Stechmücken als Nahrungsangebot und Krankheitsüberträger

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Tigermücken sind Zweiflügler, deren Weibchen Blut saugen. Die Männchen hingegen nehmen Pflanzensäfte auf.  (Foto: Mit freundlicher Genehmigung durch das Bernhard-Nocht-Institut (BNITM)

 

Tigermücken auch schon im Norden angekommen

Wardenburg. Schon immer spielten blutsaugende Fluginsekten wie Stechmücken, Kriebelmücken, Bremsen und Wadenstecher biologisch und medizinisch auch in Mitteleuropa eine wichtige Rolle. Einerseits sind die wasser- oder schlammlebenden Larven eine bedeutende Nahrung für andere Organismen, wie zum Beispiel für Kleinkrebse, Kleinfische, Amphibien und Singvögel. Andererseits gab und gibt es zahlreiche Erkrankungen, deren Erreger von den verschiedenen Mückengruppen auf Menschen oder Tiere übertragen werden. So waren die Bewohner ganzer Landstriche, wie z.B. Butjadingen oder Ostfriesland, in den zurückliegenden Jahrhunderten bis in die 1950er Jahre vom sogenannten „Marschenfieber“ betroffen. Übertragen wurde diese Krankheit von Stechmücken der Gattung Anopheles. Wie die Weibchen aller Stechmückenart saugen auch die Anopheles-Arten das Blut von Warmblütlern, da sie dieses für die Reifung der Eier benötigen. Ist der Blutwirt an Malaria erkrankt, nehmen sie mit seinem Blut die Erreger (Sporozoen) auf. Nach deren Weiterentwicklung und Vermehrung im Mückenkörper geben die Mückenweibchen sie bei einer späteren Blutmahlzeit mit dem Speichel an einen anderen Wirt ab. Hierzulande fliegen neben den Anopheles-Mücken aber noch viele andere Mückenarten. Vor allem die verschiedenen Arten der Gattung Culex sind in der Nähe des Menschen regelmäßig anzutreffen und übertragen andere Krankheiten, wie z.B. das West-Nil-Fieber. Die von den Anopheles-Arten zu unterscheidende Körperhaltungen beschreibt ein alter Merkspruch: „ Sitzt `ne Mücke schräg zur Wand, Anopheles wird sie genannt!“.

Zu den 50 in Deutschland heimischen Stechmückenarten zählt inzwischen auch die Japanische Buschmücke (Ochlerotatus japonicus). Sie wurde erst 2008 in der Schweiz und bald danach in Süddeutschland nachgewiesen und besiedelte ursprünglich nur Japan, Korea und Südchina. Offenbar breitete sie sich nach ihrer Einschleppung schnell bis nach Norddeutschland aus. Soweit bisher bekannt, bieten dieser Art Friedhöfe mit den dort aufgestellten Blumenvasen ideale Brutstätten. Als sogenannter „Rockpool-Moskito“ findet man sie aber auch in Vogeltränken, Regenfässern, Gießkannen, vergessenem Kinderspielzeug und anderen kleinen Gefäßen im Haus- und Hofumfeld, in denen sich kleine Wasserneigen sammeln. Schon im Sommer 2015 hatte die Japanische Buschmücke das südliche Niedersachsen erreicht. Human- und Veterinärmedizin wiesen nach, dass diese Art das Dengue- und das Chikungunya-Virus aber auch weitere Erreger übertragen kann, Krankheiten, die oft schwerwiegende Erkrankungen des Menschen auslösen. Solche Arbovirosen (von Gliedertieren, also Arthropoden, übertragene Viruserkrankungen) können aber auch Tiere betreffen.

An der Verschleppung der Japanischen Buschmücke hatte der weltweite Altreifenhandel sehr wahrscheinlich wesentlichen Anteil. Dies war in der Nachkriegszeit schon für die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) der Fall und gilt auch für die inzwischen regelmäßig nach Deutschland eingeschleppte, Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus). All diesen Arten gelingt es, die Wasserpfützen zu besiedeln, die sich in lagernden Reifen und anderen kleinsten Wasserneigen bilden. Im Eistadium können sie dann aber auch deren Austrocknung überdauern.

Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictuis) stammt aus dem asiatischen Raum und breitete sich ebenfalls schnell in verschiedenen Ländern Europas aus. Während die Japanische Buschmücke aber in ihrem Ursprungsgebiet die höheren und kühleren Gegenden besiedelte, entstammt die Tigermücke den tropischen und subtropischen Regionen. Trotzdem, die relativ kühlen Temperaturen in Mittel- und Nordeuropas behindern sie offenbar weit weniger als zunächst erwartet. In Italien gelang der Asiatischen Tigermücke die Etablierung und Ausbreitung bereits in den 1990er Jahren, 2007 fand man sie dann erstmals im Rheinland. Anders als die Japanische Buschmücke, schaffte sie es bisher aber nicht, sich in Deutschland längerfristig zu etablieren.

Die Busch- und Tigermücke kennzeichnet eine dunkle Körperfarbe mit auffallenden, weißen Streifen am Körper und an den Beinen. Beide können aber leicht mit heimischen Arten verwechselt werden. Im Unterschied zur den typischen Hausmücken attackierten die eingewanderten Arten den Menschen tagsüber, sie widersteht nicht selten auch sehr hartnäckig abwehrenden Handbewegungen. Auch werden mehrere Blutwirte schnell nacheinander angeflogen, was die Ausbreitungswahrscheinlichkeit einer Infektion erhöht.

