Pressemitteilung des Umweltministeriums Schleswig-Holstein

Eine Woche für die biologische Vielfalt: Naturschutzminister Tobias Goldschmidt lädt zur 3. Aktionswoche Biologische Vielfalt in Schleswig-Holstein ein

Naturschutzminister Tobias Goldschmidt: „Die Aktionswoche macht die natürliche Vielfalt Schleswig-Holsteins erlebbar

JEVENSTEDT. Was haben eine Streuobstwiese, ein Waldstück, ein Schulhof und ein Garten gemeinsam? Sie alle sind Orte, an denen biologische Vielfalt entdeckt, erlebt und geschützt werden kann. Genau darum geht es bei der dritten Aktionswoche Biologische Vielfalt in Schleswig-Holstein. Vom 6. bis 13. September zeigen Menschen im ganzen Land, wie vielfältig die Natur ist – und wie vielfältig die Möglichkeiten sind, sich für ihren Erhalt einzusetzen.

Zum Auftakt der Aktionswoche haben Naturschutzminister Tobias Goldschmidt und der Botschafter der Aktionswoche, Autor und Journalist Lothar Frenz, heute gemeinsam den Verein „Ökowiesen Jevenstedt“ besucht.

„Schleswig-Holstein ist ein lebendiges Land mit besonderer Verantwortung für die Natur. Ich freue mich auf die diesjährige Aktionswoche, die eine Woche lang einen Scheinwerfer auf die Biodiversität bei uns im Lande richten wird. Die Aktionswoche macht die natürliche Vielfalt Schleswig-Holsteins erlebbar“, sagte Naturschutzminister Tobias Goldschmidt in Jevenstedt.

Insgesamt 310 Veranstaltungen stehen im Rahmen der Aktionswoche zur Auswahl. Hinter diesen stehen zahlreiche Akteurinnen und Akteure, die ihre Türen öffnen und in die Natur einladen. Sie geben Wissen weiter, regen zum Mitmachen an und machen deutlich: Biodiversität ist kein fernes Naturschutzthema, sondern begegnet den Menschen in Schleswig-Holstein fast überall.

Lothar Frenz, Botschafter der Aktionswoche, bringt diese Idee auf den Punkt: „Die Aktionswoche macht Lust auf Natur. Und zeigt, dass biologische Vielfalt keine abstrakte Idee ist, sondern uns umgibt, trägt und bereichert.“

Der Fokus der Aktionswoche liegt auf der Bildungsarbeit. Ein eigenes Programm richtet sich an Kitas und Schulen. Kinder und Jugendliche erforschen selbst die biologische Vielfalt und entdecken Zusammenhänge. Denn wer die Vielfalt des Lebens kennt und ihre Bedeutung versteht, hat auch eher die Möglichkeit, sie zu schätzen und sich für ihren Schutz einzusetzen.

„Es ist entscheidend, dass wir einen persönlichen Bezug zu den Themen Biodiversität und Naturschutz vermitteln und ökologische Zusammenhänge nachvollziehbar machen. Die Aktionswoche Biologische Vielfalt zeigt auf beeindruckende Weise, wie vielfältig und wertvoll unsere Natur ist und wie jede und jeder zu ihrem Erhalt beitragen kann“, sagte Nicole Rönnspieß, Leiterin des Bildungszentrums für Natur, Umwelt und ländliche Räume (BNUR).

Weitere Informationen zur Bildungswoche:
Die Aktionswoche ist Teil der Bildungsinitiative Biodiversität im Rahmen der Landesbiodiversitätsstrategie „Kurs Natur 2030“. Sie wird unter der Federführung des Bildungszentrums für Natur, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein (BNUR) gemeinsam mit dem Landesverband der Volkshochschulen Schleswig-Holsteins e. V. und der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein durchgeführt. Das Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur des Landes Schleswig-Holstein (MEKUN) fördert die Aktionswoche im Rahmen der Biodiversitätsstrategie des Landes.

Das vollständige Programm und weitere Informationen unter: www.aktion-biologische-vielfalt.de


Rekordzahlen und neue Fundorte: Gottesanbeterin in Sachsen-Anhalt fest etabliert

Pressemitteilung des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt


Gottesanbeterin. Quelle: Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Foto: Daniel Rolke

Die Gottesanbeterin hat sich in Sachsen-Anhalt etabliert und breitet sich weiter aus. 2025 verzeichnete das Landesamt für Umweltschutz (LAU) mit 8.072 Meldungen so viele Beobachtungen wie nie zuvor. Zum fünften Mal in Folge wurde damit ein neuer Melderekord aufgestellt.

Die Art ist inzwischen in weiten Teilen des Landes anzutreffen. Neben stabilen Vorkommen im Süden und in der Mitte Sachsen-Anhalts breitet sie sich zunehmend auch im Norden und Nordwesten aus. Im letzten Jahr gab es erstmal Hinweise bei Haldensleben, Klötze, Marienborn und in der Colbitz-Letzlinger Heide. Verbreitungslücken bestehen derzeit im Harz, im Nordharzvorland und in Teilen der nordwestlichen Altmark.

Für den Sommer und Herbst 2026 erwartet Biologe Marcel Seyring vom Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt die weitere Ausbreitung, insbesondere in den Landkreisen Salzwedel, Börde und Harz. „Besonders interessant sind vor allem die Bereiche nördlich und westlich von Gardelegen bis zur niedersächsischen Landesgrenze. Da fehlt bisher der Lückenschluss.“ sagt Seyring, bittet jedoch weiterhin um Sichtungsmeldungen aus dem gesamten Bundesland. Am besten direkt über das Meldeportal: www.lau.sachsen-anhalt.de/gottesanbeterin oder per E-Mail an: artenmeldung@lau.mwu.sachsen-anhalt.de mit Datum, Fundort, Beobachtername und Foto.

