher waren ein willkommener Zugang für den nachtaktiven Jäger. Doch seit den 1950er Jahren verwehren ihnen modernisierende Baumaßnahmen zunehmend den Zutritt. Der Bestand brach in den 70iger Jahren bundesweit ein und galt seinerzeit als stark gefährdet.

Die Wahl zum Vogel des Jahres 1977 war der Startschuss für überregionale Hilfsprogramme. Unzählige Brutkästen wurden installiert und der Bestand erholte sich.

Wurde die Wohnungsnot weitestgehend beseitigt, wird heute der Nahrungsmangel zur existentiellen Bedrohung. Die Intensivierung in der Landwirtschaft mit Grünlandumbruch hat vielerorts die Feldmauspopulation stark dezimiert. Auch die
Saumbiotope sind praktisch verschwunden. Hinzu kommt die zunehmende Versiegelung der Landschaft durch den Anbau von Futter- und Energiepflanzen.
 

Obwohl der Schleiereulenbestand in Niedersachsen als ungefährdet gilt ist Wachsamkeit geboten. Durch den fortschreitenden Grünlandumbruch mit konsekutiver Versiegelung der Landschaft durch Futter- und Energiemais werden die klimatisch bedingten Bestandsschwankungen durch den Lebensraumschwund jedoch immer schwerer zu kompensieren sein.


Regenwürmer sind als „System-Ingenieure“ Garanten der unterirdischen Biodiversität – VBIO referiert aus Science

Der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland e.V. – VBIO referiert in einem Bericht vom 25. Oktober über eine Studie des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und der Universität Leipzig. Es wurden Daten von Regenwurmpopulationen von 6928 Standorten aus 57 Ländern ausgewertet. Nachfolgend dazu Auszüge aus der Rezension des VBIO, aufrufbar unter:

www.vbio.de/aktuelles/lokale-regenwurm-vielfalt-in-europa-groesser-als-in-den-tropen/

Fast überall auf der Welt gibt es Regenwürmer. Wo der Boden nicht dauerhaft gefroren, zu sauer, zu nass oder vollkommen trocken ist, fressen Regenwürmer organisches Material, graben Löcher und mischen Humus und Erde. Auf diese Weise fördern sie eine Vielfalt von Ökosystemleistungen des Bodens – machen Nährstoffe verfügbar, helfen klimawirksamen Kohlenstoff zu speichern oder Samen zu verbreiten. Regenwürmer gelten deshalb als „Ökosystem-Ingenieure“. Ihre Bedeutung spiegelt sich auch in ihrer großen Gesamt-Biomasse wider: Diese ist oft größer als die Gesamt-Biomasse aller am selben Ort lebenden Säugetiere.

Die Ergebnisse der Studie sind auch für den Naturschutz wichtig: Biodiversität ist ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl schätzenswerter Gebiete. Das Ausblenden unterirdischer Vielfalt kann dazu führen, dass Regenwürmer nicht ausreichend geschützt werden – und damit auch ihr Beitrag zum Funktionieren der Ökosysteme. Entsprechend müsste auch die unterirdische Biodiversität berücksichtigt werden, um die wahren Hotspots der Biodiversität zu identifizieren: „Es ist Zeit für einen Paradigmenwechsel beim Schutz der biologischen Vielfalt“, sagt Nico Eisenhauer (vom Team des iDiv, Red.) . „Weil wir es nicht sehen, vergessen wir allzu leicht das faszinierende Leben unter unseren Füßen. Regenwürmer mögen im Verborgenen weilen und nicht das Charisma eines Pandas haben. Aber sie sind extrem wichtig für andere Lebewesen und das Funktionieren unserer Ökosysteme.“

Die Bedeutung von Regenwürmern ist unbestritten und in zahlreichen Publikationen dargestellt. Das NaturschutzForum Deutschland e.V. (NaFor) hält ein Ökoporträt (Nr. 35) für den Biologieunterricht vor, das vom Regenwurm-Pionier Otto Graff verfasst wurde.