Die medizinischen Risiken und die Lästigkeit der Stechmücken lassen viele Menschen über Möglichkeiten der Bekämpfung nachdenken. Dies mag bei künstlichen Behältnissen, wie Regentonnen, Garten- und Friedhofsvasen, praktikabel und unschädlichn sein. Aufgrund der unzureichenden Kenntnisse über die Bedeutung von Naturhabitaten als Brutstätten für die neu eingewanderten Mücken ergeben sich für den Naturschutz Konfliktsituationen. Grundsätzlich sind Tiere, die sich über Jahrmillionen vor dem Auftreten des Menschen entwickelt und evolutiv durchgesetzt haben, ein natürliches Glied des Nahrungsnetzes im Wasser und nach dem Schlupf auch für die Fledermäuse und Vögel, die z.B. am Ufer oder über dem Gewässer jagen. Welche Folgen ihre Abwesenheit nach sich ziehen könnte, ist kaum untersucht. Andererseits stehen zumindest die gesundheitlichen Belange des Menschen im Gesetz über den Belangen des Naturschutzes.

Für heimische Stechmückenarten, die größere Gewässer besiedeln, ist die Förderung natürlicher Feinde oft empfehlenswert. Das sind Mücken(larven)vertilger unter Wasser, also Moderlieschen und weitere Kleinfischarten, Wasserkäfer und Libellen sowie deren Larvalstadien, auch von Molchen, Kröten und Fröschen. Über Wasser machen diese Arten als erwachsene Tiere im Fluge und mit Sprüngen sehr erfolgreich Jagd auf die Mücken. Zu möglichen natürlichen Feinden und Konkurrenten der in winzigen Wasserneigen lebenden Entwicklungsstadien von Buschmücke und Tigermücke gibt es in der Literatur kaum Aussagen. Die tagsüber fliegende Tigermücken dürften allerdings zum Nahrungsspektrum der Insekten fressenden Singvögel zählen, also z.B. Seglern, Schwalben, Rohrsängern, Grasmücken, Meisen und Braunellen. Auch Körnerfresser wie Sperlinge füttern Jungvögel mit Fluginsekten, soweit sie deren habhaft werden. Teichbesitzer sind gut beraten, möglichst zahlreiche Kleinfische wie Moderlieschen, Ukelei, Elritze und Stichlinge mit abwechslungsreicher Vegetation und guter Wasserqualität zu fördern und Raubfischbestände oder großwüchsige Vertreter wie alte Karpfen klein zu halten.

Ellen Kiel, Remmer Akkermann, Liesa von Essen

Das Wasser von Vogeltränken sollte zweimal wöchentlich erneuert werden, um der Entwicklung von Mückenlarven vorzubeugen. Das dient auch der Hygiene gegen Salmonellen oder Spulwurmeier. Andere wasserhaltende Gefäße sollten umgekippt und geleert werden (Foto: Remmer Akkermann)

Frösche in künstlichem Wasserbecken; Mücken gehören zur Hauptnahrung (Foto: R. Akkermann)

Zu den Mücken-Jägern gehören Kleinfische, darunter das Moderlieschen [Grafik: aus Naturschutz Praktisch, Nr. 33, 1983]

Zu den Mücken-Jägern gehören Kleinfische, darunter das Moderlieschen (Grafik: aus Naturschutz Praktisch, Nr. 33, 1983, verändert)

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Dieses große Modell dient der Demonstration der äußeren Gestalt und Merkmale der Mücken (Mit freundlicher Genehmigung von SOMSO-Modelle, Coburg)


Digitaler Biodiversitätsatlant der Hochschule Bremen ausgezeichnet

Bremen. Das Projekt „Online-Atlas zur Biologischen Vielfalt“ von Prof. Dr. Heiko Brunken, Professor für Angewandte Fisch- und Gewässerökologie, und Prof. Dr.-Ing. Heide-Rose Vatterrott, Professorin für Informatik, wurde erneut von der UN-Dekade Fachjury ausgezeichnet. Aus diesem Anlass wird in Kürze auf der Webseite der UN-Dekade (http://www.undekade-biologischevielfalt.de) unter der Rubrik „Projekt der Woche“ auf das Projekt der Hochschule Bremen hingewiesen.In einer Arbeitsgemeinschaft zwischen Biologie und Informatik an der Hochschule Bremen wurden Internetwerkzeuge entwickelt, um Daten über biologische Vielfalt dezentral zu erheben, auszuwerten und über Fachportale einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Das vollständig auf Open-Source-Webanwendungen beruhende Projekt folgt mit dem „Digitale Biodiversitätsatlanten“ dem Gedanken des so genannten „Citizen Science“ und baut Brücken zwischen Wissenschaftlern, akademisch gebildeten Experten und engagierten Bürgern. Weitere Informationen unter: http://biodiversity.hs-bremen.de/. Ganz speziell für Bremen wurde mit dieser Software der „Säugetieratlas von Bremen und Umgebung“ entwickelt, für den seit seiner Veröffentlichung im Januar 2015 bereits über eintausend Beobachtungen eingegangen sind: http://www.saeugetieratlas-bremen.de/.

Bereits im November 2013 wurde das Projekt „Digitaler Biodiversitätsatlas – Open Access Darstellung faunistischer Daten im Internet“ der AG Biodiversität im Forschungscluster „Region im Wandel“ an der Hochschule Bremen als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Die Würdigung geht an Projekte, die sich in nachahmenswerter Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt einsetzen.

Die Original Presseinformation finden Sie unter: http://www.pressebox.de/pressemitteilung/hochschule-bremen/Online-Atlas-zur-Biologischen-Vielfalt-erneut-von-UN-Dekade-Fachjury-ausgezeichnet/boxid/767503
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„Mundraub“ verharmlost Diebstahl?

Naturschutzforum hält diese Aktion für grenzwertig

Oldenburg. Die beschwichtigenden Erklärungen der gleichnamigen Internetplattform, man mache Interessierte an Hand von Karten nur darauf aufmerksam, wo es Obst, Gemüse oder Kräuter im öffentlichen Raum kostenlos zu ernten gebe, sofern die Eigentumsrechte respektiert würden, haben auch ihre Kehrseite.

Das Naturschutzforum Deutschland (NaFor) sieht genau darin das Problem. Denn wer hole die Genehmigung ein, wenn öffentliche und private oder vereinseigene Flächen nebeneinander liegen und leicht verwechselt werden können? Schon der Begriff „Mundraub“ verharmlose die Situation, wenn sich dadurch immer wieder Personen berechtigt sähen, Obstbaumwiesen zum Teil oder komplett abzuernten, ohne zu fragen und obwohl die Eigentümer das Obst selbst verwerten möchten. Dann sei das Diebstahl fremden Eigentums.