Alle Meldungen werden geprüft und in die zentrale Artdatenbank übernommen. Sie dienen der wissenschaftlichen Auswertung, der Fortschreibung der Verbreitung und der Bearbeitung der Roten Listen.

Gottesanbeterinnen sind für Menschen harmlos, nicht giftig, stechen und beißen nicht. Die Tiere sollten nicht eingefangen werden. Nur wenn sie sich in Wohnungen verirren, können sie vorsichtig wieder ins Freie gesetzt werden.

Die wärmeliebende Art breitet sich infolge klimatischer Veränderungen seit den 1990er Jahren nach Norden aus. In Sachsen-Anhalt wurde sie erstmals 1991 in Magdeburg nachgewiesen; die erste stabile Population besteht seit 2004 am Geiseltalsee.

 

 

 

Im Landesamt für Umweltschutz eingegangene Meldungen zur Gottesanbeterin

 

QR-Code zum Meldeportal
Gottesanbeterin

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Salzwiesen im Deichvorland beginnen sich zu entwickeln

Landesbetrieb NLWKN verbindet erfolgreich die Förderung des Biotopschutzes mit Vorgaben des Küstenschutzes


Das Küstenschutzsystem in Niedersachsen. Grafik: NLWKN

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Auszug aus dem am 01. Juni erschienenen Jahresbericht 2025 des NLWKN

Im nordwestlichen Ostfriesland realisiert der NLWKN seit 2025 ein zukunftsweisendes Projekt zur naturbasierten Transformation des Deichvorlands. Das etwa 23,4 Hektar große Gebiet ist ein ehemals künstlich aufgespültes Deichvorland südlich von Pilsum in der Krummhörn. Durch gezielte Geländeabsenkungen wird eine anthropogen, also von Menschen geschaffene in eine naturnahe Salzwiese umgestaltet. Das Vorhaben verbindet die Anforderungen der FFH-Richtlinie und des Masterplans Ems mit denen der Klimaanpassung und des Küsten- und Klimaschutzes. Die natürliche Entwicklung von Prielen sowie die Ansiedlung von Pionier- und Salzwiesenvegetation bestätigen die Wirksamkeit der um- und eingesetzten Maßnahmen.

Ökologische Ausgangssituation verdeutlicht dringenden Handlungsbedarf

Das im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer gelegene Projektgebiet umfasst einen Deichvorlandbereich im äußeren Emsästuar zwischen der Leybucht und dem Rysumer Nacken am Dyksterkruger Heller. Historisch ist dieser Bereich durch Aufspülungen aus den Jahren 1972/73 geprägt, die primär als Schutzmaßnahme für den Hauptdeich dienten. Heute bildet das Vorland ein naturbasiertes Element des Küstenschutzsystems, welches durch ein durchgehendes Vorlanddeckwerk als Erosionsschutz gesichert ist und eine Deichfußentwässerung durch Gräben aufweist. …

Fachliche Grundlage für die Umgestaltung bildet der Vorlandmanagementplan für den Bereich der Deichacht Krummhörn. Dieser wurde in enger Abstimmung mit allen relevanten Stakeholdern entwickelt.

Ziel der Maßnahme ist, eine naturnahe, morphologische Dynamik mit einer salzwiesentypischen Prielentwicklung zu ermöglichen und die Etablierung der unteren Salzwiesenstadien zu fördern. Hierfür wird eine flächenhafte Absenkung des Geländes auf das Niveau des mittleren Tidehochwassers (MThw) durchgeführt sowie der Tideeinfluss dieser Flächen über Furten als Absenkungen im Deckwerk gezielt wiederhergestellt. Zusätzlich werden funktionslose Entwässerungsgräben verfüllt und lokale Feuchtbereiche geschaffen.

Parallel muss der Küstenschutz sichergestellt sein: Die Stabilität des Vorlands bleibt erhalten, und ein Sicherheitsabstand von 200 Metern zum Hauptdeichfuß garantiert weiterhin die notwendige Wellendämpfung und die Schutzfunktion für den Hauptdeich. …

Die bauliche Umsetzung erfolgt in drei Teilabschnitten, wobei zum Schutz der dort vorkommenden Vogelarten die Arbeiten außerhalb der Brutzeit durchgeführt werden. Im Jahr 2021/22 wurde bereits der erste Teilabschnitt mit einer Fläche von etwa 9,3 Hektar erfolgreich fertiggestellt. Ab 2024 folgte die Umsetzung der weiteren Abschnitte auf einer Fläche von rund 14 Hektar.  …

m die Entwicklung der Projektfläche zu dokumentieren, führt der NLWKN ein gezieltes Monitoring durch. Erste Ergebnisse zeigen, dass sich die erwartete positive morphologische und biologische Entwicklung rasch einstellt: Bereits in den ersten Jahren entwickeln sich naturnahe, fein untergliederte Prielstrukturen. In den neu geschaffenen Pionierzonen konnte ein biotoptypischer, fast flächendeckender Quellerbewuchs beobachtet werden. Der wiederhergestellte Tideeinfluss ermöglicht einen kontinuierlichen Sedimenteintrag in die Fläche und eine damit verbundene deutliche, räumlich variierende Sedimentation. Zwischen 2021/22 und 2025 wurde auf den Flächen ein Aufwuchs von 15 bis 20 Zentimeter durch das Monitoring festgestellt. In der Folge bilden sich bereits verschiedene Stadien der unteren Salzwiese aus, die durch die durch die Ansiedlung von Zeigerarten wie Andelrasen und Strandastern charakterisiert wird.

