Die Berücksichtigung von Natur- und Umweltschutz in den Wahlprogrammen der sechs größten Bundesparteien – ein kurzer Vergleich des NaturschutzForums Deutschland (NaFor)

Anlässlich der Wahl zum Deutschen Bundestag am 24. September 2017:

Das NaturschutzForum Deutschland (NaFor) hat die Wahlprogramme derjenigen Parteien analysiert, die eine Chance auf den Einzug in den neuen Bundestag haben. Der Vergleich ergab Übereinstimmungen, aber auch deutliche Unterschiede.

Im Folgenden sind die aus Sicht des NaFor besonders charakteristischen Aussagen zu Natur- und Umweltschutz skizziert. Es sei betont, dass es sich um Wahl- und nicht um Regierungsprogramme handelt. Je nach politischer Konstellation wird es im Falle von Koalitionsverhandlungen darum gehen, im Sinne des Umwelt- und Naturschutzes möglichst viele Aspekte vertraglich zu vereinbaren. Dennoch sind Wahlprogramme geeignet, die Prioritäten und Betonungen zu erkennen.

Unabhängig vom Wahlausgang wird das NaFor als Bundesnaturschutz-Dachverband auch in der kommenden Legislaturperiode   (2017 – 2021) die politischen Entscheidungen mit Relevanz für den Bereich Umwelt- und Naturschutz sorgfältig beobachten und kommentieren.

Die unten zusammengestellten Aussagen aus den Wahlprogrammen zu Umwelt- und Naturschutz-relevanten Themen dienen der Information und sollen dazu anregen, bei Bedarf weitere Details zu recherchieren. Eine Wahlempfehlung ist mit dieser Dokumentation nicht verbunden.

 

Zu den naturschutzrelevanten Aussagen in den Programmen:

 

CDU / CSU (Christlich Demokratische Union Deutschlands / Christlich-Soziale Union in Bayern) :”Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben”

  • Im Vordergrund des Wahlprogramms stehen auf 75 Seiten Vollbeschäftigung, Landwirtschaft, Energiewende, Familien- und Kinderpolitik sowie Wohlstand und Lebensqualität. Der Umwelt- und Klimaschutz werden auf je einer Seite angesprochen.
    Dazu das NaFor: Symptomatisch ist nach Eingabe des Stichworts `Naturschutz´ die Rückfrage des Computers, ob man “Datenschutz” meine, da der Begriff “Naturschutz” nicht zu finden sei.
  • Zitat S. 68:”Langfristig muss ein großer Teil der fossilen Energien wie Kohle, Öl und Gas durch umweltfreundliche Energien ersetzt werden.”
    Dazu das NaFor: Anzumerken ist, dass gerade kleine Unternehmen, die auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien tätig sind, gegenüber den Mitbewerbern von der momentan regierenden großen Koalition erschwerte Produktionsbedingungen auferlegt bekommen haben.
  • Zitat ZEIT online 03. 07. 2017): “Hier können sie einfach nocheinmal ein bisschen träumen”
    Dazu das NaFor: Diese Aussage klingt nach Beliebigkeit und spiegelt vermutlich das relativ geringe Interesse der heutigen Wählermehrheit wider. Konkrete weiterführende Aussagen sucht der Leser vergebens. Stattdessen sind wiederholt allgemein gehaltene Passagen mit viel Eigenlob zu finden.
  • Zitat Wir sind ein Land mit einer unverwechselbaren Identität (mit leistungsfähiger Infrastruktur und intakter Umwelt), das seinen Menschen auch in stürmischer Zeit Heimat und Halt bietet.” Und weiter: Heute leben wir im schönsten und besten Deutschland, das wir je hatten.”
    Dazu das NaFor: Diese beiden Zitate verdeutlichen die Handschrift von Werbeagenturen
  • Zitat: Weltweit wachsen Bevölkerung und Wohlstand”.
    Dazu das NaFor: Diese Aussage ist zu pauschal. Leider fehlen vergleichbare weiterführende Aussagen, ohne dass man sich gleich im Detail verlieren müsste.

 

SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands):Es ist Zeit für mehr Gerechtigkeit: Zukunft sichern, Europa stärken”

  • Zwischen den Kapiteln “Familie, Pflege, Wirtschaft und Sozialstaat” und den Handlungsfeldern Sicherheit, Migration und Europa wird unter der Rubrik Es ist Zeit für eine gesunde und saubere Zukunft” auf Seite 48 (von 88) die Umweltgerechtigkeit angesprochen.
    Dazu das NaFor: Das erinnert an ältere schwedische Slogans vom “Jedermannsrecht auf Natur” als Grundlage der Erholungswirksamkeit für den Menschen inmitten einer wenig gestörten vielfältigen wildlebenden Flora und Fauna mit “frischer Luft, gesunden Böden und sauberen Gewässern”.
  • Die wichtigsten natürlichen Ressourcen werden angesprochen, darunter  2% der Landesfläche umfassende Wildnisgebiete, umweltgerechte Fangmethoden in der Fischerei und eine konventionelle und ökologische Landwirtschaft, die auf Naturschutz, Klimaschutz und Tierwohl ausgerichtet ist. Die Agrarförderung soll sich nach öffentlichen Leistungen und dem Schutz der Natur richten, nicht allein nach dem Grad der Versorgungssicherheit.
    Dazu das NaFor: Hier wird der Begriff “Natur”, also die gesamte Biosphäre, über den der (auf den Menschen bezogenen) Umwelt gestellt – ganz im Sinne der Prioritäten des Verbandsnaturschutzes, bei denen der Mensch als “Mitwirbeltier” ohne biologische Sonderstellung gilt. Zwar darf man fragen, was eine “saubere Zukunft” ist, denn zu sauberen Landschaften zählen eher ausgeräumte monotone Areale wie kurzgehaltener Rasen (“Chlorophyllasphalt”), doch der folgende Text klärt diesen Slogan auf.
  • Im Wahlprogramm ist auch von der Übereinstimmung mit dem Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 die Rede. Betont wird überdies, dass die Energiewende vollendet werden muss: Energie muss umweltfreundlich und bezahlbar sein. Gleichzeitig muss die verlässliche Versorgung gesichert bleiben.”Bestehende Stromleitungen sind effektiver auszulasten. Beim Umgang mit Atommüll wird auf die gesamtgesellschaftliche Verantwortung gesetzt.
    Dazu das NaFor: Insgesamt eine vage Aussage angesichts der politischen Mitverantwortung. Die Ausführungen geben  zahlreiche Hinweise auf eine sozialdemokratische Politik, die in der zu Ende gehenden Legislaturperiode teilweise durch Umweltministerin Hendricks realisiert wurde.

