Luftballon-Steigenlassen und dann ?

NaturschutzForum Deutschland: Kunststoffe können für Tiere lebensgefährlich sein

Oldenburg (Oldb).  Wer feierlichen Ereignissen, Demonstrationen oder Aktionstagen besonderen Ausdruck verleihen will, bedient sich nicht selten bunter Hilfsmittel. Dazu zählen insbesondere Luftballons verschiedenster Größen und Mengen. Wer mehr investiert, kann das auch über Feuerwerk, Fackelumzüge oder Einlagen mit  Drohnen zum Ausdruck bringen.  Das NaturschutzForum Deutschland (NaFor) hält diese Aktionen mehrheitlich für ungeeignet, weil die Folgen für Natur- und Landschaft nicht bedacht werden.

Aufgestiegene Luftballons kommen irgendwann wieder herunter. Sie liegen dann im Gelände herum und können von Tieren mit Futter verwechselt und aufgenommen werden, was zu Magen- und Darmverschlüssen führen kann. Ansonsten verbleiben sie auf dem Boden und es dauert –je nach Material- Jahrzehnte, bis  dieses vollständig mineralisiert ist. Die Verursacher sollten stattdessen die Ballons an Leinen begrenzt aufsteigen lassen, um sie am Schluss wieder einzuziehen und selbst zu entsorgen oder wiederzuverwenden. Mitteilungen lassen sich heute auf anderen Wegen sinnvoller verschicken als mit der Ballonpost.  Ähnliches gilt auch für das Wild erschreckende Störungen, die mit viel Lärm oder Blitzen  verbunden sind. Auch hier gäbe es Alternativen, die die Tiere nicht verängstigen, aber feierlichen Anlässen gerecht werden. In Frage kämen Multivisionsschauen, Tanz- oder andere Veranstaltungen in geschlossenen Räumen.

Aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle. Der Storchenexperte Udo Hilfers berichtet davon, dass immer wieder Störche dabei beobachtet werden, wie sie Netze von Rundballen und landwirtschaftlich eingesetzte Bindegarne für den Nestbau verwenden; geraten diese in den Magen der Jungstörche, gibt es Komplikationen, das kann auch zu einem lebensgefährlichen Verheddern der Füße, Hälse und Schnäbel führen. Ausgespiehene Gewölle enthalten auch Gummibänder, wie sie oft zum Umwickeln von Radieschen und anderem Gemüse verwendet werden. NaFor appelliert deshalb für eine ordnungsgemäße Entsorgung solcher Gummibänder und wendet sich gegen das sorglose Wegwerfen in die freie Landschaft.  Ähnlich negativ sind die Auswirkungen von Folien, die von den Störchen als Polstermaterial ins Nest eingetragen werden. Bei stärkerem Regen kommt es dann schnell zu Unterkühlung der im Wasser liegenden Jungstörche oder Eier. Hilfers empfiehlt deshalb einen Austausch der oben liegenden erdigen Bestandteile und Kunststoffe gegen wasserdurchlässige Holzhäckselspäne, die wie eine Drainage wirken und vor dem Kältetod bewahren.

Wer Materialien aus der Hand gibt, muss sich also gleich fragen, wie sie am Ende aus der Natur herausgehalten werden können.

Das gilt natürlich ebenfalls  in einer ganz anderen Größenordnung für die unablässigen Immissionen aus industrieller, gewerblicher und häuslicher Produktion. Kohlen- und Schwefeldioxid, aber auch die Emissionen aus der Düngung von Kulturböden wie vor allem Stickstoffverbindungen führen flächenhaft zu negativen Effekten, ob in Boden, Wasser oder in der Luft. Das zeigt sich indirekt durch die in den letzten Jahren stark angewachsene grüne Schwimmdeckenbildung auf stehenden Gewässern aus Entengrütze zum Nachteil der darunter im abgedunkelten Wasserkörper lebenden Fische und Amphibien, deren Sichtfeld- und Bewegungsspielraum mehr oder weniger stark eingeschränkt sind. Selbst Graureiher und Eisvögel haben es dann schwer, ihre Beute zu fangen. Das NaturschutzForum hält deshalb eine verstärkte Kontrolle jener Verursacher für notwendig, die zu einer unzulässigen Nährstoffanreicherung (Eutrophierung) beitragen. Dass dies der Fall ist, unabhängig von den ständigen Erklärungen, dass niemand für zu viel Dünger unnötig Geld investiere, zeigen die genannten Beispiele von Gummibändern bis zur Entengrütze.

 

Günter Brüning (Wassergruppe der Agenda 21 Oldenburg)


Der Bundesverkehrswegeplan – in den nächsten 30 Jahren mehr sanieren statt auszubauen

NaturschutzForum Deutschland kritisiert zu lange Laufzeit und zu starke Förderung des traditionellen Straßenverkehrs, stattdessen mehr Bahn, mehr Ruhezonen und Visionen
Dazu ein Kommentar von Uwe Seeber.