Deichgeschütztes Gebiet, Haupt- und Schutzdeiche an der Festlandküste. Grafik: NLWKN

 

Herausgeber: Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz


Wie eine Hitzewelle im Jahr 2003 den Nordatlantik bis heute verändert

aus VBIO – Aktuelles aus den Biowissenschaften

Extremereignisse verändern die Ökologie im Meer sprunghaft: Eine einzige marine Hitzewelle im Jahr 2003 hat beispielsweise Artenzusammensetzung und Nahrungsnetz-Beziehungen im Nordatlantik so beeinflusst, dass die Folgen bis heute wirken.

Die Lodde (oben links) gehört zu den Verlierern, wenn sich das Ökosystem ändert. Copyright: Thünen-Institut/Karl-Michael Werner

Zunächst erscheint es erstaunlich, dass diese Erkenntnisse bisher unentdeckt blieben. Die Ursache liegt darin, dass oft nur prominentere Arten wie Pflanzen und Wirbeltiere untersucht werden. Die Trierer Forschenden weiteten das Spektrum aber auf deutlich kleinere Ebenen wie Pilze, Plankton, Algen oder Gliederfüßer aus, von denen sie zehntausende Arten untersucht haben. Diese spielen in der Nahrungskette eine unverzichtbare Rolle.

Die Ökologie des Nordatlantiks ist im ständigen Wandel. Manchmal verändert sie sich jedoch sprunghaft. Ein Grund: sogenannte Extremereignisse. Ein Beispiel dafür sind marine Hitzewellen. Ein Forscherteam unter der Leitung des Thünen-Instituts für Seefischerei hat jetzt herausgefunden, dass eine einzige, weiträumige Hitzewelle im Jahr 2003 die Artenzusammensetzung und die Nahrungsnetz-Beziehungen im subpolaren Nordatlantik bis heute nachhaltig beeinflusst. Die Studie wurde jetzt in Science Advances veröffentlicht. „Die Auswirkungen eines solchen Ereignisses reichen bis an uns Menschen heran, weil sie die Verbreitung von Fischarten, die wir essen und an die der Fischfang seit Jahrzehnten angepasst ist, ändern“, erläutert Dr. Karl-Michael Werner vom Thünen-Institut für Seefischerei, Erstautor der Studie. Derartige physikalische Extremjahre könnten auch in Zukunft plötzliche und unvorhersehbare Auswirkungen auf das Leben im Ozean haben. Die Frage sei nun, unter welchen Bedingungen sich eine derart großflächige Hitzewelle mit so weitreichenden Folgen wiederhole. „Nach 2003 gab es weitere Hitzewellen, die aber keine nennenswerten Veränderungen hervorgerufen haben“, sagt Werner.

Ein „perfekter Sturm“ wirkt bis heute nach

Die Forschenden haben untersucht, wie sich ein weiträumiges Extremereignis im Meer auf Artengemeinschaften und die Verbreitung einzelner Organismen auswirkt. Dafür haben sie rund 100 Zeitreihen untersucht, die biologische Kennzahlen enthielten. Unter anderem kamen wesentliche Daten aus der Wassersäule und vom Tiefseeboden vom LTER (Long-Term Ecological Research) Observatorium HAUSGARTEN des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). Dort in der Framstraße zwischen Grönland und Svalbard finden seit mittlerweile 25 Jahren ökologische Langzeituntersuchungen statt. Ein Großteil der untersuchten Parameter zeigte abrupte Änderungen im Jahr 2003 oder kurz danach. In dem Jahr fand ein sogenannter „perfekter Sturm“, eine Kombination aus Ereignissen mit besonders dramatischen oder überraschenden Auswirkungen, im und über dem subpolaren Nordatlantik statt. Während sich eine ungewöhnlich große Menge warmen, subtropischen Wassers zwischen Island und Schottland ihren Weg nach Norden bahnte, strömten ebenso ungewöhnlich kleine Mengen arktischen Wassers östlich von Grönland südwärts. Im selben Jahr erreichte die Atmosphäre über demselben Gebiet rekordheiße Temperaturen. Die Auswirkungen waren bis nach Zentraleuropa spürbar, wo tausende Menschen an den Folgen von Hitzewellen starben. Diese Kombination führte dazu, dass auch die Meerestemperatur im Nordatlantik zwischen Westgrönland und der norwegischen Küste Rekordwerte erreichte.

Von einzelligen Algen bis zu Walen – kein Lebewesen blieb von der plötzlichen Wärme verschont. Während sich Fischarten wie Kabeljau und Schellfisch nach Norden ausbreiten konnten, weil sich zurückziehendes Eis und höhere Temperaturen Lebensraum freigaben, fing die Lodde an zu leiden. Der wichtigste Futterfisch für höhere Ebenen im Nahrungsnetz des subpolaren Nordatlantiks verschob sein klassisches, südwestlich vor Island liegendes Laichgebiet nach Norden. Mit schwerwiegenden Folgen: Eier und Larven der Lodde treffen auf neue Strömungsmuster. Sie treiben nun bis an die Küste Ostgrönlands. Dort treffen sie auf ungleich schwierigere Lebensbedingungen, an die der Lebenszyklus der Art nicht angepasst ist. Nur wenige Eier und Larven überleben die ungewohnten Bedingungen. Gewinner auf der anderen Seite sind Wale, etwa der Buckelwal. Er kann den Lodden nun folgen und ist nach mehr als 150 Jahren wieder ein regelmäßiger Besucher Südostgrönlands.

