Keine Priorität von Infrastruktur vor Naturschutzbelangen

Naturschutzforum lehnt den Entwurf eines Infrastruktur-Zukunftsgesetzes ab

Die von bundespolitischer Seite geplante Gesetzesänderung zur Verfahrensbeschleunigung kritisiert das Naturschutzforum Deutschland (NaFor) als zu einseitig und in wesentlichen Aspekten fachlich unzutreffend. Mit dem Gesetzesentwurf soll das Klagerecht der Naturschutzverbände als vermeintliche Hauptursache von Verzögerungen eingeschränkt werden. Die Bundesregierung möchte damit die Umsetzung von Bauprojekten und Infrastrukturmaßnahmen beschleunigen.

Dem stehen nach Auffassung des Naturschutzforums Deutschland international verbindliche Konventionen und Artenschutzabkommen entgegen. Deutschland hat die damit eingegangenen Verpflichtungen zum Beispiel im Sinne der Bestandssicherung bedrohter Pflanzen und Tiere sowie der Sicherung von Zugwegen für wandernde Tierarten zu respektieren. Eine Verschlechterung der ökologischen Situation in Natur und Landschaft ist nicht hinnehmbar, so das Naturschutzforum.

Die Ursachen für bauliche Verzögerungen sind zu einem überwiegenden Anteil zu suchen in den unzulänglichen personellen, materiellen und fachlichen Erfordernissen von Genehmigungsbehörden, komplizierten bau- und ingenieurtechnischen Vorgaben und – oft berechtigten – Einwänden von Anliegern. Bei dem von Befürwortern des Gesetzes zitierten langjährigen Bahnprojekt in Calw handelt es sich laut Naturschutzforum Deutschland um einen Einzelfall, der nicht allein dem Naturschutz angelastet werden kann.

Wenn Infrastrukturvorhaben nun den Status des „überragenden öffentlichen Interesses“ erhalten, werden die Ergebnisse von Abwägungen automatisch zu Lasten der Belange des Umwelt- und Naturschutzes vorgegeben. Angesichts der Bedeutung des Erhalts von intakten Landschaften als existenzielle Lebensgrundlagen des Menschen und seiner belebten Umwelt hält das Naturschutzforum dies für nicht tragbar.

Das Naturschutzforum Deutschland warnt deshalb davor, zugunsten einer wirtschaftlichen Mobilisierung die Lebensqualität zukünftiger Generationen in einer intakten natürlichen Umwelt als nachrangig einzustufen.

Weitere Informationen unter: Deutscher Bundestag – Infrastruktur: Umweltrecht-Experten warnen vor Systemwechsel


VBIO Online-Webinarreihe: „Die Hummeln Europas – Vielfalt, Ökologie und Gefährdung“

Die Online-Webinarreihe „Faszination Biologie“ des VBIO wird fortgeführt am 24.03.2026 von 17.00 bis 19.00 Uhr

 

 

 

Hummeln (Bombus) bauen im Sommer kleine Völker auf und verfügen über besondere Fähigkeiten zur Thermoregulation. Wild- und Nutzpflanzen können so selbst bei kühlem Wetter effektiv bestäubt werden und auf diese Weise konnten sich Hummeln sogar kalte Hochgebirgslagen und arktische Regionen erschließen.

Hummeln sind auf durchgängigen Blütenreichtum angewiesen. Aber die fortschreitende Vernichtung blütenreicher Lebensräume und der Klimawandel gefährden viele Hummelarten extrem.

Der reich bebilderte Vortrag zeigt Hotspots der Hummelvielfalt in Europa – von Korsika bis Lappland. Faszinierende Anpassungen der Hummeln an Blütenpflanzen und ihre Lebenszyklen werden veranschaulicht und die Ursachen für die teils dramatischen Rückgänge sowie wertvolle Refugien werden beschrieben.