Das Ökoporträt Nr 35 finden Sie hier.


Die Obere Elbe wieder für Fische öffnen! Das NaturschutzForum Deutschland (NaFor) fordert die zuständigen Behörden auf, die Fischaufstiegsanlage bei Geesthacht für bedrohte Fischarten wie Neunaugen und Lachs wieder passierbar zu machen.

Die im Jahre 2010 am Nordufer der Elbe gebaute Fischaufstiegsanlage in der Elb-Staustufe Geesthacht wurde im August 2019 stillgelegt. Ursache dafür war ein Wasserdurchbruch am Staudamm, der an einer Zuwässerungsmulde zu umfangreichen Unterspülungen geführt hatte.

Im Rahmen der erforderlichen Instandsetzungsmaßnahmen hat das Wasser- und Schifffahrtsamt Lauenburg allerdings den gesamten Damm abdichten lassen. Dabei wurden auch die Zuwässerungsmulden in der Wehrschwelle verändert. Intakte  Zuwässerungsmulden sind jedoch für die Funktion des am Nordufer der Elbe gelegenen Fischpasses unabdingbar, um die Lockströmung zu erzeugen, die den Fischen Orientierung gibt und die Wanderung flussaufwärts erst ermöglicht. Somit steht derzeit nur der am niedersächsischen Elbufer noch vorhandene alte Fischpass zur Verfügung, der jedoch schon seit Jahren als vollkommen unzureichend gilt.

Im Ergebnis ist den Fischen wie Fluss- und Meerneunauge, Lachs und Schnäpel (um nur einige zu nennen) der Aufstieg in die Oberelbe und in deren gesamtes Einzugsgebiet praktisch unmöglich. Angesichts der aktuellen Meldungen über den dramatischen Rückgang solcher Fischarten ist dieser Zustand nicht hinnehmbar. Fischarten, die wie Neunaugen und Lachs nach der Flora-Fauna-Habitat-(FFH-) Richtlinie  besonderem Schutz unterliegen, sind damit in ihrem Bestand bedroht. Der jetzt eingetretene Zustand stellt darüber hinaus einen Verstoß gegen das Verschlechterungsverbot der EU-Wasserrahmenrichtlinie dar.

Vor diesem Hintergrund fordert das NaturschutzForum Deutschland (NaFor) von den zuständigen Stellen des Landes Schleswig-Holstein eine umgehende Behebung der eklatanten Mängel sicher zu stellen. Zuständig für die Erfüllung der FFH-Richtlinie am Wehr Geesthacht ist das Kieler Umweltministerium. Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung Lauenburg ist für die Bundeswasserstraße Elbe verantwortlich und hat im Rahmen der Gefahrenabwehr gehandelt, ist aber nicht zuständig für die Fischtreppe. Jetzt sollte sich das Kieler Umweltministerium veranlasst sehen, dem Eigentümer (Vattenfall) umgehend die Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit der Aufstiegsanlage aufzuerlegen.


Vom Wegrand in den Garten Wildblumen: eine Augenweide für uns, eine Nektar- und Pollenquelle für viele Insekten – Naturschutzforum und BSH veröffentlichen das Merkblatt 79

Schon die ersten Sätze des neuen achtseitigen Merkblattes des NaturschutzForums Deutschland (NaFor) und der Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems (BSH) weisen auf das Grundproblem in der freien Landschaft hin: die Farbe Grün dominiert zwar, dennoch gibt es ein zu geringes Nahrungsangebot für die Kleintierwelt. Die bei München wohnende Biologin Veronikas Straaß möchte das ändern, indem sie auf den acht Seiten des Merkblatts 79 auch an alle Gartenbesitzer appelliert, Platz für die wildlebenden Kräuter zu reservieren. Wer da gemeint ist, zeigen 31 Fotos von Wildblumen, die vital nebeneinander stehend eine beachtliche Farbenvielfalt zeigen. Die Autorin schreibt dazu wie folgt:

Wer am Wochenende „raus ins Grüne“ fährt, bekommt hektarweise genau das zu sehen: grün, nichts als grün. Maisfeld an Getreideacker an Futterwiese, soweit das Auge reicht. Nur hier und da trotzt ein Klatschmohn der Herbiziddusche, ein paar Stängel Hundskamille ragen verloren zwischen den Getreidehalmen hervor, eine vereinzelte Wiesenflockenblume behauptet sich im Meer aus Löwenzahn und Hahnenfuß. Nur wenige Blütenpflanzen halten Herbizide, Düngerregen und kurz getaktete Mahd aus. Wer langsam wächst, wer Licht und Wurzelraum zum Leben braucht, hat in der Hochertragslandschaft schlechte Chancen. Aber noch gibt es sie, die wilden, bunten Ecken. Nicht auf den Wiesen, die längst keine Blumenwiesen mehr sind, sondern auf brachliegenden Feldern, in Baulücken, vor allem aber an Wegrändern und Straßenböschungen. Der größte Vorzug solcher Flächen: Sie werden kaum oder gar nicht gedüngt.

Und so geht es weiter, überzeugend und mitreißend formuliert aus einer anderen Sicht, ohne den belehrenden Zeigefinger: das Merkblatt 79.

Das Merkblatt finden Sie hier.


Zur Biologie der Schwanenblume, einer sehenswerten Röhrichtpflanze -Naturschutzforum und BSH veröffentlichen das Ökoporträt 55

Ein neues Ökoporträt wurde formuliert von der Bremer Biologin Ulrike Kuhn.Es umfasst vier Seiten und ist eindrucksvoll illustriert. Es kann von Schulen und jedem Interessierten im Netz unter www.bsh-natur.de (Merkblätter) aufgerufen oder als Printausgabe zu 1,-€ angefordert werden.Die Schwanenblume ist eine Sumpf pflanze mit hübschen, unverwechselbaren Blüten. Sie hat verschiedene deutsche Namen wie Wasserliesch oder Wasserviole und darüber hinaus auch zahlreiche regionale Namen wie z.B. Aedebärsblome (niederdeutsch = Storchenblume) und Aurusk, beides im Raum Oldenburg. An der Unterweser heißt sie Kükenblome (niederdeutsch = Kükenblume), an der Unteren Havel Kneppnersblome (ebenfalls Storchenblume). Systematik Die Schwanenblume (Butomus umbellatus) ist die einzige Art der Gattung Butomus und auch die Familie der Butomacea besteht nur aus dieser Art. Die Familie der Butomacea gehört zur Ordnung der Froschlöffelartigen (Alismatales). Beschreibung Sie ist eine Röhrichtpflanze mit schmalen, im unteren Drittel dreieckigen und häufig leicht gedrehten, dunkelgrünen Laubblättern, die bis1,20 m hoch werden können. Stehen die Pflanzen in größeren Wassertiefen, bilden sie auch schmale, flutende Unterwasserblätter aus. Am Ende des langen, über die Laubblätter hinausgehenden Blütenstiels sitzt eine Blütendolde mit bis zu 30 rosa bis dunkelrosa Einzelblüten. Die zwittrige, dreiseitig radiärsymmetrische Blüte besitzt je drei Hüll-und Blütenblätter, in der Mitte sitzen meist sechs, manchmal auch drei flaschenförmige, abgerundet dreieckige, dunkelrote Fruchtknoten mit jeweils einer Narbe. Die Staubblätter sind kreisförmig angeordnet, wobei es einen inneren Kreis mit drei und einen äußeren mit 6 Staubblättern gibt. Die Blütezeit der Schwanenblumen reicht von Juni bis August. Nach der Befruchtung entwickeln sich die Balgfrüchte, wobei mehrere Balgfrüchte in einer Sammelfrucht zusammengefasst sind. Wenn die Früchte reif sind, reißen die Balgfrüchte entlang der Bauchnaht auf und werden, wenn der Wind die elastischen Blütenstiele bewegt, verstreut. Die Früchte sind schwimmfähig und werden so mit dem Wasser weiterverbreitet. Die nach Honig duftenden Blüten geben an den Fruchtblättern kleine Tröpfchen Nektar frei, was verschiedene Insekten anlockt, vor allem Fliegen und Schwebfliegen aber auch Hummeln, Bienen und Schmetterlinge.