Bundesverkehrsminister Dobrindt hat jetzt einen Verkehrswegeplan vorgelegt, aber es bleibt, was die Eckpunkte anbetrifft, alles beim Alten – und das für einen viel zu langen Zeitraum von drei Jahrzehnten. Wer weiß heute schon, welche Prioritäten sich in den nächsten sieben Legislatur- perioden auftun werden? Trotz der Energiekrise, trotz der Klimakrise, trotz der Umweltveränderung, trotz weiterer Umweltzerstörung, trotz der zur Neige gehenden Ölreserven und anderer Ressourcen wie Metalle und seltene Erden vermittelt der Plan keine überzeugende Vision. Eines von vielen Indizien zur ökologischen Situation ist der gerade bekanntgegebene 80 %ige Rückgang an fliegenden Insekten, das bedeutet einen Verlust an Bioindikatoren und auch ein entsprechend geringeres Nahrungsangebot für Vögel. Die E-Autos sind ja nicht nur positiv zu sehen, denn die Zahl der Fahrzeuge nimmt dadurch nicht ab, die Menge des Materialverschleißes könnte sogar noch zunehmen, der zur Zeit benötigte Strom wird noch überwiegend aus fossilen Brennstoffen gewonnen und die Kilometerleistungen sind relativ gering. An die stattdessen vielgepriesenen kosmetischen Ingenieurleistungen denkt man angesichts des ständigen Aus- und Anstellens der Motoren an Ampeln, es erspart etwas Kraftstoff, dürfte aber dem Motor nicht gut tun. Ständig überdecken in neuen Autos wartungsaufwändige und mehr und mehr kriminellen Cyberangriffen ausgelieferte IT-Anlagen den eigentlichen Bedarf, von A nach B zu kommen. Man darf sich angesichts unserer Zukunftsprobleme auch fragen, was eigenständig fahrende Automobile auf unseren Straßen zu suchen haben werden, einmal ganz abgesehen von der Tatsache, dass wir im Zeichen der größer werdenden Automatisierung der nächsten Arbeitslosigkeit entgegensteuern dürften. Insofern ist solche „künstliche Intelligenz“ mit großen Vorbehalten zu sehen.
Wir haben inzwischen in Deutschland fast 700.000 km Straßen und fast 40.000 km Schienenwege. Jetzt müssen nicht nur diese alle saniert und aufbereitet, sondern auch ein Großteil aller Brücken früher als geplant erneuert werden, weil ja der Verkehr nach aktuellen Berechnungen steigt. Bis 2030 soll der Personenverkehr um 15 %, der Güterverkehr sogar um 40 % zunehmen, Letzterer funktioniert heute mehr schlecht als recht. Die stauträchtigen Nordsüd- und Ostwest-Autobahnachsen sind auf vielen Abschnitten überlastet, wenn LKW-Schlangen sich bis zum Horizont stauträchtig unter großem Verlust von Arbeitszeiten und Wohlbefinden der Fahrer voran bewegen.
Wir brauchen regionale Verkehrskonzepte mit Vorrang für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und auch die Integration des Rads, wie uns Beispiele in den Niederlanden und Kopenhagen sowie Universitätsstädte wie Münster und Oldenburg vormachen. Gütertransport muss beschleunigt vom Lkw auf die Schiene, Lkw nur zur Nahverteilung. Es muss eine realistische Geschwindigkeitsregelung wie in den anderen Ländern der Fall erfolgen. Wer dort mal war, weiß, dass Geschwindigkeitsbeschränkungen bis zu 130 km/h zu einem ruhigen Verkehrsfluss führen und ein entspanntes Fahren ermöglichen. Von allen diesen Defiziten wissen Bevölkerung und Politiker seit langem.
Ein neues Denken ist in der Werbung zu favorisieren, dass Autos eine Transportfunktion erfüllen sollen und nicht zur Darstellung als Prestige-Objekt verkommen dürfen (der Papst macht es doch vor). Warum erklären wir das von Seiten der Naturschutzverbände? Als dezentral organisierter und unter den Mitgliedern vernetzter Naturschutzverband sind wir angesichts der kommenden drei Jahrzehnte Fernstraßenbau dafür,
– dass die Landschaft auch mit Ruhe- und Erholungszonen erhalten bleibt und nicht weiter für immer neue Bauprojekte zerschnitten wird,
– dass die Lebensräume für wildlebende Pflanzen und Tiere nicht weiter verkleinert oder zerstört, sondern Naturkorridoren (Biotopverbundsystemen) großräumig zugeordnet werden,
– dass die Fluss-Systeme und andere wertvolle Landschaftsbestandteile mindestens nach EU-Standards renaturiert und belebt werden,
– dass nicht nur Blühstreifen am Feldrand angelegt werden, sondern die Landwirtschaft zur Diversität und regelmäßiger Brache sowie mindestens 10 % jeden Betriebs als dauerhafte Ruhezonen verpflichtet wird,
– dass die agrarischen Tierbestände auf die vorhandenen Intensivflächen abzustimmen und zu begrenzen sind (laut ehemaligem Gülle-Erlass war eine Milchkuh/Hektar der Maßstab) – wie gerade vom Bundesumweltministerium gefordert. Mit diesen sinnvollen öffentlichen Subventionen können kleineren Betrieben landschaftspflegerische Aufgaben dauerhaft zugewiesen werden, ein Weg, um das unerwünschte Höfesterben aufzuhalten.
– dass Wind und Biomassen primär auf kommunaler Ebene entsprechend dem örtlichen Bedarf (und nicht mehr) von Energiewirten landschaftsschonend genutzt werden.
Aus diesen –und weiteren- Aspekten ist gemeinsam mit den hauptbetroffenen Interessengruppen eine Vision zu erarbeiten, die eine lebenswerte zukünftige Entwicklung im Siedlungs- und Außenbereich gleichermaßen schnell voranbringt. Ein „Weiter so“ kann es nicht geben, da die Grundlagen dafür fehlen und wir überall an Grenzen stoßen, ob beim Schutz der Böden, der Abwehr von exotischen Parasiten im Holz, der ausufernden Fischerei, der Kohlendioxid-Belastung und der aus dem Ruder gelaufenen Wachstumspolitik bis hin zu der Frage welche ökologischen Fußabdrücke eine immer weiter wachsende Bevölkerung mit sich bringt – die natürlichen Belange zu fördern, gelingt gerade auch jenen Staaten wie Schweden, wo nur ein Zehntel der in Deutschland ansässigen Bevölkerung lebt. Das Weniger trägt nicht nur zum Klimaschutz bei, sondern wird auch den Verkehrslärm, den Flächenverbrauch und die Luftschadstoffe deutlich ändern. Wir wollen einen effektiven Schutz vor Verkehrslärm an Straßen, Schienen und Flughäfen. Wir wollen die Rechte der Menschen, die von Lärm betroffen sind, stärken. Das Nachhaltigkeitsziel, den Flächenverbrauch zu begrenzen, nehmen wir ernst. Der Bundesverkehrswegeplan führt zu zaghaft aufs richtige Gleis!
Die Bahn muss das Verkehrsmittel der Zukunft werden, nicht der Vergangenheit gewesen sein. Wir brauchen attraktive Zugverbindungen Tag und Nacht. Und weil Bahnfahren umweltfreundlich, sicher und sozial ist, darf es nicht teurer sein als das individuelle Autofahren und Fliegen. Dazu brauchen wir bessere Wettbewerbsbedingungen der weiterhin bundeseigenen Bahn und sollten mit ihren (vorübergehenden) Schwächen nachsichtiger umgehen.
Die Infrastrukturplanung muss neu aufgestellt werden. Bahnverkehr und ÖPNV sollten gut getaktet und Anschlüsse besser aufeinander abgestimmt werden, Optimierungen in alle Richtungen sind ein Dauerthema. Warum geht das in der Schweiz, nicht aber in Deutschland? Außerdem könnte die Bahn weiterhin der Vorreiter für die Energiewende sein. Die Bahn sollte 100 % aus regenerativer Energie gespeist werden. Autos sollen den Anteil vernetzter Mobilität unterstützen, aber nicht verdrängen. An den Schnittstellen des ÖPNV stehen vor allen Dingen Car-Sharing-Modelle.
Nach wie vor spielt in unserer Region der Güterverkehr auf dem Lkw noch eine viel zu große Rolle. „Just in time“, der LKW als rollendes Lager, kann auch teure Kehrseiten haben, wie das Beispiel VW im August gerade gezeigt hat. Die Autobahn darf nicht die verlängerte Lagerhalle der Fabriken sein. Güterverkehr gehört auf die Schiene oder das Binnenschiff. Außerdem sollte unnötiger Transport durch halb Europa vermieden werden. Das setzt zugleich eine gute Information der Verbraucher und Verkehrsnutzer voraus. Denn in den Details der Abstimmungen liegen die notwendigen Fertigkeiten. Da bleiben abgelegene Dörfer und ältere Menschen nicht draußen vor, sondern werden über Shuttle-Busse, Rufbereitschaften, Schulbusverkehr und andere Fahrkonzepte 24 Stunden vernetzt und sei es über Rufbereitschaften und geförderte Taxis. Auch sollte beim Kauf täglicher Produkte auf die Herkunft geachtet werden, kurze Wege und Lebensmittel der Saison sollten bevorzugt werden.
Nur so kann eine auch im kleinteiligen Bereich lebendige und erholungswirksame Kulturlandschaft erhalten bleiben. Das NaturschutzForum Deutschland hält diese Vorgehensweise für notwendig und fordert eine beschleunigte Umsetzung, denn Energie-, Klima- und Rohstoffkrise sind schon Realität oder stehen vor der Tür und lassen sich nicht zurückdrehen. Versuchen wir jetzt das, was noch möglich ist für uns und kommende Generationen zu erhalten. Hier ist der Appell „Wir schaffen das!“ in existenzieller Hinsicht notwendig, benötigt aber ein gut aufeinander abgestimmtes europaweites bis internationales Zusammenwirken aller Akteure.