 

DIE LINKE: “Sozial. gerecht. Frieden für alle. Die Zukunft, für die wir kämpfen”

  • Das Programm ist mit 135 Seiten umfangreich; es enthält zahlreiche detailliert begründete Forderungen, darunter auch unter Abschnitt XIV (“Menschen und Natur vor Profite – für eine soziale, ökologische und demokratische Wirtschaft der Zukunft”) eine 20-seitige Darstellung zum ökologischen  Umbau der Wirtschaft, Verbot von Fracking, Reduktion des Flugverkehrs und Mobilität für alle. Die Vielfalt der Natur und der Schutz der Tiere werden ebenso angesprochen wie Ressourcenschutz und Kreislaufwirtschaft. Auf die zügige Umsetzung der nationalen Strategie für biologische Vielfalt wird verwiesen. “Naturschutzflächen gehören in öffentliche Hand und dürfen höhstens an Naturschutz- und Umweltverbände vergeben werden.”
    Dazu das NaFor: Die Öffentliche Zuständigkeit trifft zwar vielerorts bereits zu, doch wird leider häufig versucht, geschützte Areale für wirtschaftliche Interessen zu beanspruchen; insofern ist diese Aussage zu begrüßen. Allerdings bedarf es für Erhalt und Pflege öffentlicher Zuschüsse. Dem “Mut zur Wildnis” sollte auch vermehrt entsprochen werden (hier wie bei der SPD: 2%), also darf die natürliche Sukzession sich selbst organisieren, es sei denn, es sollen Mähwiesen und andere Offenlandschaften erhalten werden. Zu fragen ist, ob Wildnis- und Urwaldflächen als Revitalisierungszentren nicht einen deutlich höheren Anteil einnehmen sollten.
  • Zuchtsauen sollen nicht in Kastenständen eingepfercht werden.
    Dazu das NaFor: Dies ist positiv, allerdings wäre das mit EU-Recht in Einklang zu bringen.
  • Federrupfung lebender Tiere und Zwangsfütterung (Stopfen) soll ebenso verboten werden wie der Naturpelzhandel.
    Dazu das NaFor: Die Verbote sind nachzuvollziehen, betrifft aber vielfach mehr den Import und Verkauf der Produkte.
  • Das Programm sieht die Erfassung von Entsiegelungspotentialen und das konsequente schnellere Umsetzen der EU-Wasserrahmenrichtlinie vor
    Dazu das NaFor: Die vorgeschlagenen Maßnahmen sind für den derzeit  stagnierenden Gewässerschutz notwendig.
  • Konkret benannt werden beabsichtigte sofortige Verbote und Datenerhebungen besonders umweltschädlicher Pestizide wie Glyphosat und Neonikotinoide sowie Mikroplastik in Kosmetik, Reinigungs- und Pflegeprodukten. Für die Fischerei werden alternative Fangmethoden vorgeschlagen.  Für Energiesparlampen, Einwegbecher, Mobiltelefone und Fernseher soll ein Pfandsystem eingeführt werden, um die Sammelquoten zu erhöhen. Das Verursacherprinzip soll gesetzlich verankert werden. Dazu NaFor: Alles sinnvolle Maßnahmen, bei deren Realisierung mit Widerstand zu rechnen sein wird.

 

BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN: “Zukunft wird aus Mut gemacht”

  • 24 Ziele aus dem Wahlprogramm geben Einblick in die Zielsetzung der GRÜNEN. Wie zu erwarten, stehen der Erhalt der Natur an erster Stelle.
    Dazu das NaFor:Das wird aus Verbandssicht sehr begrüßt, denn damit erhält der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen den für die Existenz des Menschen notwendigen hohen Stellenwert. Die meisten Ziele im grünen Wahlprogramm kommen damit den satzungsmäßigen Zielen der Verbände nahe. Allerdings stellt sich hier –  wie eingangs erwähnt – die Frage, wieviel davon in einer Koalition umgesetzt werden kann. Gerade die eindeutigen Forderungen der Umstellung einer nicht nachhaltigen Wirtschaft erfordern viel Verhandlungsgeschick in der sukzessiven Umsetzung. Da sind Abstriche unvermeidlich, sollte mitregiert werden. Aussagen wie “Wir retten das Klima” lassen den Konjunktiv vermissen, aber das ist einem gut zu lesenden Programmtext geschuldet.
  • Zitat (Seite 164): “Wir machen das Internet frei und sicher”.
    Dazu das NaFor: Diese Feststellung ist eine Illusion. Man hat bislang den Eindruck, dass gerade auf dem IT-Sektor sicher ist, dass nichts sicher ist.
  • Notwendigkeit ökonomischer Veränderungen (Seite 40 ff)
    Dazu das NaFor: Die Forderungen im Hinblick auf die notwendigen ökonomischen Veränderungen sind realistisch, sollte das ein breiter gesellschaftlicher Konsens unterstützen. Das betrifft den Ausstieg aus der industriellen Landwirtschaft (incl. Massentierhaltung) in den nächsten 20 Jahren und die Kennzeichnung der Art der Tierhaltung auf allen Fleischprodukten ebenso wie den kompletten Umstieg auf grüne Energien  (Sonne, Wind, Wasser, Bioenergie, Erdwärme), ab 2030 eine allgemeine E-Mobilität und abgasfreie Neuwagen.

 

FDP (Freie Demokraten): “Schauen wir nicht länger zu.”

  • Die Gliederung der 86 seitigen Programms  umfasst mehr als 6 Seiten, die eine fast schon stichwortartige Themenübersicht gibt. Auch weist ein Stunden-Countdown bis zur Schließung der Wahllokale am 24. September auf die Bedeutung der Wahl hin. Der farbenfreudig gestaltete Titel reflektiert moderne Themen wie eine Digitalisierungsoffensive in Bildung (1.000 Euro-Technik- Investition  für Schüler, Weltbeste Bildung auch für Schüler mit Förderungsbedarf), bessere Geschäftsmodelle  und Verkehrswesen bei optimierter Infrastruktur. Die anderen Schwerpunkte betreffen die allgemein optimierte Digitalisierung (“Open-Data und Open-Government-Strategie”, Datenschutz), Landwirtschaft (die sich auf der Grundlage der Selbstbestimmung rechnet) und mehr Mobilität. Grundsätzlich wird festgestellt: “Wir glauben an die Potenziale und die Energie jedes Einzelnen und an die Kraft der Freiheit…Stärken wir den Glauben der Menschen an sich selbst!”. Der zugehörige FDP-Terminus lautet: “German Mut”.
    Dazu das NaFor: Gerade die Naturschutzverbände wissen aus täglichen Erfahrungen, dass viele Mitmenschen zurückbleiben würden, wenn man nicht im Sinne des Gemeinwohls unterschätzen und fördern würde, weil sie es allein nicht schaffen. Aber auch sie gehören in das gemeinsam Boot. Wer Aussagen zum Natur- und Umweltschutz sucht, findet sie auf gerade mal 2 Seiten. Dies verwundert angesichts der Tatsache, dass sich gerade auf kommunaler Ebene zahlreiche FDP-Mitglieder für die Natur und Landschaft engagieren. Die magere bundesprogrammatische Berücksichtigung dieses für die Existenz und das Alltagsleben der Bevölkerung bedeutsamen politischen Feldes, ist bedauerlich. Das begründet sich vielleicht in der weniger positiven Einstellung der anvisierten Wahlklientel (z.B. Handwerk, Landwirtschaft) gegenüber dem Naturschutz, da Umweltauflagen als Hemmnis in der betrieblichen Entwicklung gesehen werden, ohne die Notwendigkeit der Schutzmaßnahmen gegenüber natürlichen Ressourcen zu akzeptieren, es sei denn, sie geschehen freiwillig. Die Erfahrungen vor Ort sprechen aber dagegen.