Es sind Beispiele bekannt, wo sich Nachbarn und Besucher keinesfalls an das Prinzip der „Handvoll“ halten, gegen das kaum jemand etwas einzuwenden hätte, ganz ähnlich wie das  in der Naturschutzgesetzgebung begrenzte Pflücken eines kleinen Hand-Blumenstraußes. Inzwischen glauben sich manche im Recht, wenn sie mit PKW auf die Flächen fahren und abernten, was die Transportbehälter fassen können. Damit entgehen nicht selten Vereinen und anderen Flächeneigentümern die Möglichkeit der Eigenverwertung, zum Beispiel für die Vermostung zu Apfelsaft. Dadurch kommt es zu Verlusten von Hunderten und Tausenden von Euro, Einnahmen, die von Naturschutzvereinen dringend benötigt werden.

Angesichts der rapide zurückgehenden Saumbiotope wird nicht geerntetes Fallobst durch wildlebende Tiere verwertet – und sei es als Notfutter im Winter, auch wenn es fault und nicht sauber aussieht. Am besten ist es, wenn neue Obstbaumwiesen und früchtereiche Wildbrachen eingerichtet werden   – wo auch immer – , die auch Spaziergängern die Möglichkeit zum maßvollen Probieren geben. Das NaturschutzForum Deutschland ruft deshalb dazu auf, anstelle von „Mundraub“-Aktivitäten weitere Obstbaumwiesen einzurichten oder aber Wildkräutern auf eigenen Brachflächen freien Lauf zu lassen und die Samenreife zu ermöglichen.

Remmer Akkermann


Alleen in Niedersachsen

NAFOR unterstützt Aktion des Niedersächsischen Heimatbundes

 

Hannover. Der Niedersächsische Heimatbund e.V. (NHB) möchte im Rahmen des von der Niedersächsischen-Bingo-Umweltstiftung geförderten Projekts mit Ihrer Hilfe bis Ende 2017 eine Übersicht der wichtigsten und schönsten Alleen Niedersachsens erstellen, um damit zur Erhaltung der Alleen beizutragen. Unter www.alleen-niedersachsen.de können Sie uns Ihre Allee mitteilen.

Alleen als wichtige Elemente der Kulturlandschaft
Seit Jahrhunderten prägen Alleen das Landschaftsbild Niedersachsens. Ursprünglich als gärtnerisches Gestaltungselement in herrschaftlichen Parkanlagen entstanden, begleiten sie seit der Mitte des 18 Jahrhundert die neue entstandenen Chausseen. andere zur Betonung von Schlössern, herrschaftlichen Gütern oder bedeutenden Bauernhöfen in der Landschaft. Gepflanzte Bäume können aus kirchlichen (Kirch- oder Pilgerwege, Toten- bzw. Begräbniswege), aber auch aus militärischen oder ökonomischen Motiven entstandene Wege wie Heerstraßen und Handelswege begleiten. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts waren Alleen überall in der Kulturlandschaft verbreitet. Mit dem Ausbau der Straßen vor allem in den 1960er und 1970er Jahren ging ein starker Rückgang der Alleen vor allem in den westlichen Bundesländern einher. Aber es sind sowohl historische Alleen erhalten geblieben, als auch neue Alleen gepflanzt worden, die bis heute wieder vielfach eine landschaftsprägende Bedeutung haben und Niedersachsen wie ein grünes Netz durchziehen. Sie sind wichtige Elemente der Landschaftsgestaltung, gliedern und beleben die Landschaft. Gerade in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gegenden sind sie oft die einzigen strukturgebenden Elemente in der Landschaft. Alleen vernetzen wertvolle natürliche Lebensräume und sind selbst Lebensraum für eine artenreiche Insekten- und Vogelfauna. Fledermäuse nutzen Alleen als Jagdbiotope und zeigen beim freien Flug eine enge Bindung an linienförmige Landschaftselemente, wie es Alleen an Straßen darstellen Straßenbäume sind zudem wichtig für das Mikroklima und tragen maßgeblich zur Luftfilterung und Reduzierung der vom Verkehr emittierten Feinstäube bei: Geschlossene Alleen können in belaubtem Zustand bis zu einen hohen Anteil der Feinstäube aus der Luft herausfiltern.
Die Funktionsvielfalt und Nutzungsgeschichte der Alleen macht sie zu wichtigen Elementen der Kulturlandschaft, die durch ihre landschaftsprägende Wirkung und kulturhistorische Bedeutung in erheblichem Maße zur Eigenart und Vielfalt und Schönheit des Landschaftsbildes beitragen.

Alleen in Gefahr
Jedoch bestehen aufgrund der Verkehrssicherungspflicht und der Unterhaltung von Straßen sowie dem Ausbau von Verkehrswegen ernsthafte Gefahren für den Fortbestand der straßenbegleitenden Alleen. Insbesondere die erhöhte Zahl an schweren Unfällen hat zu einer intensiven Diskussion zur Vereinbarkeit von Straßenbäumen und Straßenverkehr geführt, die in Niedersachsen nach wie vor aktuell ist Straßenbegleitende Alleen sind allerdings aufgrund des Ausbaus von Straßen in ihrem Bestand gefährdet. Neue Richtlinien (Empfehlung für den Schutz vor Unfällen mit Aufprall auf Bäume, ESAB und die Richtlinie für den passiven Schutz an Straßen durch Fahrzeug-Rückhaltesysteme, RPS 2009) erschweren Nachpflanzungen und fördern gemeinsam mit der Tatsache, dass nur wenige Alleen rechtlich geschützt sind, das Fällen von Alleebäumen. Zudem ist es mit wenigen Ausnahmen gängige Praxis in Niedersachsen, dass gefällte Alleebäume nicht nachgepflanzt werden. Dabei geht der typische Charakter von Alleen und der wesentlich durch sie bestimmten Landschaftsbilder im Laufe der Zeit verloren, und die Alleen verschwinden sukzessive aus dem Straßenbild. Da Alleen nur in Ausnahmefällen einem rechtlichen Schutzstatus unterliegen, existiert weder bei den Landkreisen noch in den Landesbehörden eine Übersicht dieser für das Land so prägenden Kulturlandschaftselemente.