Der vollständige VBIO-Text kann hier aufgerufen werden: www.vbio.de/aktuelles/..vbio-online-faszination-biologie ..webinarreihe-die-hummeln-europas-vielfalt-oekologie-und-gefaehrdung

Mitglieder des VBIO sowie Schüler/-innen und Student/-innen nehmen kostenfrei teil. Für Noch-Nichtmitglieder wird ein Teilnahmebeitrag von 5 € erhoben.

 


Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg lobt den Brandenburger Naturschutzpreis 2026 aus

Bis zum 30. April 2026 können Vorschläge eingereicht werden

Potsdam. Mit dem Naturschutzpreis ehrt die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg jedes Jahr richtungsweisende Leistungen im Bereich des aktiven, praktischen Naturschutzes, der nachhaltigen Landnutzung oder eine vorbildliche Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung. Darüber hinaus prämiert sie auch wissenschaftliche, planerische oder wirtschaftliche Leistungen.

Brandenburgs Umweltministerin Hanka Mittelstädt: „Die Verleihung des Brandenburger Naturschutzpreises gehört zu unseren schönsten Aufgaben. Hier lernen wir so beeindruckende Projekte kennen, dass ich schon jetzt sehr gespannt bin auf die diesjährigen Einsendungen. Ich freue mich, dass dieser Wettbewerb das vielfältige und so wichtige Engagement in unserem Land sichtbar macht und ermutige jeden, eine Bewerbung oder einen Vorschlag einzureichen.“

Für den Brandenburger Naturschutzpreis können einzelne Personen, Verbände, Vereine, oder Unternehmen sowie Schulklassen, Kindergruppen oder Arbeitsgemeinschaften vorgeschlagen werden beziehungsweise sich selbst bewerben. Der Preis richtet sich auch an Menschen, die nicht in Brandenburg leben, sich jedoch in besonderem Maße um den Schutz von Natur und Landschaft zwischen Elbe und Oder verdient gemacht haben.

2025 wurde die vom STATTwerke e.V. getragene „Waldgärtnerei und Waldgartensysteme Kyritz“ mit dem Brandenburger Naturschutzpreis ausgezeichnet. Das Projekt zeigt, wie Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand gehen und zukunftsfähig gestaltet werden können. In seiner Komplexität und zudem als Betrieb wirtschaftlich tragfähig ist die Waldgärtnerei im Landkreis Ostprignitz-Ruppin deutschlandweit einzigartig und besitzt Modellcharakter.

Den Nachwuchspreis erhielt (fast) ein gesamtes Dorf im Landkreis Dahme-Spreewald: Nahezu jede Familie in Landwehr, einem Gemeindeteil von Golßen, ist im Verein Landwehr – Am Bergl e.V. vertreten und engagiert sich, damit es vor ihrer Haustür bunter und artenreicher wird. Die Jury beeindruckte besonders, dass hier alle generationenübergreifend Verantwortung für ihren Ort übernehmen.

Zudem verlieh die Stiftung anlässlich ihres 30-jährigen Jubiläums im vergangenen Jahr erstmals einen Ehren-Naturschutzpreis: Ralf Schwarz setzt sich seit über 40 Jahren unermüdlich für den Erhalt der Natur ein. Dabei versteht er es immer wieder, unterschiedliche Interessengruppen zu berücksichtigen und nimmt eine wichtige Mittlerrolle ein.

Bewerbungsformular, Auswahlkriterien und weitere Informationen unter: Naturschutzpreis – Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg

Die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg
Um die Vielfalt und die natürliche Schönheit der märkischen Landschaften zwischen Elbe und Oder, Lausitz und Uckermark auch für die kommenden Generationen zu bewahren, hat das Land Brandenburg die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg errichtet. Seit 1995 betreut die Stiftung die Ersatzzahlung im Land Brandenburg. 1.300 Naturschutzprojekte hat die Stiftung in diesen Jahren gemeinsam mit Landkreisen und Kommunen, Verbänden und Vereinen sowie weiteren Partnern wie zum Beispiel Landwirtschaftsbetriebe, Kirchengemeinden oder Privatpersonen möglich gemacht oder in eigener Trägerschaft verwirklicht.