Das neue Merkblatt finden Sie hier.


Naturschutzform Deutschland: Staatliche Tierwohlkennzeichnung ist kein Beitrag für Tier-, Natur- und Verbraucherschutz

Bundeslandwirtschaftsministerien Klöckner hat am 6. Februar ihr wichtigstes politische Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt: ein staatliches Tierwohlkennzeichen. Dieses besteht aus drei Stufen: eine Eingangsstufe, bei der die Tiere geringfügig mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben haben müssen, eine Zwischenstufe und eine Premiumstufe mit weiteren Tierschutzanforderungen.

Das Naturschutzforum Deutschland (NaFor) zeigt sich enttäuscht über das neue Kennzeichen. Zwar ist die Grundidee des Bundesministeriums richtig, Verbraucher darüber zu informieren, wie die Tiere in den Ställen gehalten werden. Denn über ein geändertes Verbraucherverhalten kann durchaus Einfluss genommen werden, dass sich die Tierhaltung mittel- bis langfristig verbessert. Allerdings dürften Großbetriebe mit Intensivtierhaltung, bei denen die Tierschutzprobleme häufig am größten sind, kaum Interesse an dem Kennzeichen haben. Denn die Teilnahme der landwirtschaftlichen Betriebe an dem Tierwohllabel ist freiwillig und eine Kennzeichnung von Fleisch, welches nur unter den gesetzlichen Mindestanforderungen hergestellt wurde, ist gar nicht vorgesehen. Das staatliche Tierwohlkennzeichen wird den ohnehin schon jetzt bestehenden Labeldschungel vergrößern, so dass der Verbraucher keine wirkliche Orientierung bei seiner Kaufentscheidung an der Ladentheke findet. Innovation im Tierschutz sieht anders aus.

Die von Ministerin Klöckner vorgestellten freiwillig zu erfüllenden Minimalzugeständnisse für die Tiere als „Tierwohlkennzeichen“ zu bezeichnen, ist daher mehr eine 70 Millionen teure Werbestrategie des Bundes, als eine Abkehr der Intensivtierhaltung: Kastenstände und Vollspaltenböden sind weiterhin erlaubt; Mastschweine mit über 110 kg dürfen selbst in der Premiumstufe auf gerade mal 1,5 qm gehalten werden, davon 0,5 qm Auslauf. Die erste Stufe unterschreitet sogar den gesetzlichen Mindeststandard, denn das EU-weite Verbot des routinemäßigen Kupierens der Schweineschwänze ist kein Ausschlussgrund.

Das staatliche Tierwohlkennzeichen ist weder ein sinnvoller Ansatz, die Tierhaltung in der Landwirtschaft verantwortungsvoll umzugestalten noch die immensen Belastungen durch die landwirtschaftliche Tierproduktion für Natur- und Umwelt abzusenken. In die Zukunft für das Gemeinwohl ausgerichtete Politik sieht anders aus.


Forderungen an ein Aktionsprogramm

Die im Deutschen Naturschutzring (DNR) zusammengeschlossenen Natur-, Umwelt- und Tierschutzverbände haben sich in einer Resolution zum Insektensterben und zu Fördermaßnahmen ausgesprochen („Forderungen an ein Aktionsprogramm Insektenschutz“). Der Link zur ausführlichen Fassung lautet:

https://www.dnr.de/fileadmin/Positionen/2018-04-DNR-Aktionsprogramm-Insektenschutz.pdf

 Daraus das folgende Zitat:

In einigen Regionen Deutschlands ist die Biomasse an Fluginsekten seit dem Jahr 1989 um über 75 Prozent zurückgegangen. Ca. 33.000 heimische Arten sind betroffen. Dieser Verlust hat weitreichende Folgen und bedroht auch andere Tiere wie z.B. Vögel und Fledermäuse, die auf Insekten als Nahrungsquelle angewiesen sind.