Erfassung und Schutz von Alleen
Aufgrund der großen Bedeutung der Alleen für die Kulturlandschaft in Niedersachsen und der Verbundenheit der Bürger und Bürgerinnen mit diesen Landschaftselementen soll mit Hilfe dieses Projektes eine Übersicht der wichtigsten und schönsten Alleen Niedersachsens entstehen. Insgesamt sollen mindestens 500 Alleen aus allen Regionen Niedersachsen erfasst und durch den NHB nach ihrer Meldung vor Ort aufgesucht, nach einheitlichen Kriterien charakterisiert und bewertet werden. Die wesentlichen Merkmale sind dabei die Länge und das Alter der Alleen, ihre Baumartenzusammensetzung, Geschlossenheit und landschaftsprägende Bedeutung.
Die gewonnenen Informationen stehen auf der Seite www.alleen-niedersachsen.denicht nur allen Bürgern Niedersachsen zur Verfügung, sondern sie geben auch Behörden Hinweise zur Bedeutung der Alleen in ihrer Region und tragen damit zu deren Schutz bei.

Dr. Ansgar Hoppe

Pressemitteilung des Niedersächsischen Heimatbundes (NHB), abrufbar unter:
http://www.niedersaechsischer-heimatbund.de/alleen.html


Wühlmäuse – ungeliebte Gartenbewohner und Nahrung für Beutegreifer

Die Fachgruppe Säugetiere der Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems (BSH) hat ein neues Ökoporträt (4 S.) herausgegeben, und zwar unter dem Titel: „Die Schermaus, Arvicola terrestris (Linnaeus, 1758)“. Autor ist der Osnabrücker Biologe Dr. Thorsten Menke. Darin beschreibt er die Art, gibt Hinweise zur Paläontologie und zu typischen Verhaltensmerkmalen dieses semiaquatischen Nagers. Hier die Einleitung: Sehr im Verborgenen, in ihren Erdgängen, leben die Schermäuse, besser bekannt als Wühlmäuse. Direkt unter uns. Und sie werden erst bemerkt, wenn ihre Lebensweise zu Tage tritt. Denn ihre für den Menschen störende Eigenschaft ist das Benagen von Wurzeln, zum Beispiel von Obstbäumen, und unterirdisch wachsenden Feldfrüchten, wie Kartoffeln und Möhren. Diese Ernährungsweise sorgt dann auch dafür, dass sie dort, wo sie als Nahrungskonkurrent auftritt, intensiv vom Menschen bejagt und verfolgt wird. Aus diesem Umstand hat sich ein großer Markt an Bekämpfungsmaßnahmen in Deutschland und Teilen Europas entwickelt. Dabei konnte jedoch durch die bisherige intensive Forschung viel Interessantes über ihre Lebensweise und ihre Eigenarten herausgefunden werden, was sie in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt. Denn während die Art in Deutschland trotz Bundesartenschutzgesetz von Jedermann getötet werden darf, ist sie in Großbritannien vom Aussterben bedroht und wird dort intensiv geschützt. Deshalb ist auch die Bekämpfung in Deutschland fragwürdig, denn die Schermaus ist als Wühlmaus ein wichtiger Bestandteil im Beutespektrum anderer Arten und trägt auf diese Weise zum ökologischen Gleichgewicht unserer Natur bei. Fehlt sie, so geraten andere geschützte Arten in den Fokus der Beutegreifer. Das Ökoporträt soll dazu beitragen, die Gewohnheiten der Schermaus besser kennenzulernen und ihre Früchte zu schützen, ohne Tiere töten zu müssen.

Das Ökopoträt kann hier abgerufen werden.

Weitere 150 Merkblätter finden Sie unter www.bsh-natur.de / Link auf der Titelseite

Der Autor ist zu erreichen unter: menke.thorsten@web.de

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Foto: Thorsten Menke


Klare Worte zum Naturschutz durch Papst Franziskus

 

NaturschutzForum  Deutschland (NaFor): Nachhaltigkeit und Biodiversität sind wichtige aktuelle Themen der Kirchen

Wardenburg.  „Verantwortung wahrnehmen für die Schöpfung“ lautete das Schwerpunktthema einer gemeinsamen Erklärung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz – erschienen 1985. Darin wurden grundsätzliche Aussagen zum Natur- und Umweltschutz formuliert. Von „Mitkreatürlichkeit“ war ebenso die Rede wie vom ökologiepolitischen Engagement. Es mündete in der Feststellung: „Die Gefahr, daß der Mensch  selber schließlich Opfer der unheilvollen Entwicklung wird, ist nicht länger zu übersehen.“ (1.1.5)

Zu den weltanschaulichen Ursachen wird erklärt: „Ursache menschlichen Versagens in der Umweltkrise dürften vor allem unzureichende Grundeinsichten sein, so z.B.   – ein Naturverständnis, das den Menschen in falscher Weise in den Mittelpunkt stellt, die Natur bloß als Objekt betrachtet, menschliche Fähigkeiten zur Erhaltung natürlichen Lebens überschätzt und den Eigenwert der Natur nicht wahrnimmt. …   – eine Fortschrittsgläubigkeit, die auf die Lösbarkeit eines jeden Problems vertraut, den Zielkonflikt zwischen technischem Fortschritt und bewahrender Naturnähe aber nicht wahrnimmt, und ökologische Schäden zugunsten ökonomischen Wirtschaftens und industriellen Wachstums bedenkenlos in Kauf nimmt.“ (1.2.1)

Im Jahre 2014 fand auf Einladung der norddeutschen Bischöfe beider Konfessionen in Rastede eine Diskussion mit dem Vorsitzenden der BSH und Vizepräsidenten von NaFor, Prof. Dr. Remmer Akkermann, statt. Neben allgemeinen Fragen des Natur- und Umweltschutzes wurde dabei auch das Schwerpunktthema „Nachhaltigkeit und Biodiversität sowie mögliche Strategien“ angesprochen und diskutiert.