Der Autor ist zu erreichen unter: dr.u-seeber@ewetel.net


Der Fischadler (Pandion heliaetus)

Neues Ökoporträt der Naturschutzverbände NaFor und BSH verfasst von Ulrike Marxmeier, Frank Körner und Frank Apffelstaedt.

Wardenburg. NaFor und BSH danken der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) für die Finanzierung dieses Ökoportraits.

In Mitteleuropa sind Fischadler Zugvögel, die den Winter im tropischen Afrika südlich der Sahara verbringen. Jedes Jahr wandern sie von dort aus in ihre Brutgebiete. Diese befinden sich vor allem in Polen und in Ostdeutschland, einige brüten in Niedersachsen. Die Adler treffen dort ab Ende März ein. Im August und September brechen sie wieder in die Winterquartiere auf. Weltweit gesehen sind Fischadler auf allen Kontinenten zu Hause. Sie brüten in Nord- und Mittelamerika, in Nord- und Osteuropa, an einigen Küsten des Mittelmeeres, in großen Teilen Asiens bis zum Indischen Ozean, in Teilen Afrikas sowie an den Küsten Australiens. Je wärmer das Klima in den einzelnen geographischen Regionen im Herbst und Winter ist, desto weniger ziehen die Fischadler nach ihrer Brut in andere Gebiete zur Überwinterung.