Auch eine ungefähr zwei Jahre nach dem „perfekten Sturm“ einsetzende Wärmephase in der Framstraße zwischen Svalbard und Grönland, tausende Kilometer von der eigentlichen Rekord-Stelle gelegen, konnten die Autor*innen erstmals damit in Verbindung bringen. Das warme Wasser brachte neuen Organismen mit, die von der Oberfläche bis zum Meeresboden das gesamte Ökosystem abrupt veränderte. Das warme Wasser sorgte für mehr Biomasse, die abgestorben zum Meeresgrund sinkt. Dort dient sie Sediment-Bewohnern wie Schlangenstern und Fadenwurm als Nahrung. Allerdings heißt mehr nicht automatisch besser. Es gibt Anzeichen dafür, dass die Nährstoffqualität in der sinkenden Biomasse im gleichen Zeitraum abnahm.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass unerwartete Extremereignisse nicht vorhersehbare ökologische Kaskaden auslösen“, sagt Werner. Wie sich die Umwelt durch die erwartete Erwärmung verändern wird, wisse aktuell niemand. Man könne zwar vorhersagen, wie steigende Temperaturen den Stoffwechsel von Organismen beeinflussen und mitunter begünstigen. Aber wenn eine Art sich deshalb nach Norden bewege und dort entweder gefressen wird oder keine passenden Laichgründe findet, werde sie nicht davon profitieren. Die einzigen Arten, die sich immer wohl fühlen, seien die typischen Opportunisten, wie der Kabeljau. „Sobald die Umwelt es einigermaßen zulässt, breitet der sich aus und frisst alles, was ihm in den Weg kommt“, sagt der Wissenschaftler.

Thünen-Institut für Seefischerei


Originalpublikation:

Karl Michael Werner, Ismael Núñez-Riboni, Thomas Soltwedel, Raul Primicerio, Margrete Emblemsvåg (2025). Major heatwave in the North Atlantic had widespread and lasting impacts on marine life, Science Advances, DOI: 10.1126/sciadv.adt7125

 


Zitterpappel: Baum des Jahres 2026 – Wichtig für die Walderneuerung nach Bränden und Lebensraum vieler Tiere

Die Zitterpappel wurde von der „Baum des Jahres – Dr. Silvius Wodarz Stiftung“ zum Baum des Jahres 2026 gekürt. In Brandenburg ist sie, die auch Espe oder Aspe genannt wird, die am häufigsten auftretende Pappelart. Als Pionierbaumart nimmt sie für Brandenburg als Bundesland mit dem meisten Waldbränden eine besondere Bedeutung ein.


Zitterpappeln. Fotos: BSHnatur

Mehr als 10 000 Jahre Erd- und Vegetationsgeschichte waren am Moorlehrpfad anschaulich zu erleben. Auch die historische Bedeutung der Moore als Schaf- und Bienenweide, für den Torfstich und den Anbau von Buchweizen wurden thematisiert. „Unsere Moore sind ein Archiv der Landschaftsgeschichte“, erläuterte Karin Geyer, die als Diplom-Geographin das UBZ seit über zwanzig Jahren leitet.

Die Zitterpappel wächst in Brandenburg auf insgesamt rund 2.500 Hektar über alle Landkreise relativ gleichmäßig verteilt – mit einem Schwerpunkt im Privatwald (etwa 1.650 Hektar). Sie findet sich als Einzelbaum oder in kleinen Gruppen entlang von Wegen, Waldlichtungen und Waldrändern sowie in der freien Landschaft.

Als absolute Pionierbaumart steht die Zitterpappel wie kaum eine andere Baumart für Erneuerung: Sie ist in der natürlichen Sukzession – also der natürlichen Wiederbewaldung nach Schadensereignissen wie Waldbrand, Sturm oder Kahlfraß durch Insekten – häufig der wichtigste Erstbesiedler. Die intensive Besiedlungsdynamik der Zitterpappel ist das Ergebnis ihrer frühen und hohen Samenproduktion, die ab einem Alter von etwa 8 Jahren erfolgt, sowie einer effektiven Fernverbreitung der extrem kleinen und leichten Samen durch den Wind. Durch die rasche Besiedlung von vegetationsfreien oder vegetationsfrei gewordenen Flächen stellt sie zügig wieder ein Waldinnenklima und verlorengegangene Waldfunktionen her. Als schützende und bodenverbessernde Vorwaldbaumart erleichtert sie nachfolgenden Baumarten die erfolgreiche Etablierung auf Störungsflächen. Durch die im Zuge der Klimaveränderungen zunehmende Störungsintensität und -frequenz ist das von besonderer Bedeutung. Deshalb wird die Zitterpappel zunehmend in waldbauliche Überlegungen bei der Entwicklung klimaplastischer Wälder einbezogen.

Theoretisch würden sich alle 4 bis 5 Jahre Samenernten bei ihr lohnen, um Saatgut für die Wiederbewaldung von Störungsflächen zu gewinnen. Allerdings gibt es in Deutschland keine zugelassenen Erntebestände und nur sehr wenige überalterte Samenplantagen, so dass kaum Vermehrungsgut für die Zitterpappel verfügbar ist. In Brandenburg gibt es aktuell 8 Generhaltungsbestände der Zitterpappel mit insgesamt 18,8 Hektar – davon ein Bestand außerhalb des Landeswalds.