Insekten sind für den Fortbestand unserer Ökosysteme ebenso unverzichtbar wie für die Sicherung unserer Ernährung. Zwei Drittel unserer Nahrungspflanzen sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen, deren ökonomischer Wert allein in Europa etwa 22 Milliarden Euro beträgt.

Insbesondere Wildinsekten spielen in diesem Kontext eine wichtige Rolle, da ihre Bestäuberleistung und vor allem -qualität nicht durch Honigbienen ersetzt werden kann. Um die Lebensbedingungen heimischer Insekten in den kommenden Jahren nachweislich zu verbessern, sehen die Umwelt-, Natur- und Tierschutzverbände in nachfolgenden Schwerpunktbereichen einen prioritären Handlungsbedarf für die Bundesregierung, den sie zugleich auf Landes- und europäischer Ebene geltend machen muss:

  1. Pestizidanwendungen reduzieren – Zulassungskriterien reformieren
  2. Strukturvielfalt in Agrarlandschaften fördern
  3. Nährstoffeinträge wirksam reduzieren
  4. Qualitätsoffensive für Schutzgebiete initiieren
  5. Insektenvielfalt in Siedlungsräumen fördern
  6. Forschung und Monitoring intensivieren, Bildung verbessern

(…)

Es bleibt zu hoffen, dass die Bundesregierung auf die Umstellung der Agrarförderung setzt, indem sie prioritär die ökologischen Leistungen landwirtschaftlicher Betriebe und nicht das Eigentum von Wirtschaftsflächen subventioniert.

 


Vom Wegrand in den Garten. Wildblumen – eine Augenweide für uns, eine Nektar- und Pollenquelle für viele Insekten

Die Naturschutzverbände NaFor und BSH veröffentlichten zur Förderung von Fluginsekten ein neues Merkblatt.

Schon die ersten Sätze des neuen achtseitigen Merkblattes des NaturschutzForums Deutschland (NaFor) und der Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems(BSH) weisen auf das Grundproblem in der freien Landschaft hin: die Farbe Grün

dominiert zwar, dennoch gibt es ein zu geringes Nahrungsangebot für die Kleintierwelt. Die bei München wohnende Biologin Veronikas Straaß möchte das ändern, indem sie auf den acht Seiten des Merkblatts 79 auch an alle Gartenbesitzer appelliert, Platz für die wildlebenden Kräuter zu reservieren. Wer da gemeint ist, zeigen 31 Fotos von Wildblumen, die vital nebeneinander stehend eine beachtliche Farbenvielfalt zeigen. Die Autorin schreibt dazu wie folgt: Wer am Wochenende „raus ins Grüne“ fährt, bekommt hektarweise genau das zu sehen: grün, nichts als grün. Maisfeld an Getreideacker an Futterwiese, soweit das Auge reicht. Nur hier und da trotzt ein Klatschmohn der Herbiziddusche, ein paar

Stängel Hundskamille ragen verloren zwischen den Getreidehalmen hervor, eine vereinzelte Wiesenflockenblume behauptet sich im Meer aus Löwenzahn und Hahnenfuß. Nur wenige Blütenpflanzen halten Herbizide, Düngerregen und kurzgetaktete Mahd aus. Wer langsam wächst, wer Licht und Wurzelraum zum Leben braucht, hat in der Hochertragslandschaft schlechte Chancen. Aber noch gibt es sie, die wilden, bunten Ecken. Nicht auf den Wiesen, die längst keine Blumenwiesen mehr sind, sondern auf brachliegenden Feldern, in Baulücken, vor allem aber an

Wegrändern und Straßenböschungen. Der größte Vorzug solcher Flächen: Sie werden kaum oder gar nicht gedüngt.