Ein Fischadler ernährt sich ausschließlich von Fisch und ist speziell an eine Jagd auf diese Tiere angepasst. Im Suchflug fliegt er ein Gewässer ab, über erfolgversprechenden Stellen bleibt der Adler im Rüttelflug in der Luft stehen, bis er eine Beute entdeckt hat. Dann stürzt er sich mit den Krallen voran steil ins Wasser, um sie damit zu packen. Die Flügel des Fischadlers können besonders weit über den Rücken geschlagen werden. Dadurch bekommt der Adler den nötigen Auftrieb, um sich mit seiner manchmal schweren Beute aus dem Wasser herauszuarbeiten.“

 

Näheres erfahren Sie im neuen Ökoporträt Nr. 54, welches hier auf der BSH-Homepage eingesehen werden kann.

 


Eschensterben auch im Altkreis Wittlage

Bohmte. Fährt man die Bundesstraße 51 von Bohmte zum Mittellandkanal, so fallen bedrückend die z.T. fast kahlen Eschen ins Auge, die vom Eschensterben befallen sind. Bisher schien das sog. Eschen- oder Eschentriebsterben weit weg von hier zu sein. Anfang der 90er Jahre gelangte diese Pilzkrankheit aus Fernost über das Baltikum, Polen nach Dänemark/Skandinavien und Großbritannien. Sie erreichte Tschechien und Österreich, und in Deutschland ist sie offensichtlich mindestens seit 2008 vertreten. Wie ernst die Situation ist, zeigt das Beispiel Dänemark, wo bereits über 90 % der Eschen dieser Krankheit zum Opfer gefallen sind. Und auch für Deutschland sind die Prognosen recht unerfreulich, rechnet man doch bis 2017 mit einem Verlust von einem Drittel aller Eschen.

Sieht man sich hier in der Landschaft, an Hecken, Straßen, aber auch in Parks um, so scheint diese Vorhersage nicht unwahrscheinlich.

Wie äußern sich die Schäden? Konnte man bis Ende April auf Grund des milden Winters noch von einem sehr späten Austrieb ausgehen, so zeigen sich ab Mitte Mai bis jetzt sehr deutlich die gravierenden Schäden.

Die Spitzen der Astpartien oder manche Äste sind kahl, die Kronen der Bäume sind „verlichtet“, Neutriebe mit Blättern befinden sich in tieferen Bereichen, die abgestorbenen Triebspitzen und Zweige sind je nach Befallsdauer trocken-braun.

Ursache für diese Krankheit ist ein Pilz, der in Europa schon seit langer Zeit bekannt ist, dessen asiatischer „Zwilling“ aber aggressiv gewebezerstörend wirkt. Er befällt zunächst die Blätter und dringt dann über die Blattstiele in die Triebe/Äste bis in das Stammholz ein. Wasser und Nährstoffzufuhr werden behindert, das Holz durch weitere pilzliche und tierische Parasiten geschädigt, verfärbt und später wertlos. Die milden Winter in den letzten Jahren haben offensichtlich zur Verstärkung der Schäden beigetragen. Wie man leider sehen kann, werden sowohl junge wie ältere Bäume befallen.

Leider gibt es keine wirkungsvollen Abwehrmaßnahmen, da der Erreger über die Luft, also Wind und Wetter übertragen wird.  So ist es sinnvoll, keine neuen Eschen zu pflanzen. Das Laub von Eschen im Gartenbereich zu entsorgen, dürfte nur eine bescheidene Vorsorge sein.

Rückschnitt schafft keine Abhilfe. Bis auf Weiteres bleibt also nur die Hoffnung auf die Anpassung der Pflanze an den zerstörenden Pilz.

Prof. Dr. Christoph Wonneberger (BSH)

Zu dem Thema auch unter: NWZ Online

E 1

Geschädigte junge und alte Esche an der B 51 (Foto: C. Wonneberger)

E5

Esche mit noch gesunder Krone (Foto: C. Wonneberger)


Maskenschläfer alias Gartenschläfer

BSH und NAFOR geben neues Merkblatt heraus, das die Biologie dieser Art näher beleuchtet.

Mit seiner Überlebensstrategie gelingt es dem Maskenschläfer (alias Gartenschläfer) die „unterschiedlichen Klimazonen zu besiedeln: den mediterranen Süden, den atlantischen Westen, den kontinentalen Osten und den pontischen Südosten. Hinzu kommen die Inseln im Mittelmeer wie Sizilien, Korsika, Sardinien und Formentera. In Körpergröße und Farbigkeit passt er sich dem Klima und den Ernährungsbedingungen an. Im Mittelmeerraum sind die Bilche lichter und tragen ein rötliches Braun; in den östlichen Gebieten sind die Felle gräulich. Die Körperunterseite ist immer heller, meistens fast weißlich und oft mit gelblicher Tönung. Auch die Füße und die Wangen sowie die Halsseiten sind derart hell gefärbt. Darüber liegt das diese Bilchart kennzeichnende schwarze Band, das an der Nasenseite beginnt, das Auge umschließt, unter dem Ohr entlang führt und die Halsseite erreicht. So entsteht die Färbung einer Maske, die dieser Bilchart den Namen geben soll“.

Ausschnitt aus dem Ökoporträt.

Ausschnitt aus dem Ökoporträt.

 

Näheres erfahren Sie im neuen Ökoporträt Nr. 53, welches hier auf der BSH-Homepage eingesehen werden kann.