Nunmehr ist auf höchster Ebene die Umwelt-Enzyklika von Papst Franziskus erschienen. Daraus leiten sich zahlreiche Projekte ab, die dem Wohlergehen von Natur und Landschaft, Regenwäldern und dem Schutz natürlicher Ressourcen wie Wasser und wildlebenden Pflanzen- und Tierarten zu Gute kommen. Das NaturschutzForum Deutschland (NaFor) begrüßt diese Initiativen. Denn die entsprechenden Appelle und Vorschläge der „Spitzen-Multiplikatoren“  tragen maßgeblich dazu bei, dass den beschleunigten negativen Veränderungen, wenn nicht gleich Einhalt geboten wird, so doch darauf aufmerksam gemacht und der Blick auf den  überlebensnotwendige Schutz der Biosphäre geweitet wird. Konkrete Hinweise werden durch den Papst gegeben, so unter (14.): „Ich lade dringlich zu einem neuen Dialog ein über die Art und Weise, wie wir die Zukunft unseres Planeten gestalten. Wir brauchen ein Gespräch, das uns alle zusammenführt, denn die Herausforderung der Umweltsituation, die wir erleben, und ihre menschlichen Wurzeln interessieren und betreffen uns alle. Die weltweite ökologische Bewegung hat bereits einen langen und ereignisreichen Weg zurückgelegt und zahlreiche Bürgerverbände hervorgebracht, die der Sensibilisierung dienen. .. Wir brauchen eine neue universale Solidarität…“

Es ist zu wünschen, dass auch die andere Kirchen und Religionsgemeinschaften diese Themen aufgreifen und zu einem Verhalten der Menschen aufrufen, das die Nutzung der natürlichen Ressourcen nicht überstrapaziert, sondern –auf Einsicht basierend-  den Ausgleich, die Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit fördert.

 

Liesa Marlena von Essen ,  M.Sc.

Präsidentin von NaFor

 

Quellen:  ISBN 3-579-01987-2  (Mohn Gütersloh, 63 S.)

www.misereor.de (Die Umwelt-Enzyklika von Papst Franziskus)


Stellungnahme zum Verordnungsentwurf des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zur Neuordnung der guten fachlichen Praxis beim Düngen (Düngeverordnung – DüV)

Anlage zum Schreiben vom  29. 03. 2015

Der gemeinsamen Stellungnahme der Verbände NABU, DNR, WWF u.a. vom 30. Januar 2015, die unter anderem sechs positive Aspekte des Entwurfs herausstellt, schließen wir uns an und ergänzen, vor allem in Rücksprache mit den Erfahrungen des Mitgliedsverbandes Biologische Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems e.V. (BSH, www.bsh-natur.de), wie folgt.

Die Situation der jahrzehntelangen lokalen bis flächenhaften Überdüngung hat vor allem in Niedersachsen, gefolgt von Regionen in Westfalen und Mecklenburg, dramatische Dimensionen angenommen. Der Trend ist schon seit den siebziger Jahren bekannt und am Beispiel der beiden Landkreise Vechta und Cloppenburg an Hand zahlreicher Vorkommnisse dokumentiert und bemängelt worden. Die damit zusammenhängende wachsende Flächennot und Existenzbetroffenheit kleinerer Betriebe wurde mit dem Aufkommen der Biogasanlagen (z.B. in den Landkreisen Oldenburg und Osnabrück je etwa 100 Anlagen) verschärft und zwingt zunehmend zur Inanspruchnahme von öffentlichen Saumbiotopen für den Maisanbau und zum Heranrücken an Gewässer und andere düngungssensible Biotope. Die von der EU vorgegebene und von NaFor befürwortete Stilllegungspflicht von 5% der Betriebsflächen scheint sich bei diesem Hintergrund äußerst schwierig realisieren zu lassen.

Die Erfassungen von Gebietskooperationen im Nordwesten (zum Beispiel GK Hunte 25 / NLWKN Oldenburg-Brake/Uw., der wir angehören) im Rahmen der EU-WRRL belegen die Situation im Einzugsbereich der heimischen Gewässer ebenfalls.  Im 2. Nährstoffbericht (206 S.)  des NMELV / LWK  Niedersachsen wird das bezüglich des Anstiegs von Gülle- und Gärresten im Zeitraum 2013-2014 zum vorausgegangenen Jahr um 2,6 Mio Tonnen (+4,5%) auf insgesamt 59,2 Mio Tonnen dargestellt, die Bruttoabgabemenge überstieg das Vorjahr sogar um +15 Prozent.. In einer Pressemitteilung vom 17. 03. 2015 wird dazu von Seiten Minister Christian Meyers festgestellt, dass die DüV das geeignete Instrument sein müsse, um das Mengenproblem anzupassen und für Datentransparenz bei der Überwachung zu sorgen (PM 17. 03. 2015, 15.03 Uhr). Das entspricht den jahrzehntelangen Forderungen der in Niedersachsen tätigen Naturschutzverbände und Trinkwasserversorger wie des OOWV. So entsprechen hier formulierte Forderungen den gleichen Aussagen zur damals (1997) neuen Düngeverordnung, deren Broschüre und Kommentare des Ministers Jochen Borchert nach wie vor aktuell sind, aber vielfach in stark betroffenen Bundesländern bis heute nicht hinreichend umgesetzt wurden.