Und so geht es weiter, überzeugend und mitreißend formuliert aus einer anderen Sicht, ohne den belehrenden Zeigefinger. Das Merkblatt kann im Internet unter www.bsh-natur.de (Merkblätter) aufgerufen oder in gedruckter Version im A4-Format direkt bei der BSH, Gartenweg 5 in 26203 Wardenburg erworben werden, auch in Klassensätzen, soweit der Vorrat reicht.

Das neue Merkblatt finden Sie hier.


Moorbrand im Emsland vernichtet wertvolle Biotope – Kompensation erforderlich

Das Naturschutzforum Deutschland (NaFor) fordert, sensible Biotope wie die hier betroffenen ost-emsländischen Moore Tinner Dose und Umgebung aus der militärischen Nutzung der Bundeswehr herauszunehmen und wieder zu vernässen. Um zukünftiger Biotopzerstörung vorzubeugen, muss das Hauptaugenmerk der Prävention von Bränden gelten. Dies erfordert eine Anpassung und ggf. Verschiebung der Aktivitäten ebenso wie eine bessere Ausstattung der Löschkräfte.

Meppen / Emsland. Anfang September lösten  Raketentests auf dem weiträumigen Testgelände der Wehrtechnischen Dienststelle der Bundeswehr im Bereich des naturgeschützten Hochmoores NSG Tinner und Staverner Dose einen großflächigen Moorbrand aus. Nach der extremen sommerlichen Dürre gerieten die teilentwässerten Moorkomplexe leicht in Brand. Da keine einsatzfähige Feuerwehr mit Löschraupen einsatzbereit war, breiteten sich Schwelbrände mit Glutnestern unter der Oberfläche auf mehr als fünf Quadratkilometern aus. Etwa eine halbe Million Tonnen Kohlendioxid dürften freigesetzt worden sein.

Schon 2010 hatte ein Brand etwa sechs Wochen geschwelt, bis er endlich gelöscht werden konnte. In Kenntnis dieser Sachlage, ist es nach Auffassung des NaturschutzForums völlig unverständlich, wie die zuständige Standortverwaltung zwei Wochen nahezu untätig geblieben ist, bevor sie das Ausmaß des Brandes erkannte.

Das NaturschutzForum Deutschland (NaFor) sieht in den brandgefährlichen Schießübungen in den Hochmooren ein grob fahrlässiges Verhalten und kritisiert auch die anschließende Kommunikationspolitik der Bundeswehr – etwa die fehlende Transparenz in Hinblick auf die gemessenen gesundheitsgefährdenden Kohlenmonoxidwerte.

Diese spezifische Kritik darf dabei nicht als pauschaler Vorwurf verstanden werden. Das NaturschutzForum Deutschland (NaFor) weist vielmehr darauf hin, dass der Naturschutz den Truppenübungsplätzen und damit der Nutzung durch die Bundeswehr die Förderung bedrohter Tierarten verdankt, so etwa Wiedehopf, Steinschmätzer und Birkhuhn, Kreuzkröten, Kreuzotter und Schlingnatter. Es gibt viele gute Beispiele für das reibungslose Funktionieren der Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Bundeswehr.