Weitere Informationen:
Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft,
Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg

Henning-von-Tresckow-Straße 2-13, Haus S
14467 Potsdam
Internet: www.mleuv.brandenburg.de


Lebensräume heimischer Arten und deren Dokumentation standen im Vordergrund

Martin Görner, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen e.V. (AAT), verstorben


Jena-Ranis. Mit seiner „Schaffenskraft für den Naturschutz im Allgemeinen, die Zoologie im Besonderen und die Ornithologie im Speziellen“ (Prof. Helmut Witticke, schon 2003) wirkte Martin Görner weit über Thüringen hinaus. Denn als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen e.V. vertrat er den ehrenamtlichen Naturschutz auch im Bundesdachverband Naturschutzforum Deutschland e.V. (NaFor).

Das Engagement des nun im Dezember 2025 Verstorbenen würdigend, dankt das NaFor-Präsidium auch seiner Familie und dem zugehörigen Team des vom AAT errichteten Artenschutzzentrums. Besonders hervorzuheben sind darüber hinaus die Unterstützung und Finanzierung der jährlich auf Initiative von Martin Görner federführend veranstalteten internationalen Naturschutztagungen „Zoologischer und botanischer Artenschutz in Mitteleuropa“.

Nun gelte es, so das Naturschutzforum Deutschland, diese gute Kooperation im Sinne der gemeinsamen Sache und im Andenken an Martin Görner fortzusetzen.

Naturschutzforum Deutschland e.V. (NaFor)

Für das Präsidium

Prof. Dr. Remmer Akkermann

Weitere Informationen:
Wittecke, H. (2003): Martin Görner zum 60. Geburtstag.- Anz. Ver. Thüring. Ornithol. 54, 109-113, www.zobodat.at/biografien/Goerner_Martin_60_Anz-Ver-Thueringer-Ornith_5_0109-0113.pdf

Arbeitsgruppe-Artenschutz Thüringen e.V. (AAT): www.ag-artenschutz.de/


Das Aktionsbündnis gegen die Weservertiefung lädt ein zum Vortrag „Die Weser – Lebensraum und Wasserstraße“ mit Gert Rosenbohm am Mittwoch 21.1.2026 um 19 Uhr

20260121 Vortrag Weser

Wir befinden uns mitten in der Sturmflutsaison. Letzten Samstag ist in Brake ein Stück Uferbefestigung an der Weser abgebrochen. Die Wesermarsch ist laut neuem Klimarisikoindex des Instituts der deutschen Wirtschaft hinter der Stadt Wilhelmshaven der am meisten vom Klimawandel bedrohte Landkreis in Deutschland. Vor diesem Hintergrund gewinnt der Vortrag „Die Weser – Lebensraum und Wasserstraße“ unbequeme Aktualität. Zu diesem lädt das Aktionsbündnis gegen die Weservertiefung am Mittwoch 21. Januar um 19 Uhr zum Segelclub Nordenham ein.

Die Weser trägt wesentlich zu unserer regionalen Lebensqualität bei. Auf der anderen Seite fordern wir ihre Qualitäten durch immer neue Vertiefungen heraus. Gert Rosenbohm ist seit etlichen Jahrzehnten ein ausgemachter Kenner der Weser. Er ist aktiver Freizeitfischer im SFV Brake und Mitglied im Braker Segelverein und setzt sich beim BUND Wesermarsch und dem Aktionsbündnis gegen die Weservertiefung ein. Er wird berichten, was der Fluss in der Vergangenheit hat hinnehmen müssen: Naturereignisse veränderten Fluss und Landschaft. Das frühe Einwirken der Menschen auf den Fluss führte zu besonders umfangreichen und bis heute nicht endenden negativen Auswirkungen: Erosion, Versandung, Vertiefung, Strömung, Tidenhub, Versalzung, Verschlickung, Verschmutzung. Diese stehen unmittelbar in Zusammenhang mit der Ökologie des Flusses, dem Artenschwund, der Lebensqualität der Bevölkerung und besonders deren zunehmender Gefährdung durch Sturmfluten. Eine weitere Vertiefung der Weser würde alle genannten Probleme vergrößern. Die dadurch kalkulierten Zugewinne der Wirtschaft sind spekulativ. Eine Vertiefung würde auch gegen die gesetzlichen EU-Vorgaben für das Gewässer Weser verstoßen.