 

AfD (Alternative für Deutschland): Programm für Deutschland”

  • Die Untertitel des 74-seitigen Bundeswahlprogramms der AfD zeigen die Schwerpunkte auf. Zu Anfang werden Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild  und die Eindämmung des Lobbyismus gefordert, Aspekte, denen gelegentlich  auch bei der  Naturschutz-Arbeit begegnet wird. Die Familienförderung nimmt mit 5 Seiten einen hohen Stellenwert ein.
    Dazu das NaFor: Volksabstimmungen können für die Umsetzung von Naturschutz-Interessen vorteilhaft sein. Je mehr sie aber lokale Interessen betreffen, desto eher gibt es auch Ablehnungen. Da helfen  dann die europaweit geltenden Vorgaben der EU-Richtlinien. Dass der Bevölkerungs-Rückgang hinsichtlich der ökologischen Fußabdrücke und Schonung von Ressourcen positiv ist, stellen gerade der CLUB OF ROME und die Universität Lund (PM v. 15. 07. 2017) heraus – ganz im Gegensatz zur AfD..
  • Das Kapitel “Schluss mit der Technologiefeindlichkeit: Energie und Klima” beginnt mit dem Satz, dass Kohlendioxid kein Schadstoff, sondern eine unverzichtbare Voraussetzung für das Leben ist.
    Dazu das NaFor: Diese Ansicht ist nicht falsch, aber irreführend, da von der Konzentration abhängig.
  • Die Dekarbonisierung soll laut AfD beendet werden, das Pariser Klimaabkommen ist zu kündigen, Ökostrom wird nicht mehr subventioniert. “Die bestehenden Kernkraftwerke wollen wir deshalb nicht vor Ende ihrer Nutzungsdauer außer Betrieb nehmen. Die verwertbaren Kernkraftwerk-Reststoffe müssen für das Recycling rückholbar gelagert werden”.
    Dazu das NaFor:
    Es wird heute bereits beim KKW-Rückbau recycelt, aber das Atommüll-Problem ist ungelöst und wird der Nachwelt die nächsten 200.000 Jahre beschäftigen. Welch eine unverantwortliche Technik verweist dann auf die kurze Nutzungsphase in diesen Jahrzehnten und verpflichtet Hunderte von Generationen nach unserer Zeit, auf Reste aus der historischen Atomstrom-Produktion aufzupassen. Hinzu kommt, dass die Bevölkerung bezüglich der Gefährlichkeit und Kosten ununterbrochen die Unwahrheit gesagt worden ist. Auch der KKW-Rückbau wird Milliarden kosten, Geld, das im Strompreis nicht enthalten ist.
  • Was die Umweltzonen anbetrifft, sollen sie abgeschafft werden. Dieses Schicksal ist auch der Förderung der Windenergieanlagen zugedacht (energiepolitischer Irrweg, Ausbau stoppen), Betont wird die “verheerende” Wirkung von Windkraftanlagen auf geschützte Vögel und Fledermäuse sowie gesundheitliche Auswirkungen auf den Menschen. Ganz am Schluss geben 2 Seiten Hinweise zum Umwelt-, Natur- und Tier- und Verbraucherschutz.
    Dazu das NaFor: Der Mix regenerativer Energien incl. Windkraft ist unverzichtbar. Die Schäden werden gegenüber den abgaseinsparenden Effekten unverhältnismäßig groß ins Bild gesetzt.
  • Die AfD nimmt explizit Bezug auf die kleinteilige Wasserversorgung durch Kommunen und Zweckverbände.
    Dazu das NaFor: Dies ist sinnvoll
  • Die AfD versteht Umweltpolitik als “Querschnittsaufgabe”
    Dazu das NaFor: Wir lehnen es ab, wenn die Umweltpolitik als “Querschnittsaufgabe” in vielen Ressorts lediglich im Mitnahmeeffekt berücksichtigt werden soll.
  • Die AfD fordert ein Mehr an Gewerbeaufsicht, Lebensmittelkontrolle, würdevolle Behandlung von Tieren, Ablehnung des Schächtens (Ausnahmegenehmigung für Schlachten ohne Betäubung) und die Stärkung der bäuerlichen Landwirtschaft.    Dazu das NaFor: Diese Forderungen erscheinen sinnvoll

 


Mangel an Blüten und Insekten führt zu einem dramatischen Rückgang der Vogelbestände

Berlin. Die Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen im  Bundestag hat den rasanten Schwund an Arten in der Nahrungskette zwischen Nektar liefernden Blütenpflanzen, Fluginsekten und  Singvögeln, aber auch im Bereich von Arten dokumentiert, die auf spezielle Lebensräume angewiesen sind.
Laut Bundesregierung ist in der EU die Zahl der Vogelbrutpaare in landwirtschaftlich genutzten Gebieten zwischen 1980 und 2010 um 300 Millionen, das sind 57 Prozent, zurückgegangen.  Das betrifft Rebhühner (- 84 Prozent) und Kiebitze (- 80 %) ebenso wie Uferschnepfen (- 61%) und Feldlerchen (- 35 %). Ein Drittel aller Vogelarten zeigt  seit Ende der  Neunzigerjahre eine „signifikante Bestandsabnahme“ (SPIEGEL online).
Ganz ähnlich steht es um den Rückgang der Nektar-anbietenden wildwachsenden Pflanzen. Sie verschwinden zunehmend durch das seit Jahrzehnten zu beobachtende flächenhafte Umpflügen von Saumbiotopen entlang der Wege und Fließgewässer. Auch die nicht unter Naturschutz stehenden Feuchtgebiete sind überwiegend entwässert. Bienen, Hummeln und zahlreiche andere Fluginsekten suchen vergebens nach Lebensräumen, die Nahrung und Deckung bieten. Hier sind je nach Region bis zu 90% mancher Insektenarten am Rande des Aussterbens.
Die mit Abstand größte Ursache dafür sind die Einwirkungen der industriellen Landwirtschaft durch Fremdnutzung, Unkraut- und Insektengifte. Das Naturschutzforum Deutschland (NaFor) sieht es als eines der größten politischen Versäumnisse an, dass dem Umpflügen solcher Pufferzonen tatenlos durch die überwiegende Zahl von Kommunen und ihrer Parlamente  zugesehen wird. Es ist dringend an der Zeit, alle illegal unter den Pflug genommenen Flächen nicht weiter zu dulden, sondern wieder in blütenreiche Brachen zu überführen,  so NaFor.  Dazu bedarf es keines großen Aufwandes, vielmehr reorganisiert sich die Natur in kurzer Zeit  von selbst. Sensible Wildkräuter und wichtige Futterpflanzen  lassen sich nachsäen, dominante Arten wie Kerbel, Phacelia und Herkulesstaude sollten stattdessen zurückgedrängt werden.
Remmer Akkermann

Literatur:

  • Aktuelle Auswertung: Immer weniger Vögel in Deutschland.-SPIEGELonline vom 04 05 2017
  • Resolution zum Schutz der mitteleuropäischen Insektenfauna, insbesondere der Wildbienen.- 12. Hymenopterologen-Tagung Stuttgart,  Oktober 2016
  • Dramatische Insekten-Verluste in NRW.- NABU NRW  21. Mai 2015
  • Landraub am Straßenrand. Bedeutung von begrünten Streifen für die Natur.- NABU SH , 26. 10. 2016
  • Sorg, M. u.a. (2013):  Ermittlung der Biomassen flugaktiver Insekten im Naturschutzgebiet Orbroicher Bruch mit Malaise-Fallen in den Jahren 1989 und 2013.- Mitt. aus d. Entomolog. Verein Krefeld 1, 1-5
  • Studie zum Insektensterben in Deutschland – Umweltminister Stefan Wenzel will mit Experten beraten – Bis zu 80 Prozent Verluste bei Bienen, Faltern und anderen Insekten.- NMU PI 071/2017

Ergänzender Hinweis: Sollte Ihnen zur PM kein Zugang gewährt werden, versuchen Sie es über die Adresse:

Rote Liste 2017: Wiesen und Weiden in Gefahr – BMUB – Bund.de

SthKi 2014-07-16 010

Blühende Malven am Wegesrand im Juli. Foto: BSH


Straßenbau und Baumfällungen auf Rügen: nichts dazu gelernt?

