Straßenbau und Baumfällungen auf Rügen: nichts dazu gelernt?

Das NaturschutzForum Deutschland (NaFor) nimmt die Abholzung von 100 Alleebäumen entlang der B 96 auf Rügen zum Anlass, um sich für den Schutz älterer Bäume einzusetzen. NaFor hält es für unabdingbar, dem Erhalt von Bäumen und Alleen Vorrang zu gewähren und flächensensibel zu planen, statt auf der normengerechten Umsetzung zu bestehen. Dass das möglich ist, zeigen einsichtige Behördenvertreter, die über ein entsprechendes Planungs- und Beteiligungsgeschick verfügen und nicht allein wirtschaftliche Interessen des Geradeausfahrens auf breiten Pisten umsetzen wollen.

Die jahrelangen Planungen und Diskussionen um die B 96 n parallel zur bestehenden Bundesstraße zeigen, wie wenig sich der Straßenbau auf die Argumente des nichtstaatlichen Naturschutzes (NABU Rügen, BUND, INSULA RUGIA, RIO 96, VCD NO und örtliche Bevölkerung) zubewegt hat. Autobahnähnlich werden weitere Kilometer durch die Landschaft planiert, eine Baumreihe an der B 96 mit über 80 jährigen Bäumen musste weichen, weitere zum Absägen vorgesehene Alleebäume sind betroffen. Leitplanken hätten den Fortbestand sichern können. Dass die Brutzeit begonnen hat und das Fällen seit dem 1. März gesetzlich untersagt ist, steht hier nicht entgegen.

Eldingen Luttern BL 282 2017-03-22 004

 

 

 

Schutz und Erhalt von Straßenbäumen durch Leitplanken, wie im Raum

Putbus oder (wie hier) in der Südheide bei Eldingen (L 282) – das ist zwar

nicht ästhetisch, jedoch eine wirkungsvolle Alternative zur Fällung.

Foto: nafor

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bemerkenswert ist, so NaFor, dass die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel anlässlich der Verkehrsfreigabe in Rambin innerhalb ihres Wahlkreises ungeachtet der klimaschädlichen Großbauten feststellte, dass Natur und Infrastruktur keine Gegensätze sein müssen, zumal Staus die umweltfeindlichste Form des Fahrens seien. Hier waren Klimaschutz, Bodenversiegelung, Zerschneidung der freien Landschaft und Abgase also kein Thema. Es ist nicht vertretbar, Autofahrer dazu zu ermuntern, die Insel Rügen mit verkehrsfördernden Maßnahmen dieser Dimension in noch größerer Zahl als bisher schon der Fall anzusteuern. Denn Staus an den Zufahrten mehrspurig zu beseitigen, schafft neue Staus auf anderen Inselseiten. Die Belastungen innerorts und im Außenbereich dürften kaum dazu beitragen, die touristische Attraktivität der Insel Rügen zu steigern. Bisher sind schon mehr als 127 Millionen Euro verbaut worden, der endgültige Betrag dürfte deutlich darüber liegen. Die von Beton-Bauwerken eingesäumte Piste suggeriert den Besuchern einen Tunnelblick. Sie dürften sich fragen, wo denn hier die von der Tourismusbranche viel zitierten Alleen der Hochglanzblätter zu sehen sind?

Auf Rügen zeigt sich, wie die exzessive Priorität von Verkehrswegen trotz der Kompensationsmaßnahmen ins Gegenteil umschlägt. Die alte B 96, noch von alten Laubbäumen gesäumt, hätte verkehrsberuhigt und als schattenspendender Radweg für Natur und Mensch weiterbestehen können. Zwischen Greifswald und Stralsund hat man die alte B96 mit Alleebäumen und altem Granitpflaster neben der neueren B 103 in diesem Sinne belassen. Warum nicht auch im Falle der B 96 ?

Susanne Kuhl

 

 

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