Gert Rosenbohm betrachtet alle diese Punkte im Detail und erläutert die Wirkungszusammenhänge. Er bezieht sich auf aktuelle, öffentlich zugängliche, wissenschaftliche Erkenntnisse und seine eigenen Beobachtungen seit 1960. Das Aktionsbündnis gegen die Weservertiefung heißt dazu alle Interessierten und insbesondere alle Aktiven im Wassersport herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei. Der Segelclub bietet Getränke zum Erwerb an.

Hintergrundinformation: Klimarisikoindex des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und der ERGO Versicherung

www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/johannes-ewald-hanno-kempermann-welche-regionen-besonders-vom-klimawandel-bedroht-sind

 

 


Positionen des Naturschutzforum Deutschland e.V. – Jahresvertreterversammlung 2025

1. Paludikulturen ersetzen keinen Artenschutz in Mooren

Naturschutzforum fordert die Erhaltung alter Torfstiche zugunsten auch trockenheitsabhängiger Arten wie Reptilien und Schmetterlinge

Wardenburg / Diepholz / Emsland. Das Naturschutzforum Deutschland (Nafor) sieht keinen Vorteil in der derzeit politisch vorangetriebenen übermäßigen Vernässung von Moorstandorten. Besonders gefährdet sind vor allem Refugialräume von Wirbeltieren, die sich als Kulturflüchter in anmoorige Standorte zurückgezogen haben. Viele der heute in den ehemaligen deutschen Hochmooren lebenden Arten sind mooruntypisch, so NaFor. Das betrifft Singvogelarten wie Fitislaubsänger und Neuntöter ebenso wie Brachvögel, Bekassine und andere Schnepfen. Besonders hart würden Veränderungen durch ansteigende Wasserstände die trockenheitsliebenden Arten treffen. Beispiele sind Schlingnattern und Eidechsen, aber auch Schmetterlinge wie den Heidekrautbürstenbinder, deren Weibchen ähnlich wie bei Glühwürmchen nicht fliegen können. Hier muss äußerst sensibel vorgegangen werden. Wird einmal zu hoch angestaut, ertrinken die auf trockene oder mäßig feuchte Standorte angewiesenen Arten.

Die Umwandlung von artengeschützen Moor- und Nachbarstandorten hin zu dauernassen Arealen ist daher nach Auffassung des NaFor mit dem Bundesnaturschutzgesetz und dem Tierschutzgesetz kaum vereinbar. Deshalb ist auch die großflächige Umsetzung der Paludikultur aus Artenschutzgründen sehr kritisch zu sehen und eine Höherbewertung von Klimaschutzaspekten keinesfalls gerechtfertigt. Zudem ist fraglich, ob der Torfmoosanbau tatsächlich eine funktionierende torferhaltende Bewirtschaftungsform sein kann. Erfahrung auf Versuchsflächen im Landkreis Oldenburg zeigen, dass oft eher Binsen die Oberhand auf diesen Flächen gewinnen. Angesichts der heimischen Not an Platz und geeigneten Flächen appelliert das Naturschutzforum an alle Behörden, die eine Umwidmung von jahrzehntealten Ruhezonen zu Paludiflächen planen, diese Vorhaben angesichts der erheblichen Störungen und Schäden nicht in die Tat umzusetzen. Ebenso kritisch sieht das Nafor ein ingenieurtechnisches Aufrechnen und Vergleichen von Klimaleistungen von Mooren und Waldgebieten. Nafor favorisiert die Förderung von Naturwäldern und Nutzgehölzen mit standort- und klimageeigneten Pflanzen, die Lebensgemeinschaften im überregionalen Verbund bilden und sich bestmöglich in Abstimmung mit den vorhandenen Wirtschaftsformen in ein abwechslungsreiches Mosaik mit möglichst gemischten Nutzungen zu entwickeln.