Das NaturschutzForum Deutschland (NaFor) nimmt die Abholzung von 100 Alleebäumen entlang der B 96 auf Rügen zum Anlass, um sich für den Schutz älterer Bäume einzusetzen. NaFor hält es für unabdingbar, dem Erhalt von Bäumen und Alleen Vorrang zu gewähren und flächensensibel zu planen, statt auf der normengerechten Umsetzung zu bestehen. Dass das möglich ist, zeigen einsichtige Behördenvertreter, die über ein entsprechendes Planungs- und Beteiligungsgeschick verfügen und nicht allein wirtschaftliche Interessen des Geradeausfahrens auf breiten Pisten umsetzen wollen.

Die jahrelangen Planungen und Diskussionen um die B 96 n parallel zur bestehenden Bundesstraße zeigen, wie wenig sich der Straßenbau auf die Argumente des nichtstaatlichen Naturschutzes (NABU Rügen, BUND, INSULA RUGIA, RIO 96, VCD NO und örtliche Bevölkerung) zubewegt hat. Autobahnähnlich werden weitere Kilometer durch die Landschaft planiert, eine Baumreihe an der B 96 mit über 80 jährigen Bäumen musste weichen, weitere zum Absägen vorgesehene Alleebäume sind betroffen. Leitplanken hätten den Fortbestand sichern können. Dass die Brutzeit begonnen hat und das Fällen seit dem 1. März gesetzlich untersagt ist, steht hier nicht entgegen.

Eldingen Luttern BL 282 2017-03-22 004

 

 

 

Schutz und Erhalt von Straßenbäumen durch Leitplanken, wie im Raum

Putbus oder (wie hier) in der Südheide bei Eldingen (L 282) – das ist zwar

nicht ästhetisch, jedoch eine wirkungsvolle Alternative zur Fällung.

Foto: nafor

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bemerkenswert ist, so NaFor, dass die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel anlässlich der Verkehrsfreigabe in Rambin innerhalb ihres Wahlkreises ungeachtet der klimaschädlichen Großbauten feststellte, dass Natur und Infrastruktur keine Gegensätze sein müssen, zumal Staus die umweltfeindlichste Form des Fahrens seien. Hier waren Klimaschutz, Bodenversiegelung, Zerschneidung der freien Landschaft und Abgase also kein Thema. Es ist nicht vertretbar, Autofahrer dazu zu ermuntern, die Insel Rügen mit verkehrsfördernden Maßnahmen dieser Dimension in noch größerer Zahl als bisher schon der Fall anzusteuern. Denn Staus an den Zufahrten mehrspurig zu beseitigen, schafft neue Staus auf anderen Inselseiten. Die Belastungen innerorts und im Außenbereich dürften kaum dazu beitragen, die touristische Attraktivität der Insel Rügen zu steigern. Bisher sind schon mehr als 127 Millionen Euro verbaut worden, der endgültige Betrag dürfte deutlich darüber liegen. Die von Beton-Bauwerken eingesäumte Piste suggeriert den Besuchern einen Tunnelblick. Sie dürften sich fragen, wo denn hier die von der Tourismusbranche viel zitierten Alleen der Hochglanzblätter zu sehen sind?

Auf Rügen zeigt sich, wie die exzessive Priorität von Verkehrswegen trotz der Kompensationsmaßnahmen ins Gegenteil umschlägt. Die alte B 96, noch von alten Laubbäumen gesäumt, hätte verkehrsberuhigt und als schattenspendender Radweg für Natur und Mensch weiterbestehen können. Zwischen Greifswald und Stralsund hat man die alte B96 mit Alleebäumen und altem Granitpflaster neben der neueren B 103 in diesem Sinne belassen. Warum nicht auch im Falle der B 96 ?

Susanne Kuhl

 

 

Links zum Thema:


Elektroauto der Deutschen Post DHL Group hat sich bewährt

Der StreetScooter fährt bis zu 300 Stops an 300 Tagen im Jahr

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StreetScooter der DHL-Group (Quelle: dpdhl.com)

 

Bonn. Die Initiative der Deutsche Post DHL Group zum Bau eines eigenen zukunftsweisenden Elektroautos, des StreetScooters, hat sich bewährt. Inzwischen fahren schon rund 1.500 dieser Fahrzeuge durch die Lande, um Briefe und Pakete auf umweltfreundlichem Weg zu den Empfängern zu transportieren. Die Zustellung mit den leisen StreetScootern erfolgt vor allem auf dem Land sowie in kleineren und mittleren Städten.

Die maximale Reichweite des 4,6 Meter langen Fahrzeugs beträgt mit einer Nutzlast aus Briefen und Paketen von 650 kg bis zu 80 Kilometer, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 80 Stundenkilometer. Das reicht, um die bis zu 300 Stopps und Anfahrvorgänge an bis zu 300 Tagen zu bewältigen. Das NaturschutzForum Deutschland (NaFor) begrüßt diese umweltfreundliche Initiative und zukunftsweisende Investition der Deutschen Post, denn außer der Geräuscharmut werden auch schadstoffhaltige Emissionen vermieden. Das Fahrzeug verfügt über eine Leistung von 30 kW, die von einer Lithium-Ionen-Batterie und einem Asynchronmotor erzeugt wird. Die technische Entwicklung erfolgte mit Instituten der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen. Die Deutsche Post DHL Group fördert zur Zeit aktiv in Forschung und Nutzung 22.500 Effizienzmaßnahmen an 13.500 Fahrzeugen, unter anderem mit Elektro- und Hybridantrieben, alternativen Kraftstoffen und motorelektronischen und aerodynamischen Modifikationen auf der Straße.

Näheres dazu ist nachzulesen unter: http://www.dpdhl.com/de/presse/specials/elektromobilitaet.html

Miriam Buhl


NAFOR Jahresbericht 2016

Das Berichtsjahr 2016 stand umweltpolitisch unter dem Zeichen des Klimaschutzes und der Förderung umweltfreundlicher Energien. Das NaturschutzForum  Deutschland äußerte sich öffentlich, auch in diesem Zusammenhang,  zu Fragen des Artenschutzes und der Wiederansiedlung bedrohter Säugetiere, zum Nachweis von  mediterranen Neozoen auch in Norddeutschland sowie zur Novellierung  der Bundesdüngeverordnung und zum Bundesverkehrswegeplan.