Um auch in Zukunft im Sinne des Naturschutzes zusammenzuarbeiten, fordert das NaturschutzForum (NAFor) von der Bundeswehr:

Hochmoore sind heute auch Refugien für Kreuzkröten (hier im Bild während einer Rettungsaktion in Diepholz), Reptilien, bodenbrütende Schnepfen und  andere Wirbeltiere. Foto: BSH-Archiv

Hochmoore sind heute auch Refugien für Kreuzkröten (hier im Bild während einer Rettungsaktion in Diepholz), Reptilien, bodenbrütende Schnepfen und andere Wirbeltiere. Foto: BSH-Archiv

 

  1. Brandprävention muss Vorrang haben. Je nach den konkreten Bedingungen vor Ort und Brandwarnstufe sollte die militärische Aktivität ggf. zeitlich verschoben oder geografisch in weniger problematische Gebiete verlagert werden.
  2. Brandgefährdende Waffentechniken dürfen nur in Gegenwart einer einsatzfähigen Mehrfachbesetzung der Feuerwehr getestet werden. Bricht ein Brand aus, ist der Test zu unterbrechen und die Löschung sofort vorzunehmen. Bei Wassermangel sollte – wie in Meppen – das Technische Hilfswerk mit entsprechenden Hochleistungspumpen rechtzeitig hinzugezogen werden und während der Tests und Übungen anwesend sein.
  1. Sensible Biotope wie die hier betroffenen ost-emsländischen Moore Tinner Dose und Umgebung sind aus der militärischen Nutzung der Bundeswehr herauszunehmen und stillzulegen. Neue Abtorfungsgenehmigungen sollten nur kleinräumig in Rücksprache mit dem Naturschutz erteilt werden. Dies ist wegen der Fehlentscheidungen und des angerichteten Schadens eine angemessene Kompensation.
  2. Die komplette Wiedervernässung durch Verschließen von wegebegleitenden Gräben und Drainagen ist vorzunehmen, Hoch- und Niedermoore bleiben sich hier selbst überlassen, das Gebiet sollte nur über Beobachtungstürme von außen einzusehen sein.

 

 

Bodenbrüter wie die  Sumpfohreule finden in Hochmooren wie der Tinner Dose Brut- und Nahrungs-möglichkeiten. Gelege und Jungvögel werden auch durch Schwelbrände vernichtet.        Foto: Gerhard Großkopf / BSH-Archiv

Bodenbrüter wie die Sumpfohreule finden in Hochmooren wie der Tinner Dose Brut- und Nahrungsmöglichkeiten. Gelege und Jungvögel werden auch durch Schwelbrände vernichtet. Foto: Gerhard Großkopf / BSH-Archiv


Hochmoore, auch teilentwässerte, sind heute reich an wirbellosen Tieren darunter Ameisen und Schmetterlingen wie  Bärenspinner, Heidekrautbürstenspinner  und (hier abgebildet)  Nachtpfauenaugen. Foto: D. Tornow

Hochmoore, auch teilentwässerte, sind heute reich an wirbellosen Tieren darunter Ameisen und Schmetterlingen wie Bärenspinner, Heidekrautbürstenspinner und (hier abgebildet) Nachtpfauenaugen. Foto: D. Tornow


Dürre in Deutschland: Naturschutz und Landwirtschaft sollten gemeinsam regionale Konzepte vereinbaren

Das NaturschutzForum Deutschland fordert Umdenken

Wardenburg. Ganz Deutschland ist in diesem Jahr von einer ungewöhnlich langen Hitzeperiode betroffen. Die langanhaltende sommerliche Dürre konnte den Obstbäumen und dem Wein wenig anhaben, sofern eine Mindestwasserversorgung gesichert war. Ganz anders sind stark spezialisierte landwirtschaftliche Betriebe betroffen, denn sowohl in der Tierhaltung, als auch beim Gemüseanbau sind erheblich größere  Wasser- bzw. Futtermengen notwendig. Statt sich kostenintensiv immer mehr zu spezialisieren und in die Menge zu gehen, wäre eine  gemischte Bewirtschaftung aus Sicht des NaturschutzForum Deutschlands (NaFor) viel ratsamer. Durch diese Art der Bewirtschaftung wird das Risiko gestreut. Hitzeperioden können mit anderen Produkten überbrückt werden, so dass die Existenz, auch durch solche Hitzeperioden, nicht bedroht wird.