Die Details zum Bestandsschutz von Lebensgemeinschaften und speziellem Arteninventar sind der untenstehenden weiterführenden Literatur aus dem Diepholzer Moor und emsländischen Mooren zu entnehmen.

Haverkamp, Michael (2022): Ein Glücksfall – Artenreiches Moor. Kartierung der vorhandenen Flora und Fauna in den Naturschutzgebieten des Naturpark Moor.- Emsland Moormuseum e.V., Geestmoor 6, 49744 Geeste / Groß-Hesepe, 132 S., ISBN 978-3-89946-320-0; www.dnb.d-nb.de

Akkermann, Remmer (1982): Regeneration von Hochmooren – Zielsetzungen, Möglichkeiten, Erfahrungen.- Tagungsband. Informationen zu Naturschutz und Landschaftspflege. 3, 335 S., BSH Wardenburg

 


2. Naturschutzforum Deutschland kritisiert die Verpressung von Kohlendioxid in den Untergrund

Wardenburg. Kohlendioxid (CO2) benötigen chlorophyll-aktive Pflanzen zur Produktion von Zucker, begleitet von der Bildung von Sauerstoff. Atmende Lebewesen wiederum benötigen Sauerstoff und geben CO2 wieder ab. Dieses natürliche Gleichgewicht wird durch die anhaltende Verbrennung fossiler Brennstoffe im industriellen Maßstab gestört. Extreme Überschüsse von CO2 wurden und werden in der Atmosphäre angereichert und sind verantwortlich für den Klimawandel. Vor allem Industrie, Kohle- und Gaskraftwerke und die Verbrennertechnik in Fahrzeugen aller Art emittieren CO2. Es bedarf dringend der Gegensteuerung zur Reduzierung. Das kann über energiesparende Techniken erfolgen, durch den Verzicht auf Fern- und Kurzstreckenflüge, die Reduzierung des Fleischverzehrs und anderes mehr. Die notwendige Dekarbonisierung erfolgt nur langsam, die Bilanzen sind nach wie vor negativ.

Eine verstärkt favorisierte Möglichkeit, den CO2-Anteil zu reduzieren, ist die CCS-Technologie, d.h. die Verpressung und Lagerung von CO2 in tief gelegene Lückensysteme des Meeresbodens. Das Naturschutzforum Deutschland (nafor.de) lehnt CCS ab, da es sich um eine unerprobte Risikotechnologie handelt, die nicht dazu beiträgt, die Klimaveränderungen zu dämpfen. Im Gegenteil, so das NaFor, die kosten- und energieintensive CCS-Technologie würde dazu verleiten, weiterzumachen wie bisher und die dringend notwendige Dekarbonisierung zu verzögern. In der Folge würden Gletscher noch schneller schmelzen, sich der Meeresspiegel immer mehr erhöht und zusätzlich mit dieser Technologie unkalkulierbare Risiken in Kauf genommen werden.

Verbände wie die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste warnen nachdrücklich vor dieser Entwicklung. Gemeinsam wird darauf gedrungen, endlich schneller auf die energiesparenden Techniken beim Wohnen und Versorgen zu setzen, ungleich schneller damit voranzukommen und die bekannten Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz gemeinsam mit der Bevölkerung umzusetzen.