Die gesetzlichen Beschränkungen im Rahmen des Ausbaus der Windenergie standen erneut zur Debatte. Den Verband erreichten Beschwerden im Zusammenhang mit zu geringen Abständen zu Schutzgebieten oder Siedlungen  und Forderungen nach Erdverkabelung. Diese wurde auch von Mitgliedern des NaFor im Zusammenhang mit der Südlink und anderen Trassen erneut gefordert. Dabei ging es um die Vermeidung der Höchstbarrieren mit 380 kV-Leitungen, deren freistehenden Masten ein Mehrfaches an Höhe darstellen als bei den bislang üblichen 110 kV-Einrichtungen. Dagegen wenden sich zwar wegen Flächenverlustes und Erderwärmung betroffene Landwirte, doch ist das das geringere Übel, um aus der Abhängigkeit von Atomstrom herauszukommen. Nach wie vor laufen Variantendiskussionen, die streckenwiese aber immer noch sensible Landschaften überspannen oder durchschneiden. Leider sind schon vor Jahren,  zu Anfang der Beteiligungsverfahren,  zum Beispiel mit Tennet im Bereich des Dümmers, Vereinbarungen  auf der Grundlage einer  oberirdischen Trassenführung getroffen worden, zumal mit einer begrenzten Laufzeit von nur 30 Jahren.

Die jahrzehntelange europaweite Kritik an den Haltungsformen in der Tiermast und im Legehennenbereich haben in Bezug auf die Käfighaltung zu einer Verbesserung geführt. Die Freilandhaltung auch kleiner Betriebe wird verstärkt gefördert. Allerdings wies NaFor wiederholt darauf hin, dass die Nachfrage des Verbrauchers nach billigem Fleisch die Missstände in der intensiven Tierhaltung widerspiegelt. Die landschaftliche Situation verschärft sich vielerorts dadurch, dass für Ruhezonen immer weniger Platz gelassen wird und auch öffentliche Saumbiotope in einem großen Anteil in Anspruch und umgepflügt werden. Das NaturschutzForum hat wiederholt davor gewarnt, dass Kommunen den Umgang ihres Eigentums vor allem durch Biogas-Produzenten (Slogan: Stromgewinnung mit Endlager“) dulden oder es bei einmaligen Bußgeldern bewenden lassen, statt die Wiederherstellung des vorigen Zustands konsequent  anzuordnen, allemal, wenn sich die Flächen im Eigentum der öffentlichen Hand befinden. Dadurch lassen sich Hunderte von Hektar naturnaher Flächen wiederherstellen. Dass das bisher nicht geschehen ist, liegt meist am fehlenden politischen Willen der kommunalen Mehrheiten oder die Rücksichtnahme darauf durch die ausführenden Verwaltungen.

Nach der Eingabe von NaFor an das BML (Parlam.Staatssekretärin Dr. Flachsbarth), die als Stellungnahme in das Bundesbeteiligungsverfahren zur Bundesdüngeverordnung aufgenommen wurde, gab es eine weitere Eingabe – dieses Mal ungleich schneller zu regeln. Es ging um die Frage,  warum die zahlreichen Informationsschriften der AID (Bonn) nur noch zu einem sehr kleinen Anteil internet-öffentlich zugänglich gemacht werden. Es gibt kein öffentlich zugängliches Gesamtverzeichnis darüber. Durch das BML wurde nun zugesichert, das Verzeichnis zugeschickt zu bekommen. Sobald das eintrifft, wird das an alle Mitglieder von NaFor weitergeleitet. Näheres dazu siehe die PM vom 15. November.

Das Bürgerforum zur Neubauplanung Stuttgart 21 der Deutschen Bahn hatte telefonisch die Unterstützung von NaFor abgefragt. Diese bezog sich vor allem auf den Verlust von historischen Parkbäumen und diversen Versiegelungen. Eine direkte Verfahrensbeteiligung von NaFor besteht nicht.

Die Aktivitäten der Mitgliedsverbände von NaFor sind vielfältig und aus deren Online-Auftritten ersichtlich (Beispiele sind: vbio.de; ag-artenschutz.de, bsh-natur.de). Eine Wiedergabe ist deshalb entbehrlich. Es wurde angeregt, sich 2017 ff. auch für  die von ihnen vorgeschlagenen Tagungsorte in anderen Bundesländern für die JVV zu entscheiden. Leider beendeten der Botanische Verein zu Hamburg und der Gartenbauverein Saar-Pfalz ihre Mitgliedschaft, aus persönlichen  Gründen oder weil die thematischen Schwerpunkte anders liegen. Die fachlichen Kontakte werden weiter bestehen.

Die im Dezember 2015 erschienene Veröffentlichung zur Jade – Flusslandschaft am Jadebusen (siehe www.jadebuch.de)  wurde von NaFor unterstützt. Drei Mitglieder des Präsidiums stellten die fünfköpfige Redaktion. Die Vorstellung im  UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer Besucherzentrum Wilhelmshaven  fand im Mai 2016 vor großem Auditorium statt. Der Verkauf ist positiv. Alle 71 Autorinnen und  Autoren haben auf ein Honorar verzichtet.

NaFor und BSH  setzen drei Informationsreihen fort, im Berichtsjahr erschienen zwei Öko-Porträts zum Maskenschläfer (Gartenschläfer, Nr.53) und Fischadler (Nr.54). Es wurde angeregt, Texte für die beiden anderen Reihen einzureichen, denn das letzte Blatt der Biotope erschien 2011, das der Merkblätter 2013. Anregungen zu 50 weiteren Merkblatt-Themen gibt eine aktualisierte Liste.

Die Pressemitteilungen von NaFor bezogen sich auf die Themen Tigermücken, Maskenschläfer, Eschensterben, Fischadler, Bundesverkehrswegeplan, Abfälle in der freien Landschaft durch Luftballon-Wettbewerbe sowie die AID-Broschüren.

 

Liesa-Marlena von Essen, M. Sc.

        Präsidentin von NaFor


VBIO nimmt Stellung zur Novelle des Naturschutzgesetzes

Berlin. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit bereitet derzeit eine Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes vor. Bei dieser geht es um einzelne notwendige Anpassungen an die fortgeschrittene naturschutzpolitische Debatte bzw. an die Rechtsprechung.
Mit dabei: Die Schließung von Gesetzeslücken im Bereich des Heckenschutzes, die Aufnahme von Höhlen sowie naturnahen Stollen als gesetzlich geschützte Biotope, die verbindliche Festschreibung des länderübergreifenden Biotopverbundes sowie Regelungen zur Bevorratung von Kompensationsflächen in der „ausschließlichen Wirtschaftszone“ auf See.

Der VBIO hat im Rahmen der Verbändeanhörung den Entwurf kommentiert und dabei insbesondere die Änderungen der Vorschriften für besonders geschützte und bestimmte andere Tier- und Pflanzenarten (§ 44) kritisiert. Angesichts der Freistellungsoptionen für Land- und Forstwirtschaft im Rahmen der Eingriffsregelung und der im Siedlungsbereich restriktiven Regelungen des Baugesetzbuches ist der entsprechende Passus des Bundesnaturschutzgesetzes derzeit einer der wenigen Hebel, um überhaupt expliziten Artenschutz betreiben zu können. Vor diesem Hintergrund sollten Änderungen der Schutzvorschriften in § 44 nur mit besonderem Augenmaß erfolgen.