Eine umso größerer Bedeutung kommt der aktuellen Novellierung der DüV aus Sicht des Naturschutzes, einer mehr landschaftsverträglichen Landwirtschaft, des naturerlebnis-orientierten Tourismus und der Naherholung in einer erholungswirksamen, dicht besiedelten Landschaft zu. Da der Berufsstand „Landwirtschaft“ sehr unterschiedlich strukturiert ist und überall auch das friedliche Zusammenleben mit der deutlich mehrheitlichen                                                                                                                                                                       /2

nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerung im Vordergrund stehen muss, kommt der Verordnung eine herausragende Stellung zu. Im Einzelnen wäre noch Folgendes anzumerken:

  • 2 Begriffsbestimmungen Es sollten die Begriffe „Humus, Fruchtbarkeit des Bodens, Gärrückstand“ und „nachträglich eintretende Umstände“ (z.B. in § 3 /3) erläutert werden, die ersten beiden sind zentral wichtig, denn aus biologischer Sicht sind sie nicht nur mikrobiologisch (bakteriell, pilzlich, Kohlenstoffgehalt), sondern auch im Hinblick auf die Mesofauna (Bodenmilben, Springschwänze etc.) zu definieren. Unter den tierischen Düngern ist vor allem die Gülle sorgfältig auszubringen, da die mikrobiellen Lebensbedingungen durch das Verschlämmen der Porensysteme beeinträchtigt werden. Ähnliches gilt für die Ausbringung von  Gärrückständen, da deren Mikroflora anaerobe Bedingungen verstärkt. Umso wichtiger ist die Förderung der flächenangepassten natürlichen Weidemilchviehhaltung.
  • 5 Besondere Vorgaben…     Der Ausbringungszeitraum sollte konkretisiert werden (z.B. 20. Februar, zu VETTERs Zeiten war das ja der 1. März; der 31. Januar –s.(7) – wäre uns trotz Klimaänderung deutlich zu früh, der 1. Dezember für Gemüsekulturen zu spät), und zwar mit den einschränkenden Hinweisen zu anderen Terminen. Die jetzige Definition ist zu flexibel und oft grenzwertig (wohlwissend, dass z.B. Marschbauern die Gülle vielerorts auf gefrorenem Boden ausbringen müssen, da diese ansonsten nicht befahrbar sind). Der Abstand der nährstoffausbringenden Fahrzeuge zu Gewässern sollte – gemessen ab den äußersten Geräteauslegern – mind.5 m, auf feuchten Böden (Niedermoor-, Auen-, Feuchtbrache-Standorten) mind. 10 m betragen. Dies wäre über Landesregierungen  bzw. die Naturschutzbehörden festzulegen. Auf drainierten Flächen bedarf es einer (zumindest in sensiblen Gebieten) stichprobenartigen Kontrolle der Abflussrohre in die Vorfluter durch die unteren Wasserbehörden. Die Satzungen von Wasser- und Bodenverbänden schreiben ohnehin schon größerenteils Abstände von 1 m ab Böschungsoberkante vor, einige –n.u.K. in Ostfriesland- weichen aber davon durch größere Maße ab. Das sollte nicht durch die VO-Vorgabe verschlechtert werden, was auch der WRRL entgegenlaufen würde. Wir schlagen vor, die Abstandsregelung grundsätzlich auf 5 m zu erhöhen – wie es vielerorts auch schon geltendes Recht ist (z. B. NWG), das würde der Landschaft mehr Raum zugunsten der Artenvielfalt geben (und [am Rande vermerkt] zur Kompensation der flächenhaften  unzulässigen Inanspruchnahme öffentlicher Flächen beitragen).
  • 8 Nährstoffvergleich (Begünstigung kleinerer Betriebe und Milchviehweidehaltung Die verpflichtende Einführung einer vollständigen Brutto-Hoftorbilanz sollte für alle Betriebe uneingeschränkt verbindlich gemacht werden. Da die Milchviehbetriebe mit Weidewirtschaft, allemal jene mit durchschnittlicher oder geringerer Herdengröße, für den Wiesenvogelschutz von besonderer Bedeutung sind, bitten wir darum, dass gerade diese Grünlandbetriebe durch die DüV begünstigt werden. Das kommt gleichermaßen der Artenvielfalt an blühenden Gefäßpflanzen der Krautschicht auf Mähwiesen zugute, sofern zumindest flächensektoral eine Samenreife erreicht wird.
  • 9 (5) Nichteinhaltung der Vorgaben der Düngeberatung                                          Bei einem zweiten oder mehrfachen Verstoß sollten steigende Bußgelder verhängt werden. Andernfalls ist der Aufwand für eine Düngeberatung nicht zu rechtfertigen.
  • 10 (3) Aufzeichnungen sollten für 10 Jahre (wie allgemein üblich) aufbewahrt werden.

Kontakt:  Dr. Remmer Akkermann, Tel. 04407 922201 (Büro: 04407 5111)


Neues BSH/NVN Ökoporträt: Laubsänger des Nordens – Zilpzalp, Fitis, Waldlaubsänger

Vier Naturschutzverbände informieren über markante Singvögel

Wardenburg. Mit dem Ökoporträt 51 zum Thema “Laubsänger des Nordens” ist ein 4-seitiges Merkblatt mit einer Kurzübersicht zu den biologischen Merkmalen erschienen. Als Herausgeber firmieren die Naturschutzverbände NaFor, BSH, NVN und OAO. Die gut bebilderte Information kann hier aufgerufen werden. Nachfolgend ein kurzer Ausschnitt der Titelseite:

Wer neben Nachtigall und Drosseln auch weniger auffällig singenden Vogelarten seine Aufmerksamkeit schenkt, bemerkt zwischen März und Oktober in Parks, Gebüschen und Gärten, in Wald und Feldflur die Stimmen von Laubsängern. Der häufigste von ihnen ist der Zilpzalp, gesanglich schnell erkennbar an seinem namensgebenden „zilp zalp zelp zilp”, rhythmisch bis leiernd gesungen und dazwischen stakkatoartig verbunden mit hartem „trd trrt trd”. Der nächstverwandte Fitis trägt eine abfallende kurze Strophe vor, die sich anhört wie „Di di di di due dea dea due deida da” (Kleinschmidt), geradezu schwermütig flötend. Mit der Brutzeit nimmt die gesangliche Aktivität oft ab. Laubsänger sind tagsüber fast immer in Bewegung. Eindeutige optische Unterschiede der beiden ähnlich aussehenden Arten sind die beim Zilpzalp überwiegend dunklen bzw. beim Fitis hellen Beine. Der das Unterholz der Laubwälder bewohnende Waldlaubsänger ähnelt Zilpzalp und Fitis. Er hat aber einen völlig anderen Gesang („zipp zipp sippsipp sirrrrr”), nicht selten zweiteilig im niedrigen Gleitflug und auf einer Singwarte (Ast) vorgetragen. Begegnen sich diese Arten, so erkennen sie den „Anders-artigen” sofort an dessen Gesang, auch ohne ihn schon gesehen zu haben, was wegen der optischen Ähnlichkeit zu Verwechselungen führen konnte.