Bezug genommen wird auf Pressemeldungen der

Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste e.V. (SDN), z.B. vom 07. 07. 2025: Industriegebiet Nordsee – Gewerbepark oder Naturraum? Weiteres siehe www.sdn-web.de

 


3. Naturschutzforum fordert beschleunigte Bearbeitung der Durchfahrtsrechte für den Öltanker Eventin

Rügen / MV. Der vor der Ostseeinsel Rügen festgesetzte Öltanker Eventin dümpelt seit Monaten den stürmischen Zeiten an der Ostsee entgegen. Vollbeladen wartet das der russischen Schattenflotte zugeordnete Schiff auf die Genehmigung der Weiterfahrt. Das Naturschutzforum Deutschland (Nafor) hält es angesichts der hohen Risiken aus ökologischen Gründen für unvertretbar, das Schiff dort zu belassen, anstatt es unverzüglich in einen Hafen zu verbringen oder sofort weiterfahren zu lassen.

Sollte es zum Austreten von Öl kommen, wäre auch die Tourismuswirtschaft über Jahre schwer geschädigt. Das Naturschutzforum sieht darin eine hochgradige „Gefahr im Verzuge“ und fordert von Seiten der Bundesregierung sofortiges Handeln vor Ort. Die notwendige Klärung der hier gegebenen komplizierten Rechtsverhältnisse sollte von Seiten der EU über eine Ausnahmegenehmigung nach der Beseitigung der Gefahrenlage erfolgen.

Wie man schnell reagieren kann, zeigten 2023 die Niederländer.  Am 26. Juli 2023 havarierte die Autofähre Fremantle Highway mit 3.784 Fahrzeugen an Bord und wurde schnellstmöglich in den Hafen Eemshaven geschleppt und abgewrackt. Was an Natur- und Tourismuswerten auf dem Spiel gestanden hätte, stellte Nafor 2023 mit Fotos aus Schleswig-Holstein dar.

Der Bericht nimm Bezug auf:

Naturschutzforum Deutschland e.V. (20. 08. 2023): Mehr Abstand zum Nationalpark Wattenmeer. Naturschutzforum fordert Begrenzung der Schiffsgrößen und Sonderregelungen. www.nafor.de (Pressemitteilungen).

Greenpeace (11.11.2025): Greenpeace zeigt mit Simulation; Havarie des Öltankers “Eventim” hätte Ostsee-Ökosysteme schwer beschädigt. www.presseportal.greenpeace.de/257422

NDR Tagesschau (11.11.2025): Öltanker Eventin – Warten auf die Katastrophe? www.tagesschau.de

 


Naturschutz und Artenvielfalt sind überlebenswichtig

Naturschutzforum favorisiert Ruhezonen. Vorstand bestätigt.

Einen Rückblick auf die Tätigkeiten und Arbeitsfelder des vergangenen Jahres hielten die Teilnehmer der Jahresvertreterversammlung des NATURSCHUTZFORUMS DEUTSCHLAND e.V. (Nafor). In der Geschäftsstelle des Nafor gingen insgesamt 222 Planungsunterlagen für zahlreiche bundesbedeutsame Bauprojekte ein. Hierzu gehörten Planungen aus den Bereichen Deutsche Bahn, Wasserstraßen und Schifffahrt sowie div. Gesetzesvorhaben aus den Ministerien, die kommentiert wurden, soweit sie naturschutzrelevante Beteiligungen erforderten. Auch Regionale Raumordnungspläne und modellhafte Sanierungsplanungen wurden in der Bundesgeschäftsstelle bearbeitet.

Die Mitgliedsverbände berichteten über ihre aktuellen Aktivitäten und Schwerpunkte, z.B. über Bestandsaufnahmen von Tiergruppen wie Fischen (www.ichthyologie.de), Amphibien und Reptilien (www.dght.de). Betont wurde in der Diskussion die Bedeutung von Mooren und Wäldern. Angesichts der klimatischen Veränderungen werde deutlich, wie die Gefährdungen und Störungen von Lebensräumen vielerorts zunehmen.