Die vorgeschlagenen Neuregelungen bieten allerdings zukünftig mehr Möglichkeiten, sich den Tötungs- und Verletzungsverboten zu entziehen – sei es durch eine entsprechende Auslegung unscharfer Begrifflichkeiten („signifikant erhöhtes Tötungsrisiko“, „Unvermeidbarkeit“, „Angemessenheit“) oder aber durch explizite Ausnahmegenehmigungen. Diese sollen in Anspruch genommen werden können, wenn zugleich hinreichend gewichtige öffentliche Belange die Realisierung der Maßnahmen erfordern“. Explizit benannt wird in diesem Fall das im Erneuerbare Energien Gesetz festgeschriebene öffentliches Interesse an der Erhöhung des Anteils der erneuerbaren Energien. Betreiber von Windkraftanlagen können also zukünftig mit großzügigen Ausnahmegenehmigungen vom Tötungsverbot rechnen. Dies ist sicher kein Fortschritt für den Schutz von (unter anderem) Vögeln und Fledermäusen.

Pressemitteilung des VBIO, abzurufen unter: http://www.vbio.de/informationen/alle_news/e17162?news_id=23184

Von Bodenschutz und Blumenwiesen

NaFor fragt wegen aid-Reihe nach wichtigen Titeln

Berlin und Bonn.  Nur wenige Periodika zur fachlichen Kurzinformation von Landwirtschaft und Naturschutz sind so erfolgreich wie die Broschüren des Auswertungs- und Informationsdienstes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AID) e.V. in Bonn. Die Reihe wird maßgeblich gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BM). Das NaturschutzForum Deutschland (NaFor) sieht in vielen hundert Titeln auch wichtige Anleitungen für den angewandten Naturschutz. Solche Hinweise erleichtern die Kooperation mit der Landwirtschaft bei gemeinsamen Projekten, die zum Beispiel den Vertragsnaturschutz oder Kompensationsmaßnahmen betreffen. Die Hefte im A 5-Format umfassen etwa 30 bis 50 Seiten und lassen sich auch im anwendungsorientierten Schulunterricht, für die grafische Gestaltung von Vorträgen und Diskussionen sowie als Tischvorlagen für die Arbeit in politischen Ausschüssen verwenden.

Zu den Themen gehören der Natur- und Umweltschutz auf naturnahen und kultivierten Flächen im weitesten Sinne. Das beginnt bei Fragen der Eindämmung von Bodenerosionen (Bodenschutz und Landwirtschaft 1174), setzt sich fort mit Heil- und Gewürzpflanzen im eigenen Garten (1192) und gibt konkrete Pflegehinweise für Obstwiesen (7150) und Stauden (1236), Artenschutz im Acker (VHS-Videofilm 8883) sowie Biotoppflege mit Schafen (1197) oder Pflanzen des Dorffriedhofs (1148). Nach Aussage von NaFor zeigt ein Blick auf die aid-homepage, dass heute nur noch wenige jüngere Titel aufgerufen werden können – der größte Teil ist im Netz nicht mehr zu finden.

Eine Blumenwiese in den neunziger Jahren anzulegen, ist nach wie vor aktuell. Dabei lassen sich exzellente Grafiken wie im Heft 1155/1996, S.43/Bild 55, zur Schaffung vielfältiger Futterquellen und Lebensstätten für Tiere mit Bindung der Schmetterlinge und ihrer Raupen an die  „Blumenwiese als Lebensgemeinschaft“ (Text von Gotthard Wolf, BfN, Grafik  von Helge und Ilse Lipfert) gut bei den genannten Anlässen verwenden. Was spricht also dagegen, zumindestens ein Gesamtverzeichnis öffentlich zugänglich zu machen? Ist es vielleicht die Rücksichtnahme auf Interessen von Großagrariern, deren Lebens- und Futtermittel-Produktion natürlich anderen Vorgaben folgt als den Interessen des Schutzes naturnaher Lebensräume und ihrer Bewohner. Die alten Titel wären Erinnerung an die historischen  Tugenden der bäuerlichen Landwirtschaft auf kleinparzellierten Flächen, die sich nach wie vor auf Randflächen, auf Grenzertragsböden oder im Rahmen von Ausgleichs- und Ersatz- sowie  Biotopverbundmaßnahmen umsetzen lassen.

Das BML teilte NaFor jetzt auf Anfrage mit, dass viele dieser Publikationen nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik und Normen entsprächen. Auch stünden die begrenzten finanziellen und personellen Kapazitäten im Wege. Dennoch habe das BML dafür Sorge getragen, dass eine Word-Datei mit Stichwortsuche zur Verfügung gestellt werden könne. Zuständig ist der aid in Bonn (m.heidrich@aid-mail.de). NaFor begrüßt es, dass wenigstens über diesem Weg die Liste per E-Mail zugänglich gemacht wird. Denn wer die Vorteile der Wiesenmahd mit Balkenmäher statt Schlegelmäher beschrieben haben möchte, den interessiert die Darstellung des ökologischen Effektes mehr als die Frage nach der neuesten Technik, denn diese lässt sich aktualisieren, aber jene hilft in Argumentation und Verständnis.

Remmer Akkermann


Luftballon-Steigenlassen und dann ?

NaturschutzForum Deutschland: Kunststoffe können für Tiere lebensgefährlich sein

Oldenburg (Oldb).  Wer feierlichen Ereignissen, Demonstrationen oder Aktionstagen besonderen Ausdruck verleihen will, bedient sich nicht selten bunter Hilfsmittel. Dazu zählen insbesondere Luftballons verschiedenster Größen und Mengen. Wer mehr investiert, kann das auch über Feuerwerk, Fackelumzüge oder Einlagen mit  Drohnen zum Ausdruck bringen.  Das NaturschutzForum Deutschland (NaFor) hält diese Aktionen mehrheitlich für ungeeignet, weil die Folgen für Natur- und Landschaft nicht bedacht werden.

Aufgestiegene Luftballons kommen irgendwann wieder herunter. Sie liegen dann im Gelände herum und können von Tieren mit Futter verwechselt und aufgenommen werden, was zu Magen- und Darmverschlüssen führen kann. Ansonsten verbleiben sie auf dem Boden und es dauert –je nach Material- Jahrzehnte, bis  dieses vollständig mineralisiert ist. Die Verursacher sollten stattdessen die Ballons an Leinen begrenzt aufsteigen lassen, um sie am Schluss wieder einzuziehen und selbst zu entsorgen oder wiederzuverwenden. Mitteilungen lassen sich heute auf anderen Wegen sinnvoller verschicken als mit der Ballonpost.  Ähnliches gilt auch für das Wild erschreckende Störungen, die mit viel Lärm oder Blitzen  verbunden sind. Auch hier gäbe es Alternativen, die die Tiere nicht verängstigen, aber feierlichen Anlässen gerecht werden. In Frage kämen Multivisionsschauen, Tanz- oder andere Veranstaltungen in geschlossenen Räumen.

Aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle. Der Storchenexperte Udo Hilfers berichtet davon, dass immer wieder Störche dabei beobachtet werden, wie sie Netze von Rundballen und landwirtschaftlich eingesetzte Bindegarne für den Nestbau verwenden; geraten diese in den Magen der Jungstörche, gibt es Komplikationen, das kann auch zu einem lebensgefährlichen Verheddern der Füße, Hälse und Schnäbel führen. Ausgespiehene Gewölle enthalten auch Gummibänder, wie sie oft zum Umwickeln von Radieschen und anderem Gemüse verwendet werden. NaFor appelliert deshalb für eine ordnungsgemäße Entsorgung solcher Gummibänder und wendet sich gegen das sorglose Wegwerfen in die freie Landschaft.  Ähnlich negativ sind die Auswirkungen von Folien, die von den Störchen als Polstermaterial ins Nest eingetragen werden. Bei stärkerem Regen kommt es dann schnell zu Unterkühlung der im Wasser liegenden Jungstörche oder Eier. Hilfers empfiehlt deshalb einen Austausch der oben liegenden erdigen Bestandteile und Kunststoffe gegen wasserdurchlässige Holzhäckselspäne, die wie eine Drainage wirken und vor dem Kältetod bewahren.

Wer Materialien aus der Hand gibt, muss sich also gleich fragen, wie sie am Ende aus der Natur herausgehalten werden können.

Das gilt natürlich ebenfalls  in einer ganz anderen Größenordnung für die unablässigen Immissionen aus industrieller, gewerblicher und häuslicher Produktion. Kohlen- und Schwefeldioxid, aber auch die Emissionen aus der Düngung von Kulturböden wie vor allem Stickstoffverbindungen führen flächenhaft zu negativen Effekten, ob in Boden, Wasser oder in der Luft. Das zeigt sich indirekt durch die in den letzten Jahren stark angewachsene grüne Schwimmdeckenbildung auf stehenden Gewässern aus Entengrütze zum Nachteil der darunter im abgedunkelten Wasserkörper lebenden Fische und Amphibien, deren Sichtfeld- und Bewegungsspielraum mehr oder weniger stark eingeschränkt sind. Selbst Graureiher und Eisvögel haben es dann schwer, ihre Beute zu fangen. Das NaturschutzForum hält deshalb eine verstärkte Kontrolle jener Verursacher für notwendig, die zu einer unzulässigen Nährstoffanreicherung (Eutrophierung) beitragen. Dass dies der Fall ist, unabhängig von den ständigen Erklärungen, dass niemand für zu viel Dünger unnötig Geld investiere, zeigen die genannten Beispiele von Gummibändern bis zur Entengrütze.

 

Günter Brüning (Wassergruppe der Agenda 21 Oldenburg)


Der Bundesverkehrswegeplan – in den nächsten 30 Jahren mehr sanieren statt auszubauen

NaturschutzForum Deutschland kritisiert zu lange Laufzeit und zu starke Förderung des traditionellen Straßenverkehrs, stattdessen mehr Bahn, mehr Ruhezonen und Visionen
Dazu ein Kommentar von Uwe Seeber.

