Der Weser-Ems-Regionalflora, der Gattung Rubus und dem Naturschutz verbunden: Heinrich E. Weber (†), engagierter Pflanzensoziologe und Biotop-Förderer

Osnabrück – Bramsche.   Mit dem Ableben von Heinrich E. Weber hat ein über Jahrzehnte unermüdlich wirkender Vorkämpfer für den Erhalt einer möglichst wenig veränderten Landschaft in Nordwestdeutschland seine Arbeit eingestellt. Er verstarb mit 88 Jahren am 2. Mai 2020 im heimischen Bramsche westlich von Osnabrück. Dienstlich war er vielfach ausgewiesen als Prof. Dr. phil. (Konzertpiano Uni Hamburg), Dr. rer. nat. (Vegetation der Knicks in Schleswig-Holstein, Uni Kiel) und Dr. rer. nat. h.c. (Gattung Rubus, speziell Brombeeren, Universität Lüneburg). Sein Wissen brachte er ein in die Bemühungen um den Erhalt wertvoller Naturlandschaften, insbesondere der Moore zwischen Diepholz und dem Emsland.

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Heinrich E. Weber (links) und Remmer Akkermann im Gespräch.
Foto: BSH-Archiv 1984

Schon als Schüler hatte er in den fünfziger Jahren den dramatischen Landschaftswandel erkannt, der unter anderem mit dem Siedlungsbedarf Zehntausender aus dem heutigen Westpolen zugewanderter Vertriebener zusammenhing. Angeblich dienten die damit verbundenen großflächigen Entwässerungen und Flurbereinigungen der Bekämpfung drohender Hungersnöte und der Versorgung mit Brennstoffen. Heinrich Weber hatte mit Nachdruck öffentlich kritisiert, dass das radikale Vorgehen gerade bei Hochmooren und wertvollen alten Waldstandorten unverhältnismäßig war und als so genannte „Melioration“ und „Veredelungswirtschaft“ zu einer irreparablen Ausräumung wertvoller Landschaften führte. Seine damaligen Fotos aus dem Bereich des Heeder Moores, des Huntetals und anderer Naturräume, bevor die Veränderungen einsetzten, sind wertvolle Dokumente.

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Bücher von Heinrich E. Weber: Gebüsche, Hecken, Krautsäume; Flora von Südwest-Niedersachsen und dem benachbarten Westfalen
Historisches Foto einer Flusslandschaft (Hunte bei Dötlingen, 1958) Foto: Heinrich E. Weber

Um den Schutzbedarf herauszustellen, auf die Dramatik aufmerksam zu machen und im Sinne des Erhalts von Biotopverbundsystemen aufzuklären, hat Heinrich Weber als Botaniker in der Aula der Universität Vechta (damals noch Universität Osnabrück, Abt. Vechta) gemeinsam mit über 90 interessierten Studierenden und Freunden im Januar 1976 die Biologische Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems (BSH) mitgegründet und wurde Vorstandsmitglied. Weber war sich nicht zu schade, auch die örtlichen und landesweit tätigen Politiker über Naturschutzfragen in Vorträgen und Diskussionen aufzuklären. Das waren seinerzeit stark besuchte Vortragsabende in Kreisverwaltungen, Seminare zu Umweltschäden in Hotels sowie Streitgespräche mit Ministern und Amtsvertretern. Intensiv und teilweise erfolgreich waren solche Termine im Zusammenhang mit den Neubauinitiativen der Straßenbauverwaltung, die häufig Alleen und wertvolle Saumbiotope beseitigen und die Landschaft durchschneiden wollten. Stets von Bedeutung waren seine botanischen Fachkenntnisse und die Fähigkeit zu überzeugen, auch wenn der behördliche Gegenwind stark war.

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Beispiele für unterschiedliche Blattformen. – Links ein 7-zähliges Blatt der Eingeschnittenen Brombeere (Rubus scissus). In der Mitte ein 5-zähliges Blatt der Wald-Brombeere (Rubus silvaticus). Rechts ein 3-zähliges Blatt der Träufelspitzen-Brombeere (Rubus pedemontanus
Beispiele für unterschiedliche Blattformen. Links ein 7-zähliges Blatt der Eingeschnittenen Brombeere (Rubus scissus). In der Mitte ein 5-zähliges Blatt der Wald-Brombeere (Rubus silvaticus). Rechts ein 3-zähliges Blatt der Träufelspitzen-Brombeere (Rubus pedemontanus). Aus: BSH-Ökoportrait 39 „Brombeeren“, 2005.

Heinrich Weber war es auch, der mit der BSH unter der Regierung Albrecht erfolgreich die Gründung eines eigenständigen Niedersächsischen Umweltministeriums (erstmals geführt von Werner Remmers, Osnabrück-Lingen) anregte und in Hannover 1988 die entsprechende Resonanz fand. Das geschah stets in Begleitung von Presse, Rundfunk und Fernsehen. Auf die Ermahnung der damaligen Hochschulleitung, sich politisch zurückzuhalten, antwortete Weber nur lapidar und fest entschlossen: „Wir lassen uns bei diesen Themen nicht disziplinieren!“

Der Vorstand der BSH konnte Heinrich Weber davon überzeugen, seine umfangreichen Kenntnisse zum Vorkommen des gesamten Spektrums heimischer Pflanzen in der „Flora von Südwest-Niedersachsen und dem benachbarten Westfalen“ mit zahlreichen Hinweisen auf die örtlichen Vorkommen niederzuschreiben. Das förderte auch der Verleger Wenner in Osnabrück – beide Seiten gingen davon aus, dass dieses Wissen andernfalls verloren gehen würde. Es lebt in seinem Buch also fort!

Heinrich E. Webers Rubus-Herbar wurde dem Archiv des Botanischen Gartens und Botanischen Museums Berlin übergeben (Königin-Luise-Straße 6-8, 14195 Berlin).

Das Naturschutzforum, die BSH und der NVN haben Heinrich Weber auch viele kleinere und größere allgemeinverständliche, wissenschaftlich korrekte Texte für politische Petitionen, Fachinfos und Merkblätter zu verdanken, darunter solche zu Brombeeren und Gagelstrauch, zu finden unter:

2005: http://www.bsh-natur.de/O…portrait -Brombeeren.pdf

2008: http://www.bsh-natur.de/O…portrait_Gagelstrauch.pdf

Die Naturschutzverbände NaFor und BSH danken Prof. Weber für seine Lebensleistung zugunsten der nordwestdeutschen Lebensräume und ihrer Biologie sowie für die langjährige fachliche Unterstützung des außerbehördlichen Naturschutzes der Verbände.