Besonders kritisch wurde die großflächige Umwandlung von anmoorigen Böden und historischen Handtorfstichen zu Paludikulturen gesehen, zumal auch die Resonanz in der Landwirtschaft nicht gegeben sei. Die Teilnehmer betonten den großen ökologischen Wert der Handtorfstiche, in denen sich im Laufe von Jahrzehnten wertvolle Lebensgemeinschaften ansiedeln konnten. Schnepfen und andere Wiesenvögel fänden hier Nahrung. Deren Fortbestand inmitten der wertvollen Moorvegetation sei durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Die Absichtserklärungen, hier künstliche Torfmoosplantagen oder andere Paludikulturen anzulegen, laufe diesem Schutz zuwider und sei auch nicht mit dem Klimaschutzargument zu rechtfertigen. Gerade terrestrische Arten wie Eidechsen, Schlingnattern, aber auch Insekten wie Schmetterlinge, Laufkäfer und Ameisen seien durch derartige Planungen gefährdet.

Des Weiteren wurde auf den Wert von Wäldern hingewiesen, deren vielfältige ökologische Leistung eine intensive Förderung, insbesondere auf öffentlichen Flächen erfordere. Die Umwandlung zu Mischwäldern sei entsprechend zu fördern, weitere Flächen auszuweisen. Ein weiterer Punkt betraf den Schutz der Nordsee und der Küstenregionen. Hier wurde vor allem sofortiger Handlungsbedarf im Zusammenhang mit dem vor der Insel Rügen liegenden Öltanker „Eventim“ gesehen. Winterstürme würden die drohende Gefahr eines Ölunfalls forcieren. Es sei dringend erforderlich, das Schiff der russischen Schattenflotte in einem Hafen zu sichern oder eine Durchfahrtsgenehmigung zu erteilen.

Des Weiteren sprach sich die Versammlung gegen das Verpressen von CO2 in den Untergrund von Meeren aus (CCN), da das die Verbrennung fossiler Rohstoffe nur noch fördere und im Hinblick auf eine Langzeitabdichtung nicht sicher genug sei.

Auf der Tagesordnung der Vertreterversammlung standen in diesem Jahr auch Präsidiumswahlen. Das bestehende ehrenamtlich tätige Präsidium des Naturschutzforums wurde für die Zeit bis 2028 ohne Gegenstimme wiedergewählt. Somit wird Prof. Dr. Helmut Schmidt (Kaiserslautern) den bundesweit tätigen Naturschutzverband weiter anführen.


Fachtagung „Zoologischer und botanischer Artenschutz in Mitteleuropa“ – Veranstaltungen der AAT Jena im Oktober 2025

Einladung / Programm zur 33. Fachtagung „Zoologischer und botanischer Artenschutz in Mitteleuropa“

Zur Fachtagung vom 24. – 25. Oktober 2025 in Jena wird eingeladen.

Tagungsprogramm 2025 Artenschutz PDF
Anmeldeformular Tagung Artenschutz 2025 PDF

Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen e.V.
Thymianweg 25
D-07745 Jena

Tel.: 03641 617454

Webpräsenz: www.ag-artenschutz.de/


Lehrkräftefortbildung „Biodiversität nicht nur im Biologieunterricht“

BY-PI 03/25 Online-Workshop

Der neueste Bericht des „Welt-Biodiversitätsrates“ (IPBES) stellt fest: die biologische Vielfalt nimmt in allen Regionen der Welt ab. Von den geschätzt rund acht Millionen Arten auf dem Planeten ist laut früheren Schätzungen des IPBES rund eine Million vom Aussterben bedroht. Im Geflecht zwischen Artenvielfalt, Klimawandel, Wasserressourcen, Ernährung und menschlicher Gesundheit spielt die Biodiversität eine wesentliche Rolle. Dieser Workshop zielt darauf ab, das Bewusstsein für den Wert der Biodiversität zu schärfen und deren Integration in den Unterricht zu erleichtern. Wir befassen uns eingehend mit den Ursachen und weitreichenden Konsequenzen des globalen Biodiversitätsverlusts. Anhand konkreter Beispiele erarbeiten wir Strategien, wie aktuelle Themen wie Biodiversitätsverlust und nachhaltiges Handeln effektiv in die Lehrpläne eingebunden werden können. Der Workshop bietet praktische Ansätze und Ideen, um Schülerinnen und Schüler für diese kritischen Zukunftsthemen zu sensibilisieren und zu motivieren. Der gemeinsame Austausch soll dazu dienen, Unterrichtskonzepte zu entwickeln, die das Verständnis für die Bedeutung der Biodiversität fördern und zu aktivem Engagement anregen.