Kathrin Kroker


Stechmücken als Nahrungsangebot und Krankheitsüberträger

Tigermücke_BNITM

Tigermücken sind Zweiflügler, deren Weibchen Blut saugen. Die Männchen hingegen nehmen Pflanzensäfte auf.  (Foto: Mit freundlicher Genehmigung durch das Bernhard-Nocht-Institut (BNITM)

 

Tigermücken auch schon im Norden angekommen

Wardenburg. Schon immer spielten blutsaugende Fluginsekten wie Stechmücken, Kriebelmücken, Bremsen und Wadenstecher biologisch und medizinisch auch in Mitteleuropa eine wichtige Rolle. Einerseits sind die wasser- oder schlammlebenden Larven eine bedeutende Nahrung für andere Organismen, wie zum Beispiel für Kleinkrebse, Kleinfische, Amphibien und Singvögel. Andererseits gab und gibt es zahlreiche Erkrankungen, deren Erreger von den verschiedenen Mückengruppen auf Menschen oder Tiere übertragen werden. So waren die Bewohner ganzer Landstriche, wie z.B. Butjadingen oder Ostfriesland, in den zurückliegenden Jahrhunderten bis in die 1950er Jahre vom sogenannten „Marschenfieber“ betroffen. Übertragen wurde diese Krankheit von Stechmücken der Gattung Anopheles. Wie die Weibchen aller Stechmückenart saugen auch die Anopheles-Arten das Blut von Warmblütlern, da sie dieses für die Reifung der Eier benötigen. Ist der Blutwirt an Malaria erkrankt, nehmen sie mit seinem Blut die Erreger (Sporozoen) auf. Nach deren Weiterentwicklung und Vermehrung im Mückenkörper geben die Mückenweibchen sie bei einer späteren Blutmahlzeit mit dem Speichel an einen anderen Wirt ab. Hierzulande fliegen neben den Anopheles-Mücken aber noch viele andere Mückenarten. Vor allem die verschiedenen Arten der Gattung Culex sind in der Nähe des Menschen regelmäßig anzutreffen und übertragen andere Krankheiten, wie z.B. das West-Nil-Fieber. Die von den Anopheles-Arten zu unterscheidende Körperhaltungen beschreibt ein alter Merkspruch: „ Sitzt `ne Mücke schräg zur Wand, Anopheles wird sie genannt!“.

Zu den 50 in Deutschland heimischen Stechmückenarten zählt inzwischen auch die Japanische Buschmücke (Ochlerotatus japonicus). Sie wurde erst 2008 in der Schweiz und bald danach in Süddeutschland nachgewiesen und besiedelte ursprünglich nur Japan, Korea und Südchina. Offenbar breitete sie sich nach ihrer Einschleppung schnell bis nach Norddeutschland aus. Soweit bisher bekannt, bieten dieser Art Friedhöfe mit den dort aufgestellten Blumenvasen ideale Brutstätten. Als sogenannter „Rockpool-Moskito“ findet man sie aber auch in Vogeltränken, Regenfässern, Gießkannen, vergessenem Kinderspielzeug und anderen kleinen Gefäßen im Haus- und Hofumfeld, in denen sich kleine Wasserneigen sammeln. Schon im Sommer 2015 hatte die Japanische Buschmücke das südliche Niedersachsen erreicht. Human- und Veterinärmedizin wiesen nach, dass diese Art das Dengue- und das Chikungunya-Virus aber auch weitere Erreger übertragen kann, Krankheiten, die oft schwerwiegende Erkrankungen des Menschen auslösen. Solche Arbovirosen (von Gliedertieren, also Arthropoden, übertragene Viruserkrankungen) können aber auch Tiere betreffen.

An der Verschleppung der Japanischen Buschmücke hatte der weltweite Altreifenhandel sehr wahrscheinlich wesentlichen Anteil. Dies war in der Nachkriegszeit schon für die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) der Fall und gilt auch für die inzwischen regelmäßig nach Deutschland eingeschleppte, Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus). All diesen Arten gelingt es, die Wasserpfützen zu besiedeln, die sich in lagernden Reifen und anderen kleinsten Wasserneigen bilden. Im Eistadium können sie dann aber auch deren Austrocknung überdauern.

Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictuis) stammt aus dem asiatischen Raum und breitete sich ebenfalls schnell in verschiedenen Ländern Europas aus. Während die Japanische Buschmücke aber in ihrem Ursprungsgebiet die höheren und kühleren Gegenden besiedelte, entstammt die Tigermücke den tropischen und subtropischen Regionen. Trotzdem, die relativ kühlen Temperaturen in Mittel- und Nordeuropas behindern sie offenbar weit weniger als zunächst erwartet. In Italien gelang der Asiatischen Tigermücke die Etablierung und Ausbreitung bereits in den 1990er Jahren, 2007 fand man sie dann erstmals im Rheinland. Anders als die Japanische Buschmücke, schaffte sie es bisher aber nicht, sich in Deutschland längerfristig zu etablieren.

Die Busch- und Tigermücke kennzeichnet eine dunkle Körperfarbe mit auffallenden, weißen Streifen am Körper und an den Beinen. Beide können aber leicht mit heimischen Arten verwechselt werden. Im Unterschied zur den typischen Hausmücken attackierten die eingewanderten Arten den Menschen tagsüber, sie widersteht nicht selten auch sehr hartnäckig abwehrenden Handbewegungen. Auch werden mehrere Blutwirte schnell nacheinander angeflogen, was die Ausbreitungswahrscheinlichkeit einer Infektion erhöht.