Kathrin Kroker

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Waldlaubsänger (Foto: Stefan Pfützke / www.green-lens.de)


Verdopplung der Blühstreifen auf 20 Tsd. Hektar innerhalb eines Jahres

NaturschutzForum begrüßt Förderung von Landwirtschaftsminister Christian Meyer

Hannover. Als bundesweit erster Minister ist Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer von den Berufs- und Erwerbsimkern in Deutschland mit dem Goldenen Stachel ausgezeichnet worden. Der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerverband DBIB vergibt die Statue aus Messing und Granit seit fünf Jahren, zum ersten Mal geht sie nun an das Kabinettsmitglied einer Regierung. Der Verband lobte Meyers „beispielhaftes Engagement für Imkerei und Bienen“. Die Auszeichnung hat großes Gewicht: Mehr als 800 professionelle Imkerinnen und Imker gehören dem DBIB an. „Unsere Mitglieder betreuen rund 50 Prozent der Bienenvölker in Deutschland und produzieren etwa die Hälfte des Honigs bundesweit, also mehr als 22.000 Tonnen“, sagte Verbandspräsident Manfred Hederer.

Nach seinen Worten hat sich Niedersachsens Landwirtschaftsminister „wehrhaft und stachelig für die Bienen eingesetzt“. Hederer fügte hinzu, Meyer sei auf die Imkerinnen und Imker zugegangen, habe Schwachstellen erkannt „und mit Blühstreifen und Imkerbonus erste wichtige Akzente gesetzt“. DBIB-Vizepräsident Christoph Koch ergänzte, eine wahrscheinliche Verdopplung der Blühstreifen binnen eines Jahres „hat vor dem Minister noch keiner geschafft. Das soll ihm mal einer nachmachen.“

Niedersachsens Landwirtschaftsminister sagte, er freue sich sehr über die Auszeichnung. „Der Goldene Stachel ist zugleich auch Ansporn, für Bienen potenziell gefährliche Pflanzenschutzmittel nicht zuzulassen und beim Verbot von Gentechnik weiter hart zu bleiben.“ Meyer betonte, „die Biene ist das wichtigste Nutztier in Niedersachsen und von hoher Bedeutung für den Ertrag und die Vielfalt an gesunden Lebensmitteln“. Tatsächlich sind 80 Prozent der Kulturpflanzen auf die Bestäubungsleistung der Bienen angewiesen. Der volkswirtschaftliche Wert der Bestäubungsleistung wird allein in Deutschland auf etwa zwei Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Allerdings: Die immer stärker gewordene Intensivierung der Landwirtschaft hat dazu geführt, dass für die Honigbienen insbesondere im Sommer nicht in ausreichender Menge Futterpflanzen zur Verfügung stehen. Die Folge: Honigbienen sind mit wichtigen Pollen unterversorgt, gehen geschwächt in den Winter.

Das soll sich in Niedersachsen ändern. Der Landwirtschaftsminister hat deshalb ein Blühstreifenprogramm ins Leben gerufen: Die Förderung wurde wesentlich von 540 Euro auf bis zu 975 Euro pro Hektar angehoben. Neu ist ein darin enthaltener Imkerbonus von 100 Euro für eine gute Kooperation von Landwirten mit einem örtlichen Imker. „Wir setzen auf Anreiz und Dialog zwischen den Beteiligten. Zum Nutzen der Bienen“, sagte Meyer. Er zeigte sich insbesondere darüber erfreut, „dass wir trotz Deckelung auf zehn Hektar pro Betrieb dieses Jahr mit einer Verdopplung der geförderten Blühstreifen im Land von 10.000 auf rund 20.000 Hektar rechnen“.

Seit dem vergangenen Jahr leistet übrigens auch das Landwirtschaftsministerium seinen Beitrag zum Wohl der Bienen: Zusammen mit der Initiative „Hannover summt!“ als Teil einer bundesweiten Kampagne bietet das Ministerium zwei Bienenvölkern mit je rund 40.000 Bienen in seinem Garten in der Nachbarschaft von Obstbäumen, Ziersträuchern und einer großen Magnolie ein neues Zuhause. Die erste Ernte kann sich sehen lassen: Mehr als 100 Gläser Honig konnte der Minister an Kabinettskolleginnen und -kollegen, Mitarbeiter und Besucher verschenken. Er habe sogar eine Pollenanalyse machen lassen, so der Minister. Herausgekommen sind schmackhafte Mischungen aus Blüten von Linden, Götterbaum und Wildem Wein.

Bezug: PM des NMU vom 23. Januar 2015


NaFor unterstützt Initiative zum Tierwohl und Bodenschutz

NaturschutzForum Deutschland plädiert anlässlich der Grünen Woche für die Förderung gemeinsamer Ziele – mehr EU-Fördermittel für ökologische Leistungen der Bauern notwendig

Berlin.  Wer auf der Grünen Woche (16.-25. Januar 2015) die Eröffnungsrede des neugewählten Bauernverbandspräsidenten Joachim Rukwied mitverfolgt hat, wird ihm zustimmen, wenn er von den Verbrauchern und Politikern Realitätssinn, Fairness und gemeinsame Verantwortung fordert. Allerdings versucht er kraft Amtes, sich als Vertreter des gesamten Berufsstands darzustellen und kritisiert in Gegenwart des neu berufenen EU-Agrarkommissars Hogan jene Interessengruppen, die von „Massentierhaltung“, „Doping im Stall“ und „industrieller Landwirtschaft“ sprechen.