Die Zitterpappel hat zudem recht geringe Standortansprüche und ist relativ trockenheitstolerant. Am besten wächst sie jedoch auf frischen bis feuchten, humushaltigen, nährstoff- und basenreichen lockeren Sand-, Lehm- und Lößböden. Typisch sind außerdem ein sehr hohes Lichtbedürfnis, eine besondere Wüchsigkeit in der Jugendphase und das vergleichsweise geringe Durchschnittsalter.

Als Nahrungspflanze und Lebensraum für Insekten sind vor allem die noch strauchförmigen Jungbäume entlang von Wegen und an Waldrändern für eine dauerhafte Sicherung der wichtigen ökologischen Funktionen der Baumart von Bedeutung und sollten daher nicht gerodet werden.

Die Verwendung des Holzes der Zitterpappel erfolgt besonders als leichte Sperrholzplatten, Tischtennisschläger, Zahnstocher, Prothesen und Streichhölzer sowie beim Saunabau und vielen anderen Produkten. Als sogenanntes Thermoholz findet ihr Holz Verwendung in der Herstellung von Dielenböden. Es wird ferner zu Papier verarbeitet und als Biomasse für die Energieproduktion genutzt. Da sich das Holz leicht bearbeiten lässt und über eine glatte, gleichmäßige Oberfläche verfügt, ist es für Anwendungen im Innenbereich beliebt.

Auch medizinische Anwendungen durch die Zitterpappel sind bekannt. Sie enthält Verbindungen von Salicylsäure und soll deshalb schmerzstillend, entzündungshemmend und fiebersenkend wirken. Hierfür verwendet man die Rinde, die Laubblätter und die Triebspitzen.

Weitere Informationen: Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg 

MB Pressestelle

Henning-von-Tresckow-Straße 2-13, Haus S
14467 Potsdam

Telefon: +49 331 866-7019
E-Mail: Pressestelle@mleuv.brandenburg.de
Internet: https://mleuv.brandenburg.de


Malwettbewerb ARTenkenntnis FörTaxCon

Wettbewerb im Rahmen der FörTaxCon3 am 28. & 29.11.2025 online unter dem Motto „Artenkenntnis grenzenlos“

Auszug:

…inspiriert vom Zuspruch und den tollen Beiträgen der vergangenen FörTaxCon2 freuen wir uns sehr, auch dieses Mal wieder zum Malwettbewerb ARTenkenntnis einzuladen! Ob mit Bleistift, Tusche, Kugelschreiber oder digitalem Zeichenstift – wer sich für Naturund Artenvielfalt begeistert, hat vielleicht schon einmal ein Tier, eine Pflanze oder einanderes faszinierendes Lebewesen zu Papier gebracht. Von spontanen Skizzen bis zuaufwendigen Illustrationen oder wissenschaftlichen Zeichnungen: Alles ist willkommen! Der Wettbewerb ist Teil unserer diesjährigen Konferenz FörTaxCon3, die unter dem Leitmotiv Artenkenntnis grenzenlos steht. Gemeinsam mit einer Fachjury aus Kunstund Wissenschaft wählen wir zehn besonders ausdrucksstarke Werke aus, die sowohlim Museum Koenig Bonn (Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels) als auch online während der Konferenz ausgestellt werden. Das Publikum kürt während der Konferenz die Preisträgerin oder den Preisträger.

Weitere Information und Anmeldung unter: www.foertax.de


Artenvielfalt in Deutschland nur lokal stabil

aus den VBIO-Newsletter 36 / 2025

Eine umfassende Analyse von Proben der letzten 40 Jahre ergab, dass die Biodiversität auf lokaler Ebene stabil geblieben ist. Alles in Ordnung also? Leider nein. „Es sind viele Arten aus ihren Ökosystemen verdrängt worden oder regional ausgestorben. Doch sie wurden von neuen, eingewanderten ersetzt, die besser an die Umweltbedingungen angepasst sind“, erläutert Prof. Dr. Henrik Krehenwinkel aus den Umweltbiowissenschaften (der Universität Trier)…

Zunächst erscheint es erstaunlich, dass diese Erkenntnisse bisher unentdeckt blieben. Die Ursache liegt darin, dass oft nur prominentere Arten wie Pflanzen und Wirbeltiere untersucht werden. Die Trierer Forschenden weiteten das Spektrum aber auf deutlich kleinere Ebenen wie Pilze, Plankton, Algen oder Gliederfüßer aus, von denen sie zehntausende Arten untersucht haben. Diese spielen in der Nahrungskette eine unverzichtbare Rolle.

Möglich machte das eine innovative Verwendung der Umweltprobenbank des Bundes, die vom Umweltbundesamt koordiniert wird. Die Probenbank wurde 1985 zur Erfassung des Zustandes und der Schadstoffbelastung der Umwelt und des Menschen in ganz Deutschland konzipiert. Für die Sammlung der Biotaproben aus Schlüsselregionen in ganz Deutschland ist seit Beginn eine Trierer Projektgruppe zuständig. Dementsprechend viel Erfahrung ist am Standort im Umgang mit den Daten vorhanden….
Es entstand eine einzigartige, lückenlose Datenserie, mit der die Forschenden 40 Jahre in die Vergangenheit blicken konnten. So kann die Entwicklung der Biodiversität, beispielsweise auch konkret des Insektensterbens in Deutschland, erstmals überhaupt richtig verstanden werden.