Die medizinischen Risiken und die Lästigkeit der Stechmücken lassen viele Menschen über Möglichkeiten der Bekämpfung nachdenken. Dies mag bei künstlichen Behältnissen, wie Regentonnen, Garten- und Friedhofsvasen, praktikabel und unschädlichn sein. Aufgrund der unzureichenden Kenntnisse über die Bedeutung von Naturhabitaten als Brutstätten für die neu eingewanderten Mücken ergeben sich für den Naturschutz Konfliktsituationen. Grundsätzlich sind Tiere, die sich über Jahrmillionen vor dem Auftreten des Menschen entwickelt und evolutiv durchgesetzt haben, ein natürliches Glied des Nahrungsnetzes im Wasser und nach dem Schlupf auch für die Fledermäuse und Vögel, die z.B. am Ufer oder über dem Gewässer jagen. Welche Folgen ihre Abwesenheit nach sich ziehen könnte, ist kaum untersucht. Andererseits stehen zumindest die gesundheitlichen Belange des Menschen im Gesetz über den Belangen des Naturschutzes.

Für heimische Stechmückenarten, die größere Gewässer besiedeln, ist die Förderung natürlicher Feinde oft empfehlenswert. Das sind Mücken(larven)vertilger unter Wasser, also Moderlieschen und weitere Kleinfischarten, Wasserkäfer und Libellen sowie deren Larvalstadien, auch von Molchen, Kröten und Fröschen. Über Wasser machen diese Arten als erwachsene Tiere im Fluge und mit Sprüngen sehr erfolgreich Jagd auf die Mücken. Zu möglichen natürlichen Feinden und Konkurrenten der in winzigen Wasserneigen lebenden Entwicklungsstadien von Buschmücke und Tigermücke gibt es in der Literatur kaum Aussagen. Die tagsüber fliegende Tigermücken dürften allerdings zum Nahrungsspektrum der Insekten fressenden Singvögel zählen, also z.B. Seglern, Schwalben, Rohrsängern, Grasmücken, Meisen und Braunellen. Auch Körnerfresser wie Sperlinge füttern Jungvögel mit Fluginsekten, soweit sie deren habhaft werden. Teichbesitzer sind gut beraten, möglichst zahlreiche Kleinfische wie Moderlieschen, Ukelei, Elritze und Stichlinge mit abwechslungsreicher Vegetation und guter Wasserqualität zu fördern und Raubfischbestände oder großwüchsige Vertreter wie alte Karpfen klein zu halten.

Ellen Kiel, Remmer Akkermann, Liesa von Essen

Das Wasser von Vogeltränken sollte zweimal wöchentlich erneuert werden, um der Entwicklung von Mückenlarven vorzubeugen. Das dient auch der Hygiene gegen Salmonellen oder Spulwurmeier. Andere wasserhaltende Gefäße sollten umgekippt und geleert werden (Foto: Remmer Akkermann)

Frösche in künstlichem Wasserbecken; Mücken gehören zur Hauptnahrung (Foto: R. Akkermann)

Zu den Mücken-Jägern gehören Kleinfische, darunter das Moderlieschen [Grafik: aus Naturschutz Praktisch, Nr. 33, 1983]

Zu den Mücken-Jägern gehören Kleinfische, darunter das Moderlieschen (Grafik: aus Naturschutz Praktisch, Nr. 33, 1983, verändert)

Stechmücke_Modell_klein

Dieses große Modell dient der Demonstration der äußeren Gestalt und Merkmale der Mücken (Mit freundlicher Genehmigung von SOMSO-Modelle, Coburg)


Digitaler Biodiversitätsatlant der Hochschule Bremen ausgezeichnet

Bremen. Das Projekt „Online-Atlas zur Biologischen Vielfalt“ von Prof. Dr. Heiko Brunken, Professor für Angewandte Fisch- und Gewässerökologie, und Prof. Dr.-Ing. Heide-Rose Vatterrott, Professorin für Informatik, wurde erneut von der UN-Dekade Fachjury ausgezeichnet. Aus diesem Anlass wird in Kürze auf der Webseite der UN-Dekade (http://www.undekade-biologischevielfalt.de) unter der Rubrik „Projekt der Woche“ auf das Projekt der Hochschule Bremen hingewiesen.In einer Arbeitsgemeinschaft zwischen Biologie und Informatik an der Hochschule Bremen wurden Internetwerkzeuge entwickelt, um Daten über biologische Vielfalt dezentral zu erheben, auszuwerten und über Fachportale einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Das vollständig auf Open-Source-Webanwendungen beruhende Projekt folgt mit dem „Digitale Biodiversitätsatlanten“ dem Gedanken des so genannten „Citizen Science“ und baut Brücken zwischen Wissenschaftlern, akademisch gebildeten Experten und engagierten Bürgern. Weitere Informationen unter: http://biodiversity.hs-bremen.de/. Ganz speziell für Bremen wurde mit dieser Software der „Säugetieratlas von Bremen und Umgebung“ entwickelt, für den seit seiner Veröffentlichung im Januar 2015 bereits über eintausend Beobachtungen eingegangen sind: http://www.saeugetieratlas-bremen.de/.

Bereits im November 2013 wurde das Projekt „Digitaler Biodiversitätsatlas – Open Access Darstellung faunistischer Daten im Internet“ der AG Biodiversität im Forschungscluster „Region im Wandel“ an der Hochschule Bremen als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Die Würdigung geht an Projekte, die sich in nachahmenswerter Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt einsetzen.

Die Original Presseinformation finden Sie unter: http://www.pressebox.de/pressemitteilung/hochschule-bremen/Online-Atlas-zur-Biologischen-Vielfalt-erneut-von-UN-Dekade-Fachjury-ausgezeichnet/boxid/767503
151010_002_UN_Dekade_Banner_100x73_RGB

„Mundraub“ verharmlost Diebstahl?