Bundesverkehrsminister Dobrindt hat jetzt einen Verkehrswegeplan vorgelegt, aber es bleibt, was die Eckpunkte anbetrifft, alles beim Alten – und das für einen viel zu langen Zeitraum von drei Jahrzehnten. Wer weiß heute schon, welche Prioritäten sich in den nächsten sieben Legislatur- perioden auftun werden? Trotz der Energiekrise, trotz der Klimakrise, trotz der Umweltveränderung, trotz weiterer Umweltzerstörung, trotz der zur Neige gehenden Ölreserven und anderer Ressourcen wie Metalle und seltene Erden vermittelt der Plan keine überzeugende Vision. Eines von vielen Indizien zur ökologischen Situation ist der gerade bekanntgegebene 80 %ige Rückgang an fliegenden Insekten, das bedeutet einen Verlust an Bioindikatoren und auch ein entsprechend geringeres Nahrungsangebot für Vögel. Die E-Autos sind ja nicht nur positiv zu sehen, denn die Zahl der Fahrzeuge nimmt dadurch nicht ab, die Menge des Materialverschleißes könnte sogar noch zunehmen, der zur Zeit benötigte Strom wird noch überwiegend aus fossilen Brennstoffen gewonnen und die Kilometerleistungen sind relativ gering. An die stattdessen vielgepriesenen kosmetischen Ingenieurleistungen denkt man angesichts des ständigen Aus- und Anstellens der Motoren an Ampeln, es erspart etwas Kraftstoff, dürfte aber dem Motor nicht gut tun. Ständig überdecken in neuen Autos wartungsaufwändige und mehr und mehr kriminellen Cyberangriffen ausgelieferte IT-Anlagen den eigentlichen Bedarf, von A nach B zu kommen. Man darf sich angesichts unserer Zukunftsprobleme auch fragen, was eigenständig fahrende Automobile auf unseren Straßen zu suchen haben werden, einmal ganz abgesehen von der Tatsache, dass wir im Zeichen der größer werdenden Automatisierung der nächsten Arbeitslosigkeit entgegensteuern dürften. Insofern ist solche „künstliche Intelligenz“ mit großen Vorbehalten zu sehen.
Wir haben inzwischen in Deutschland fast 700.000 km Straßen und fast 40.000 km Schienenwege. Jetzt müssen nicht nur diese alle saniert und aufbereitet, sondern auch ein Großteil aller Brücken früher als geplant erneuert werden, weil ja der Verkehr nach aktuellen Berechnungen steigt. Bis 2030 soll der Personenverkehr um 15 %, der Güterverkehr sogar um 40 % zunehmen, Letzterer funktioniert heute mehr schlecht als recht. Die stauträchtigen Nordsüd- und Ostwest-Autobahnachsen sind auf vielen Abschnitten überlastet, wenn LKW-Schlangen sich bis zum Horizont stauträchtig unter großem Verlust von Arbeitszeiten und Wohlbefinden der Fahrer voran bewegen.
Wir brauchen regionale Verkehrskonzepte mit Vorrang für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und auch die Integration des Rads, wie uns Beispiele in den Niederlanden und Kopenhagen sowie Universitätsstädte wie Münster und Oldenburg vormachen. Gütertransport muss beschleunigt vom Lkw auf die Schiene, Lkw nur zur Nahverteilung. Es muss eine realistische Geschwindigkeitsregelung wie in den anderen Ländern der Fall erfolgen. Wer dort mal war, weiß, dass Geschwindigkeitsbeschränkungen bis zu 130 km/h zu einem ruhigen Verkehrsfluss führen und ein entspanntes Fahren ermöglichen. Von allen diesen Defiziten wissen Bevölkerung und Politiker seit langem.
Ein neues Denken ist in der Werbung zu favorisieren, dass Autos eine Transportfunktion erfüllen sollen und nicht zur Darstellung als Prestige-Objekt verkommen dürfen (der Papst macht es doch vor). Warum erklären wir das von Seiten der Naturschutzverbände? Als dezentral organisierter und unter den Mitgliedern vernetzter Naturschutzverband sind wir angesichts der kommenden drei Jahrzehnte Fernstraßenbau dafür,
– dass die Landschaft auch mit Ruhe- und Erholungszonen erhalten bleibt und nicht weiter für immer neue Bauprojekte zerschnitten wird,
– dass die Lebensräume für wildlebende Pflanzen und Tiere nicht weiter verkleinert oder zerstört, sondern Naturkorridoren (Biotopverbundsystemen) großräumig zugeordnet werden,
– dass die Fluss-Systeme und andere wertvolle Landschaftsbestandteile mindestens nach EU-Standards renaturiert und belebt werden,
– dass nicht nur Blühstreifen am Feldrand angelegt werden, sondern die Landwirtschaft zur Diversität und regelmäßiger Brache sowie mindestens 10 % jeden Betriebs als dauerhafte Ruhezonen verpflichtet wird,
– dass die agrarischen Tierbestände auf die vorhandenen Intensivflächen abzustimmen und zu begrenzen sind (laut ehemaligem Gülle-Erlass war eine Milchkuh/Hektar der Maßstab) – wie gerade vom Bundesumweltministerium gefordert. Mit diesen sinnvollen öffentlichen Subventionen können kleineren Betrieben landschaftspflegerische Aufgaben dauerhaft zugewiesen werden, ein Weg, um das unerwünschte Höfesterben aufzuhalten.
– dass Wind und Biomassen primär auf kommunaler Ebene entsprechend dem örtlichen Bedarf (und nicht mehr) von Energiewirten landschaftsschonend genutzt werden.
Aus diesen –und weiteren- Aspekten ist gemeinsam mit den hauptbetroffenen Interessengruppen eine Vision zu erarbeiten, die eine lebenswerte zukünftige Entwicklung im Siedlungs- und Außenbereich gleichermaßen schnell voranbringt. Ein „Weiter so“ kann es nicht geben, da die Grundlagen dafür fehlen und wir überall an Grenzen stoßen, ob beim Schutz der Böden, der Abwehr von exotischen Parasiten im Holz, der ausufernden Fischerei, der Kohlendioxid-Belastung und der aus dem Ruder gelaufenen Wachstumspolitik bis hin zu der Frage welche ökologischen Fußabdrücke eine immer weiter wachsende Bevölkerung mit sich bringt – die natürlichen Belange zu fördern, gelingt gerade auch jenen Staaten wie Schweden, wo nur ein Zehntel der in Deutschland ansässigen Bevölkerung lebt. Das Weniger trägt nicht nur zum Klimaschutz bei, sondern wird auch den Verkehrslärm, den Flächenverbrauch und die Luftschadstoffe deutlich ändern. Wir wollen einen effektiven Schutz vor Verkehrslärm an Straßen, Schienen und Flughäfen. Wir wollen die Rechte der Menschen, die von Lärm betroffen sind, stärken. Das Nachhaltigkeitsziel, den Flächenverbrauch zu begrenzen, nehmen wir ernst. Der Bundesverkehrswegeplan führt zu zaghaft aufs richtige Gleis!
Die Bahn muss das Verkehrsmittel der Zukunft werden, nicht der Vergangenheit gewesen sein. Wir brauchen attraktive Zugverbindungen Tag und Nacht. Und weil Bahnfahren umweltfreundlich, sicher und sozial ist, darf es nicht teurer sein als das individuelle Autofahren und Fliegen. Dazu brauchen wir bessere Wettbewerbsbedingungen der weiterhin bundeseigenen Bahn und sollten mit ihren (vorübergehenden) Schwächen nachsichtiger umgehen.
Die Infrastrukturplanung muss neu aufgestellt werden. Bahnverkehr und ÖPNV sollten gut getaktet und Anschlüsse besser aufeinander abgestimmt werden, Optimierungen in alle Richtungen sind ein Dauerthema. Warum geht das in der Schweiz, nicht aber in Deutschland? Außerdem könnte die Bahn weiterhin der Vorreiter für die Energiewende sein. Die Bahn sollte 100 % aus regenerativer Energie gespeist werden. Autos sollen den Anteil vernetzter Mobilität unterstützen, aber nicht verdrängen. An den Schnittstellen des ÖPNV stehen vor allen Dingen Car-Sharing-Modelle.
Nach wie vor spielt in unserer Region der Güterverkehr auf dem Lkw noch eine viel zu große Rolle. „Just in time“, der LKW als rollendes Lager, kann auch teure Kehrseiten haben, wie das Beispiel VW im August gerade gezeigt hat. Die Autobahn darf nicht die verlängerte Lagerhalle der Fabriken sein. Güterverkehr gehört auf die Schiene oder das Binnenschiff. Außerdem sollte unnötiger Transport durch halb Europa vermieden werden. Das setzt zugleich eine gute Information der Verbraucher und Verkehrsnutzer voraus. Denn in den Details der Abstimmungen liegen die notwendigen Fertigkeiten. Da bleiben abgelegene Dörfer und ältere Menschen nicht draußen vor, sondern werden über Shuttle-Busse, Rufbereitschaften, Schulbusverkehr und andere Fahrkonzepte 24 Stunden vernetzt und sei es über Rufbereitschaften und geförderte Taxis. Auch sollte beim Kauf täglicher Produkte auf die Herkunft geachtet werden, kurze Wege und Lebensmittel der Saison sollten bevorzugt werden.
Nur so kann eine auch im kleinteiligen Bereich lebendige und erholungswirksame Kulturlandschaft erhalten bleiben. Das NaturschutzForum Deutschland hält diese Vorgehensweise für notwendig und fordert eine beschleunigte Umsetzung, denn Energie-, Klima- und Rohstoffkrise sind schon Realität oder stehen vor der Tür und lassen sich nicht zurückdrehen. Versuchen wir jetzt das, was noch möglich ist für uns und kommende Generationen zu erhalten. Hier ist der Appell „Wir schaffen das!“ in existenzieller Hinsicht notwendig, benötigt aber ein gut aufeinander abgestimmtes europaweites bis internationales Zusammenwirken aller Akteure.

Der Autor ist zu erreichen unter: dr.u-seeber@ewetel.net


Der Fischadler (Pandion heliaetus)

Neues Ökoporträt der Naturschutzverbände NaFor und BSH verfasst von Ulrike Marxmeier, Frank Körner und Frank Apffelstaedt.

Wardenburg. NaFor und BSH danken der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) für die Finanzierung dieses Ökoportraits.

In Mitteleuropa sind Fischadler Zugvögel, die den Winter im tropischen Afrika südlich der Sahara verbringen. Jedes Jahr wandern sie von dort aus in ihre Brutgebiete. Diese befinden sich vor allem in Polen und in Ostdeutschland, einige brüten in Niedersachsen. Die Adler treffen dort ab Ende März ein. Im August und September brechen sie wieder in die Winterquartiere auf. Weltweit gesehen sind Fischadler auf allen Kontinenten zu Hause. Sie brüten in Nord- und Mittelamerika, in Nord- und Osteuropa, an einigen Küsten des Mittelmeeres, in großen Teilen Asiens bis zum Indischen Ozean, in Teilen Afrikas sowie an den Küsten Australiens. Je wärmer das Klima in den einzelnen geographischen Regionen im Herbst und Winter ist, desto weniger ziehen die Fischadler nach ihrer Brut in andere Gebiete zur Überwinterung.

Ein Fischadler ernährt sich ausschließlich von Fisch und ist speziell an eine Jagd auf diese Tiere angepasst. Im Suchflug fliegt er ein Gewässer ab, über erfolgversprechenden Stellen bleibt der Adler im Rüttelflug in der Luft stehen, bis er eine Beute entdeckt hat. Dann stürzt er sich mit den Krallen voran steil ins Wasser, um sie damit zu packen. Die Flügel des Fischadlers können besonders weit über den Rücken geschlagen werden. Dadurch bekommt der Adler den nötigen Auftrieb, um sich mit seiner manchmal schweren Beute aus dem Wasser herauszuarbeiten.“

 

Näheres erfahren Sie im neuen Ökoporträt Nr. 54, welches hier auf der BSH-Homepage eingesehen werden kann.