Zukünftige Forschung sollte sich nun vor allem auf die Rolle der gefundenen Arten in ihren jeweiligen Ökosystemen und Nahrungsketten konzentrieren, so Krehenwinkel. Außerdem könnten die Umweltproben als Frühwarnsystem fungieren, um etwa den Rückgang lokaler oder das Aufkommen problematischer invasiver Arten festzustellen.

Der vollständige VBIO-Text kann hier aufgerufen werden: www.vbio.de/aktuelles/details/..artenvielfalt-in-deutschland-nur-lokal
Weitere Infos zu VBIO unter: www.vbio.de


Originalpublikation:

Junk, I., Hans, J., Perez-Lamarque, B. et al. Archived natural DNA samplers reveal four decades of biodiversity change across the tree of life. Nat Ecol Evol (2025). doi.org/10.1038/s41559-025-02812-6


Bundesumweltministerium und Bundesamt für Naturschutz laden zur aktiven Mitgestaltung des Nationalen Wiederherstellungsplans ein

Ab sofort können sich Bürgerinnen und Bürger, Verbände sowie weitere Interessierte aktiv im Rahmen der Durchführung der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur beteiligen.

Das Bundesumweltministerium (BMUKN) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) haben dafür eine Online-Plattform eingerichtet. Dort werden bis 3. Oktober 2025 Hinweise und Anregungen gesammelt. Die EU-Verordnung zielt darauf ab, Natur und Lebensräume besser zu schützen und wiederherzustellen – als unverzichtbare Grundlage für unsere Lebensqualität und Wirtschaft.

Gesunde Wälder, saubere Flüsse, intakte Böden, nasse Moore und städtische Grünflächen sind eine unverzichtbare Grundlage für Gesundheit, Wohlstand und Lebensqualität. Sie sorgen für saubere Luft und ausreichend Wasser, speichern Kohlendioxid, schützen vor den Folgen des Klimawandels und sind essenziell für die Produktion von Lebensmitteln. Gleichzeitig fördern sie nachhaltig die Artenvielfalt und bieten Räume für Erholung und Freizeit. Wo Ökosysteme geschädigt sind, gilt es, sie wiederherzustellen und in einen guten Zustand zu versetzen. Das ist das Ziel der EU-Wiederherstellungsverordnung.

Bis zum 1. September 2026 müssen alle EU-Mitgliedstaaten gemäß EU-Verordnung einen Nationalen Wiederherstellungsplan erstellen. Dieser soll gezielte Maßnahmen bündeln, die Wälder, Flüsse und Auen, Böden, Moore, Küsten und städtischen Grünflächen schützen und stärken sollen.

In Deutschland erarbeitet die Bundesregierung den Nationalen Wiederherstellungsplan in enger Abstimmung mit den Ländern. Ziel ist es, wirksame und umsetzbare Maßnahmen zu entwickeln, die von der Gesellschaft mitgetragen werden.

Das Bundesumweltministerium (BMUKN) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) laden die Öffentlichkeit und Stakeholder ein, diesen Prozess aktiv mitzugestalten. Zu diesem Zweck wurde eine eigene Beteiligungsplattform eingerichtet.

Auf der Online-Plattform stehen verschiedene Beteiligungsformate zur Verfügung:

  • Umfrage: Für alle, die ihre Wahrnehmungen, Erwartungen und Informationsbedarfe mitteilen möchten.
  • Fachspezifische Beteiligung: Für Stakeholder, die gezielt ihre Einschätzungen und Vorschläge zu einzelnen Themen wie Wäldern, Meeren, Flüssen und Auen, Landwirtschaft oder Natur in der Stadt mitteilen wollen.
  • Ideen-Pinnwand: Für positive Beispiele, Forschungsergebnisse oder Praxisvorschläge zur Wiederherstellung der Natur.


Die EU-Kommission will den Naturschutz schwächen– gemeinsam können wir das verhindern

Aufruf des WWF (www.mitmachen.wwf.de/HandsOffNature)  und anderer Verbände mit Unterschriftenliste:

Die Befragung endet schon am 10. September !

Unter dem Vorwand der „Entbürokratisierung“ sollen Regeln fallen, die seit Jahrzehnten Wälder, Moore, Flüsse, Küsten, Vögel und die ganze Tier- und Pflanzenwelt schützen. Doch noch ist nichts entschieden. Jetzt zählt jede Stimme. Machen Sie mit! (Mehr erfahren)

146.024 haben unterzeichnet. Erreichen wir 150.000.

Bei der EU-Kommission braut sich etwas zusammen: Unter dem Vorwand von „Entbürokratisierung“ versucht sie zentrale Naturschutzgesetze auszuhebeln und zu schwächen. Gesetze, die auch Deutschlands Wälder, Moore, Flüsse, Küsten und die Tier- und Pflanzenwelt schützen.

Die EU-Kommission hat zu diesem bedenklichen Plan eine öffentliche Befragung gestartet, mitten in den Sommerferien. Wohl in der Hoffnung, dass möglichst wenige Menschen hinschauen und mitreden. Und das ist unsere Chance. Machen Sie mit und sagen Sie der EU-Kommission: Hände weg vom Naturschutz!* Wir haben hier keine Zeit zu verlieren, denn die Befragung endet bereits am 10. September.

In ganz Europa können wir der Zerstörung der Natur zusehen: Wälder stehen in Flammen, Flüsse trocknen aus, Tier- und Pflanzenarten verschwinden. Damit verlieren wir saubere Luft, sauberes Wasser, Schutz vor Hochwasser, Dürren und Hitzewellen. Und nun will die EU-Kommission genau die Gesetze schwächen, die Natur und Menschen schützen?