Das NaturschutzForum Deutschland (NaFor) mahnt in diesem Zusammenhang seinerseits mehr Realitätssinn an. Denn die Zustände in der Agrarindustrie, zum Beispiel  West-Niedersachsens und dem nördlichen Münsterland, sind in Bezug auf den Umgang mit den Hauptressourcen der Zukunft  –  Landschaft, Boden, Wasser, Flora und Fauna –  nicht zu akzeptieren. Das betrifft die klassische, weiterhin expandierende Massentierhaltung ebenso wie die Biogasproduktion. Böden und Grundwasser sind vielerorts durch Nitrat und Phosphat jenseits aller Grenzwerte extrem hoch belastet.

Die Lebensqualität von Anwohnern und das Tierwohl leiden unter den Ammoniak-Emissionen, dem erheblichen vorbeugenden Einsatz von Antibiotika und Pestiziden sowie dem Verlust an „schöner Natur“ ebenso wie auch das wirtschaftliche Wohl kleiner Betriebe. Unter diesen befinden sich viele Vertragslohnmasten, die von nichtbäuerlicher Hand gesteuert werden oder den Betrieb aufgeben müssen, da sie bei Pachtpreisen und anderen Produktionskosten nicht mehr mithalten können. In den letzten 20 Jahren mussten bundesweit nahezu 100.000 Betriebe schließen. Mit Recht fühlen sich kleinere bäuerliche Familienbetriebe und zahlreiche Milchviehhalter nicht hinreichend vom Bauernverband vertreten. Stattdessen gibt es viele Schnittmengen mit  dem Natur- und Wiesenvogelschutz sowie mit Initiativen zum Schutz natürlicher Ressourcen.

Joachim Rukwied sieht laut SPIEGELonline die Pläne der EU, Subventionszahlungen an Bauern von deren Leistungen im Umweltschutz abhängig zu machen als „Programm aus der Mottenkiste“. Die Zuckerrübenproduktion liegt dem Agrarindustriellen aus dem württembergischen Eberstadt mit 300 Hektar bewirtschafteter Fläche mehr (die dortige Durchschnittshofgröße entspricht etwa 32 ha). Seinen Appell auf der Grünen Woche, das Machbare vom Wünschbaren besser zu unterscheiden, kann er auch zur Grundlage seines eigenen verbandspolitischen Handelns machen. Denn Millionen Verbraucher fordern deutlich mehr Rücksichtnahme in der Landwirtschaft auf gliedernde und belebende Elementen in der freien Landschaft wie Gebüsche und alte Bäume, Wegeseitenstreifen und Feuchtzonen oder erhaltenswerte öffentliche Feldwege und Schaftriften, auf denen „Unkräuter“ zugunsten von Wild und Körnerfressern zur Samenreife gelangen können.

Das NaturschutzForum Deutschland und seine Mitgliedsvereine kennen viele Beispiele einer guten Kooperation von Naturschutz und Landschaftspflege mit Bauern, Wald- und anderen Grundbesitzern, Jägern und Fischern. Die angesprochenen Verbraucher  unterstützen diese gemeinsamen Projekte, die allen zugutekommen. Das funktioniert auch bestens in den Niederlanden – intensiv hier, extensiv und Artenschutz dort, ausgeführt von denselben Leuten. Die 5%-greening-Flächen sind ein erster Schritt, mit deren Hilfe landschaftliche Verbundsysteme zwischen den Intensivflächen geschaffen werden können, ohne die wirtschaftliche Produktion zu stören. Deren Pflege garantieren damit beauftragte  Landwirte am besten, denn sie wohnen vor Ort und verfügen über die nötigen Fertigkeiten im Umgang mit Maschinen und bei der dauerhaften Pflege von Saumbiotopen.

Gemeinsam sind wir stark, auch gegenüber den Interessen globaler Akteure. NaFor hält es darum für dringend an der Zeit, der berechtigten Kritik in der Tierhaltung und Pflanzenproduktion entgegenzuwirken und sich stattdessen – auch auf der Grünen Woche und danach –  mit den Landvolkvertretungen zusammenzusetzen und im Sinne weiterer gemeinsamer Projekte eine belebte und erholungswirksame Landschaft zu erhalten oder im Verbund zu entwickeln.

Remmer Akkermann

(zu erreichen unter: akkermann.remnmer@ewe.net)

 

Wiesenvogelschutz erfordert eine enge Kooperation mit Landwirten - wie hier in der Wesermarsch. Wegen später erster Mahd (Juli/August) erfolgen Ausgleichszahlungen. (Foto: BSH)

Wiesenvogelschutz erfordert eine enge Kooperation mit Landwirten – wie hier in der Wesermarsch. Wegen später erster Mahd (Juli/August) erfolgen Ausgleichszahlungen.

Intensive Landwirtschaft, wie sie nicht sein sollte:  Der Spargelanbauer missachtet den öffentlichen Seitenstreifen und bezieht ihn in seine Wirtschaftsfläche mit ein, indem er seine Fahrzeuge auf dem Weg
parkt und wendet (Foto: BSH)

Intensive Landwirtschaft, wie sie nicht sein sollte:  Der Spargelanbauer missachtet den öffentlichen Seitenstreifen und bezieht ihn in seine Wirtschaftsfläche mit ein, indem er seine Fahrzeuge auf dem Weg parkt und wendet.

Milchviehhaltung und Naturschutz ergänzen sich, wenn zwischendrin unbeweidete Flächen für Brutvögel und Deckung-suchende Säugetiere verbleiben (Foto: BSH)

Milchviehhaltung und Naturschutz ergänzen sich, wenn zwischendrin unbeweidete Flächen für Brutvögel und Deckung-suchende Säugetiere verbleiben (Fotos: BSH)