Naturschutzforum hält diese Aktion für grenzwertig

Oldenburg. Die beschwichtigenden Erklärungen der gleichnamigen Internetplattform, man mache Interessierte an Hand von Karten nur darauf aufmerksam, wo es Obst, Gemüse oder Kräuter im öffentlichen Raum kostenlos zu ernten gebe, sofern die Eigentumsrechte respektiert würden, haben auch ihre Kehrseite.

Das Naturschutzforum Deutschland (NaFor) sieht genau darin das Problem. Denn wer hole die Genehmigung ein, wenn öffentliche und private oder vereinseigene Flächen nebeneinander liegen und leicht verwechselt werden können? Schon der Begriff „Mundraub“ verharmlose die Situation, wenn sich dadurch immer wieder Personen berechtigt sähen, Obstbaumwiesen zum Teil oder komplett abzuernten, ohne zu fragen und obwohl die Eigentümer das Obst selbst verwerten möchten. Dann sei das Diebstahl fremden Eigentums.

Es sind Beispiele bekannt, wo sich Nachbarn und Besucher keinesfalls an das Prinzip der „Handvoll“ halten, gegen das kaum jemand etwas einzuwenden hätte, ganz ähnlich wie das  in der Naturschutzgesetzgebung begrenzte Pflücken eines kleinen Hand-Blumenstraußes. Inzwischen glauben sich manche im Recht, wenn sie mit PKW auf die Flächen fahren und abernten, was die Transportbehälter fassen können. Damit entgehen nicht selten Vereinen und anderen Flächeneigentümern die Möglichkeit der Eigenverwertung, zum Beispiel für die Vermostung zu Apfelsaft. Dadurch kommt es zu Verlusten von Hunderten und Tausenden von Euro, Einnahmen, die von Naturschutzvereinen dringend benötigt werden.

Angesichts der rapide zurückgehenden Saumbiotope wird nicht geerntetes Fallobst durch wildlebende Tiere verwertet – und sei es als Notfutter im Winter, auch wenn es fault und nicht sauber aussieht. Am besten ist es, wenn neue Obstbaumwiesen und früchtereiche Wildbrachen eingerichtet werden   – wo auch immer – , die auch Spaziergängern die Möglichkeit zum maßvollen Probieren geben. Das NaturschutzForum Deutschland ruft deshalb dazu auf, anstelle von „Mundraub“-Aktivitäten weitere Obstbaumwiesen einzurichten oder aber Wildkräutern auf eigenen Brachflächen freien Lauf zu lassen und die Samenreife zu ermöglichen.

Remmer Akkermann


Alleen in Niedersachsen

NAFOR unterstützt Aktion des Niedersächsischen Heimatbundes

 

Hannover. Der Niedersächsische Heimatbund e.V. (NHB) möchte im Rahmen des von der Niedersächsischen-Bingo-Umweltstiftung geförderten Projekts mit Ihrer Hilfe bis Ende 2017 eine Übersicht der wichtigsten und schönsten Alleen Niedersachsens erstellen, um damit zur Erhaltung der Alleen beizutragen. Unter www.alleen-niedersachsen.de können Sie uns Ihre Allee mitteilen.

Alleen als wichtige Elemente der Kulturlandschaft
Seit Jahrhunderten prägen Alleen das Landschaftsbild Niedersachsens. Ursprünglich als gärtnerisches Gestaltungselement in herrschaftlichen Parkanlagen entstanden, begleiten sie seit der Mitte des 18 Jahrhundert die neue entstandenen Chausseen. andere zur Betonung von Schlössern, herrschaftlichen Gütern oder bedeutenden Bauernhöfen in der Landschaft. Gepflanzte Bäume können aus kirchlichen (Kirch- oder Pilgerwege, Toten- bzw. Begräbniswege), aber auch aus militärischen oder ökonomischen Motiven entstandene Wege wie Heerstraßen und Handelswege begleiten. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts waren Alleen überall in der Kulturlandschaft verbreitet. Mit dem Ausbau der Straßen vor allem in den 1960er und 1970er Jahren ging ein starker Rückgang der Alleen vor allem in den westlichen Bundesländern einher. Aber es sind sowohl historische Alleen erhalten geblieben, als auch neue Alleen gepflanzt worden, die bis heute wieder vielfach eine landschaftsprägende Bedeutung haben und Niedersachsen wie ein grünes Netz durchziehen. Sie sind wichtige Elemente der Landschaftsgestaltung, gliedern und beleben die Landschaft. Gerade in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gegenden sind sie oft die einzigen strukturgebenden Elemente in der Landschaft. Alleen vernetzen wertvolle natürliche Lebensräume und sind selbst Lebensraum für eine artenreiche Insekten- und Vogelfauna. Fledermäuse nutzen Alleen als Jagdbiotope und zeigen beim freien Flug eine enge Bindung an linienförmige Landschaftselemente, wie es Alleen an Straßen darstellen Straßenbäume sind zudem wichtig für das Mikroklima und tragen maßgeblich zur Luftfilterung und Reduzierung der vom Verkehr emittierten Feinstäube bei: Geschlossene Alleen können in belaubtem Zustand bis zu einen hohen Anteil der Feinstäube aus der Luft herausfiltern.
Die Funktionsvielfalt und Nutzungsgeschichte der Alleen macht sie zu wichtigen Elementen der Kulturlandschaft, die durch ihre landschaftsprägende Wirkung und kulturhistorische Bedeutung in erheblichem Maße zur Eigenart und Vielfalt und Schönheit des Landschaftsbildes beitragen.