Noch ist nichts entschieden. Weil die EU-Kommission sich verpflichtet hat, eine öffentliche Befragung durchzuführen, können wir jetzt direkt Einfluss nehmen. Aber wenn bei der Befragung nur die mitmachen, die an der Ausbeutung der Natur verdienen, dann bestimmen ihre Interessen das Bild. Sobald aber tausende Bürger:innen aus ganz Europa gemeinsam klar sagen: „Hände weg vom Naturschutz!“, hat das Gewicht.

Es hat Jahrzehnte gebraucht, um unsere Schutzgesetze zu erkämpfen. Lassen wir nicht zu, dass sie still und leise abgeschafft werden. Nutzen Sie Ihre Stimme und helfen Sie mit, unsere Natur zu verteidigen – gemeinsam können wir die Zukunft schützen!

JETZT MITMACHEN

*Bitte beachten Sie, dass die EU-Kommission Ihre Nachricht auf ihrer Webseite veröffentlichen kann.

Dies ist eine gemeinsame Aktion der EU-weiten HandsOffNature-Allianz, der neben den europäischen WWF-Büros unter anderem der Deutsche Naturschutzbund, die Deutsche Umwelthilfe und der Deutsche Naturschutzring angehören. Die angezeigte Anzahl der Teilnehmenden entspricht der Gesamtzahl aller Teilnehmenden.


Rote Liste Säugetiere und Heuschrecken Niedersachsens erschienen

Ausgestorben, gefährdet oder wieder zurück: Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat die Roten Listen für heimische Säugetiere sowie für Heuschrecken neu aufgelegt und damit die Gefährdungssituation für diese Tierarten in Niedersachsen und Bremen aktuell bewertet. „Die erstmalige Gesamtbewertung seit 30 Jahren zeigt uns dringenden Handlungsbedarf für den Schutz von Säugetieren und Insekten auf“, so Niedersachsens Umwelt- und Artenschutzminister Christian Meyer. „Rote Listen als Verzeichnisse der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten sind daher ein wichtiges Instrument des Arten- und Naturschutzes. Nur, wenn wir genug wissen zur aktuellen Gefährdungssituation, können wir unsere heimischen Arten und deren Lebensräume zuverlässig schützen. Die dringende Notwendigkeit einer Fortschreibung der Roten Listen kann dank des „Niedersächsischen Wegs“ durch den NLWKN konsequent umgesetzt werden – und liefert nun erste Resultate und wichtige Grundlagen für weiteres Handeln.“

Einiges hat sich seit Erscheinen der letzten Roten Listen vor 30 Jahren verändert: Die früher als ausgestorben geltenden Arten Luchs, Wolf, Biber und Kegelrobbe zum Beispiel haben Niedersachsen wieder besiedelt, auch der Fischotter ist mittlerweile ungefährdet. Neben einigen Gewinnern gibt es jedoch auch Verlierer, etwa den Feldhamster und Gartenschläfer sowie einige Fledermausarten, die in ihrer Häufigkeit und Verbreitung stark zurückgegangen oder bereits vollständig ausgestorben sind. „Das liegt vor allem daran, dass die Qualität ihrer natürlichen Lebensräume immer weiter sinkt oder diese Lebensräume ganz verschwinden“, so Meyer.

Ein Team aus 34 Fachleuten unter Leitung von Sophie Kirberg, Mitarbeiterin des Aufgabenbereichs „Landesweiter Artenschutz“ im NLWKN, hat 74 heimische Arten nach bundesweit einheitlichen Kriterien bewertet. Mehr als ein Drittel (35 Prozent) der bewerteten Säugetierarten gelten als bestandsgefährdet oder sind bereits ausgestorben. Weitere zehn Prozent stehen auf der Vorwarnliste. Neu auf der Vorwarnliste taucht etwa auch der Igel auf, eine ehemals sehr häufige Art, der neben dem Straßenverkehr auch verstärkt Rasenmährobotern zum Opfer fällt. „Die aktuellen Zahlen zeigen unmissverständlich, dass beim Schutz unserer heimischen Säugetiere dringender Handlungsbedarf besteht“, so NLWKN-Mitarbeiterin Kirberg. „Ohne gezielte Schutzmaßnahmen und verlässliche Daten drohen wir das Artensterben nur zu dokumentieren – anstatt es zu verhindern.“

Besonders kritisch zeigt sich die Situation bei den Fledermäusen und Kleinsäugern, von denen unter anderem die Fledermausart Graues Langohr sowie die Kleinsäugerarten Feldhamster und Gartenschläfer als vom Aussterben bedroht gelten. Intensive Landnutzung verbunden mit einem starken Strukturverlust in der Landschaft und der großflächige Einsatz von Pestiziden haben durch den Verlust von Lebensraum und Nahrung zu einem starken Rückgang der Arten geführt.

Weitere Gefährdungsursachen ergeben sich für die heimischen Säugetiere durch die fortschreitende Urbanisierung, die hohe Dichte an Verkehrswegen und die Auswirkungen des Klimawandels. Ein Anstieg des Meeresspiegels kann zum Verlust von Sandbänken führen, die für Kegelrobben und Seehunde als Ruheplätze und Aufzuchtstätten von zentraler Bedeutung sind. Zunehmende Extremwetterereignisse wie langanhaltende Dürreperioden wiederum lassen Feuchtbiotope austrocknen und entziehen semi-aquatischen Arten wie der Wasserspitzmaus und dem Europäischen Nerz ihren Lebensraum und Nahrungsgrundlagen.