In der intensiven Landwirtschaft wurde und wird laut NaFor  missachtet, dass die Bodenressourcen endlich sind. Diese Tatsache wurde betriebswirtschaftlich ignoriert mit der Aufstockung der Tierbestände, der Abschaffung der Milchquoten sowie mit der Einbeziehung auch tierischer Abfälle in die Bundesdüngeverordnung, die anders zu behandeln sind als pflanzliche Komposte.

Daraus leitet der NaFor folgende Forderungen ab:

Prämien nur für Ökologische Leistungen  Die Ökologische Leistungen aller Landwirte sollten betriebs- oder landschaftsorientiert individuell mit entsprechenden Prämien honoriert werden. Die allgemeine Flächenprämie sollte nur kleinen Betrieben oder in Schutzgebieten weiterhin zugestanden werden.

Biodiversität fördernde Landwirtschaft: Die jahrhundertealten Wirtschaftsweisen, die wie im Falle von Wallhecken, Feldgehölzen, Mähwiesen und dauerhaften Saumbiotopen zu einem großen Artenreichtum geführt haben bei Wildkräutern, Schmetterlingen und Wirbeltieren, sollten mit größtem Nachdruck gefördert werden. Mischbetriebe sind zu unterstützen, eine Kennzeichnung im Sinne eines Labels für die Förderung geschützter Arten und Landschaften sollte höhere Preise und Subventionen rechtfertigen. Große Betriebe müssten dafür ungleich mehr tun als heute üblich. Ziel sollte die dauerhafte Ruhigstellung von 15 Prozent aller Flächen sein, darunter wichtige Feuchtbrachen als Regenerationszonen für Tier-Arten und Pflanzen-Sorten.

Die momentane Freigabe von Rauhfutter- und Grasflächen in Schutzgebieten sollte ein einmaliger Vorgang bleiben. Tritte von Huftieren und Portionsbeweidungen, wie zum Beispiel mit 200 Rindern und mehr führen zu irreparablen Schäden, unter anderem auf Trockenrasen und in Salzwiesen. Zum Vergleich: noch in den fünfziger Jahren konnte eine Familie von 17 Milchkühen leben.

Nunmehr ist schnellstens für angepasste Tierzahlen bis hin zur Kopfzahlbegrenzung wie in der Schweiz gesorgt werden. Auch sollten die Vorgaben der alten niedersächsischen Gülleverordnung gesetzlich umgesetzt werden.

Das Jahr 2018 hat gezeigt, dass  alle in einem Boot sitzen: der überwiegend  Mais anbauende Biogasbetreiber ebenso wie der Großviehhalter und die Masse der Verbraucher. Der Naturschutz braucht die Landwirtschaft bei Pflegemaßnahmen. Umgekehrt zeigt sich jetzt, dass die geschützten Flächen bei Extremereignissen  aushelfen können. Allerdings muss dies die Ausnahme bleiben.

Wenn alle Akteure mitmachen, die Tier- und Maisbestände deutlich verringert werden und für schlechte Zeiten durch Fonds vorgesorgt wird, werden sich nach Meinung von NaFor die extremen, nicht nachhaltigen Produktionsbedingungen verbessern und die Umweltprobleme bei Überdüngung, Wasserqualität und Flächendruck, der die industrielle Produktion begünstigt, deutlich verringern oder entschärfen. Allerdings wird die nächste Katastrophe nicht lange auf sich warten lassen, wenn das nicht ungleich schneller als bisher voran geht.

Milchkühe JAde_2012

Eine extensive Beweidung außerhalb der Hauptbrutzeit (März bis Juli; z.B. 1 Milchkuh / ha) fördert Schilfstreifen und andere Saumbiotope.

Rinder_Jade_2012

Portionsbeweidungen lassen keinen Platz mehr zum ungestörten Brüten von Kiebitz und anderen Wiesenvögeln. Hier bedarf es besserer Abstimmungen mit dem Naturschutz. Foto: BSH