Alleen in Gefahr
Jedoch bestehen aufgrund der Verkehrssicherungspflicht und der Unterhaltung von Straßen sowie dem Ausbau von Verkehrswegen ernsthafte Gefahren für den Fortbestand der straßenbegleitenden Alleen. Insbesondere die erhöhte Zahl an schweren Unfällen hat zu einer intensiven Diskussion zur Vereinbarkeit von Straßenbäumen und Straßenverkehr geführt, die in Niedersachsen nach wie vor aktuell ist Straßenbegleitende Alleen sind allerdings aufgrund des Ausbaus von Straßen in ihrem Bestand gefährdet. Neue Richtlinien (Empfehlung für den Schutz vor Unfällen mit Aufprall auf Bäume, ESAB und die Richtlinie für den passiven Schutz an Straßen durch Fahrzeug-Rückhaltesysteme, RPS 2009) erschweren Nachpflanzungen und fördern gemeinsam mit der Tatsache, dass nur wenige Alleen rechtlich geschützt sind, das Fällen von Alleebäumen. Zudem ist es mit wenigen Ausnahmen gängige Praxis in Niedersachsen, dass gefällte Alleebäume nicht nachgepflanzt werden. Dabei geht der typische Charakter von Alleen und der wesentlich durch sie bestimmten Landschaftsbilder im Laufe der Zeit verloren, und die Alleen verschwinden sukzessive aus dem Straßenbild. Da Alleen nur in Ausnahmefällen einem rechtlichen Schutzstatus unterliegen, existiert weder bei den Landkreisen noch in den Landesbehörden eine Übersicht dieser für das Land so prägenden Kulturlandschaftselemente.

Erfassung und Schutz von Alleen
Aufgrund der großen Bedeutung der Alleen für die Kulturlandschaft in Niedersachsen und der Verbundenheit der Bürger und Bürgerinnen mit diesen Landschaftselementen soll mit Hilfe dieses Projektes eine Übersicht der wichtigsten und schönsten Alleen Niedersachsens entstehen. Insgesamt sollen mindestens 500 Alleen aus allen Regionen Niedersachsen erfasst und durch den NHB nach ihrer Meldung vor Ort aufgesucht, nach einheitlichen Kriterien charakterisiert und bewertet werden. Die wesentlichen Merkmale sind dabei die Länge und das Alter der Alleen, ihre Baumartenzusammensetzung, Geschlossenheit und landschaftsprägende Bedeutung.
Die gewonnenen Informationen stehen auf der Seite www.alleen-niedersachsen.denicht nur allen Bürgern Niedersachsen zur Verfügung, sondern sie geben auch Behörden Hinweise zur Bedeutung der Alleen in ihrer Region und tragen damit zu deren Schutz bei.

Dr. Ansgar Hoppe

Pressemitteilung des Niedersächsischen Heimatbundes (NHB), abrufbar unter:
http://www.niedersaechsischer-heimatbund.de/alleen.html


Wühlmäuse – ungeliebte Gartenbewohner und Nahrung für Beutegreifer

Die Fachgruppe Säugetiere der Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems (BSH) hat ein neues Ökoporträt (4 S.) herausgegeben, und zwar unter dem Titel: „Die Schermaus, Arvicola terrestris (Linnaeus, 1758)“. Autor ist der Osnabrücker Biologe Dr. Thorsten Menke. Darin beschreibt er die Art, gibt Hinweise zur Paläontologie und zu typischen Verhaltensmerkmalen dieses semiaquatischen Nagers. Hier die Einleitung: Sehr im Verborgenen, in ihren Erdgängen, leben die Schermäuse, besser bekannt als Wühlmäuse. Direkt unter uns. Und sie werden erst bemerkt, wenn ihre Lebensweise zu Tage tritt. Denn ihre für den Menschen störende Eigenschaft ist das Benagen von Wurzeln, zum Beispiel von Obstbäumen, und unterirdisch wachsenden Feldfrüchten, wie Kartoffeln und Möhren. Diese Ernährungsweise sorgt dann auch dafür, dass sie dort, wo sie als Nahrungskonkurrent auftritt, intensiv vom Menschen bejagt und verfolgt wird. Aus diesem Umstand hat sich ein großer Markt an Bekämpfungsmaßnahmen in Deutschland und Teilen Europas entwickelt. Dabei konnte jedoch durch die bisherige intensive Forschung viel Interessantes über ihre Lebensweise und ihre Eigenarten herausgefunden werden, was sie in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt. Denn während die Art in Deutschland trotz Bundesartenschutzgesetz von Jedermann getötet werden darf, ist sie in Großbritannien vom Aussterben bedroht und wird dort intensiv geschützt. Deshalb ist auch die Bekämpfung in Deutschland fragwürdig, denn die Schermaus ist als Wühlmaus ein wichtiger Bestandteil im Beutespektrum anderer Arten und trägt auf diese Weise zum ökologischen Gleichgewicht unserer Natur bei. Fehlt sie, so geraten andere geschützte Arten in den Fokus der Beutegreifer. Das Ökoporträt soll dazu beitragen, die Gewohnheiten der Schermaus besser kennenzulernen und ihre Früchte zu schützen, ohne Tiere töten zu müssen.

Das Ökopoträt kann hier abgerufen werden.

Weitere 150 Merkblätter finden Sie unter www.bsh-natur.de / Link auf der Titelseite

Der Autor ist zu erreichen unter: menke.thorsten@web.de

Schermaus_2
[/vc_column][/vc_row]
Foto: Thorsten Menke