Trotz dieser negativen Trends gibt es auch positive Entwicklungen aus Sicht des Arten- und Naturschutzes: Die Rückkehr ehemals ausgestorbener Arten wie die Atlantische Kegelrobbe, der Europäische Biber und der Wolf, die fortschreitende Wiederbesiedlung durch den Fischotter sowie die erfolgreiche Wiederansiedlung des Luchses sind Beispiele für gelungene Schutzmaßnahmen in Niedersachsen und Bremen. Der Wolf, der bei der letzten Aktualisierung noch „ausgestorben“ war, befindet sich in einem guten Erhaltungszustand und wird nun als „ungefährdet“ eingestuft. Auf Basis eines umfangreichen Datenbestandes von mehr als 130.000 Heuschreckendaten wurde auch die Bestandsentwicklung und Gefährdungssituation der 53 heimischen Heuschreckenarten durch ein Autorenteam von acht Artexperten unter der Federführung der Arbeitsgruppe Biodiversität und Landschaftsökologie von Prof. Dr. Thomas Fartmann der Universität Osnabrück neu bewertet. In der aktuellen Fassung sind 14 der 53 und somit etwa ein Viertel der in Niedersachsen und Bremen regelmäßig vorkommenden Arten bestandsgefährdet. Hiervon ist mit der Heideschrecke eine Art vom Aussterben bedroht. Wie bereits in der vorherigen Fassung sind vier weitere Arten als ausgestorben eingestuft. Zudem gilt eine Art als extrem selten, eine weitere steht auf der Vorwarnliste. „Zu den Verlierern der letzten zwei Jahrzehnte zählen vor allem Arten, die kühl-feuchte Standortbedingungen bevorzugen wie etwa die Kurzflügelige Beißschrecke, der Bunte Grashüpfer und der Sumpfgrashüpfer. Der Klimawandel verstärkt hier durch sommerliche Dürreperioden den Druck auf die noch vorhandenen Lebensräume dieser Arten“, sagt Felix Helbing, Heuschreckenspezialist an der Universität Osnabrück und Erstautor der Roten Liste Heuschrecken.

Neben den Sommerdürren wurden noch weitere Gefährdungsursachen identifiziert. Hierzu zählen unter anderem die Überbauung, Beseitigung oder Umnutzung von Flächen, die Ertragsoptimierung in der Landwirtschaft, die Grundwasserabsenkung, der Eintrag von Stickstoff aus der Luft sowie ungeeignete Maßnahmen zur Lebensraumpflege. Im Zuge der veränderten Landnutzung sind unter anderem Arten extensiv genutzter, magerer Offenlandlebensräume wie Sandheiden, Magerrasen und magerem Grünland zunehmend in ihren Populationen gefährdet und isoliert, zum Beispiel der Warzenbeißer.

Positive Entwicklungen zeigen dagegen zahlreiche wärmeliebende Arten, deren Bestände in den vergangenen zwei Jahrzehnten vor allem klimabedingt wachsen und sich ausbreiten konnten. Hierzu zählen unter anderem die Große Goldschrecke, die Langflügelige Schwertschrecke und die Südliche Eichenschrecke. Auch einige spezialisierte Arten konnten sich zuletzt ausbreiten, zum Beispiel die Blauflügelige Sandschrecke und die Blauflügelige Ödlandschrecke. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob dieser positive Trend in den kommenden Jahren anhält. Dies soll im Rahmen der nächsten Fassung der Roten Liste kritisch überprüft werden.

Für die langfristige Erhaltung unserer heimischen Tierwelt ist die dauerhafte Förderung strukturreicher Lebensräume mit vielfältigen Standortbedingungen entscheidend. Artenreiche Offenlandlebensräume wie Sandheiden, Magerrasen und Feuchtgrünland müssen durch geeignete Pflegekonzepte – etwa extensive Beweidungssysteme oder jährlich rotierende Insektenschutzstreifen auf Wiesen – erhalten werden. „Insbesondere in den stark vom Menschen geprägten Landschaften Niedersachsens und Bremens sind geeignete Artenschutzmaßnahmen von hoher Bedeutung. Maßnahmen, die den Biotopverbund zwischen bestehenden Lebensräumen fördern, wie die Anlage, Erhaltung und Pflege von Wegrändern, Einzelbäumen, Hecken und Waldsäumen sowie Querungsmöglichkeiten wie Unter- oder Überführungen von Verkehrswegen können dabei einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leisten“, betont Dr. Jakob Fahr, Leiter des Aufgabenbereichs „Landesweiter Artenschutz“ im NLWKN.

 

Der Feldhamster gilt als „vom Aussterben bedroht“. Jahrzehntelange Verfolgung
und intensive landwirtschaftliche Nutzung haben seine Bestände um
 90% reduziert. Heute überlebt er in wenigen Restvorkommen
d. Braunschweiger, Hildesheimer u. Calenberger; Quelle nlwkn.niedersachsen
Der Feldhamster gilt als „vom Aussterben bedroht“. Jahrzehntelange Verfolgung und intensive landwirtschaftliche Nutzung haben seine Bestände um 90% reduziert. Heute überlebt er in wenigen Restvorkommen d. Braunschweiger, Hildesheimer u. Calenberger; Quelle nlwkn.niedersachsen

Die Roten Listen Niedersachsen und Bremen sind unter folgendem Link verfügbar: www.nlwkn.niedersachsen.de/43858.html

Herausgeber: Nds. Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz.

Presseinformation im Portal des Landes Niedersachsen: www.umwelt.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/pressemitteilungen/rote-liste-saugetiere-und-heuschrecken