Die Präsentationen werden zur Verfügung gestellt.

Die Fortbildung ist eine Kooperationsveranstaltung des VBIO (Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin) und dem Pädagogischen Institut der Stadt München (PI-ZKB).

Der vollständige VBIO-Text kann hier aufgerufen werden: www.vbio.de/bayern/fortbildungsprogramm/by-pi-03/25-online-workshop-biodiversitaet-nicht-nur-im-biologieunterricht#c7764


100 Jahre aktiv im Gebiet der südlichen Nordsee

Der Mellumrat e.V. ist eine Naturschutz- und Forschungsgemeinschaft, die 1925 zum Schutz der Insel Mellum gegründet wurde.
Heute betreut der Verein im UNESCO-Weltnaturerbe Nationalpark „Niedersächsisches Wattenmeer“ neben der Insel Mellum auch das Strombauwerk Minsener Oog und die Insel Wangerooge sowie im Binnenland das Naturschutzgebiet „Sager Meere, Kleiner Sand und Heumoor“.
In den einzelnen Schutzgebieten im Nationalpark unterhält der Verein Stationen, in denen Naturschutzwarte wohnen und arbeiten. Die Naturschutzwarte sind naturkundlich interessierte Menschen, die sich freiwillig und ehrenamtlich dem Naturschutz widmen.

Festveranstaltung des Mellumrats im Wattenmeer-Besucherzentrum Wilhelmshaven am 10. Oktober 2025. Der Vorsitzende Dr. Holger Freund (am Rednerpult) begrüßte zahlreiche Gäste. Grußworte sprachen die Umwelt-Staatssekretärin Anka Dobslaw und der Leiter der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer Peter Südbeck. Der Ehrenvorsitzende Dr. Thomas Clemens referierte über die historischen Verdienste bekannter Pioniere des Küsten- und Seevogelschutzes wie Wilhelm Krüger, Heinrich Schütte, Richard Tantzen und Karl Sartorius. Es folgten Fachvorträge der Professoren Franz Bairlein und Helmut Hillebrand sowie von Dr. Benedikt Wiggering. Foto: BSHnatur.

Am Dümmer bildet der Mellumrat mit der Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems e.V. (BSH) und dem NABU die Arbeitsgemeinschaft Naturschutzring Dümmer e.V. (NARI), dem Partner der dortigen Naturschutzstation.
Als Gründungsmitglied im Naturschutzforum Deutschland e.V. (NaFor) ist der Mellumrat Hauptansprechpartner für die marinen Belange, angefangen beim Arten- und Biotopschutz von Tieren der Feuchtgebiete bis hin zu Planverfahren von Gasleitungen und Windkraftanlagen auf hoher See und entlang der Küste.
Der Mellumrat ist Partner des Nationalparks und UNESCO-Biosphärenreservates. Die ehemalige Mellumbake ist das Symbol des Mellumrates.

Quelle: Homepage des Mellumrats (www.mellumrat.de).

Weitere Informationen:
NVN & BSH Nordd. Biotope 21 (2005) Wangerooge. – Naturparadies im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Mathias Heckroth. 021 – Wangerooge.pdf

NaFor & BSH Nordd. Biotope 28 (2021) Das Naturschutzgebiet Sager Meere, Kleiner Sand und Heumoo rals Teil des FFH-Gebietes 012 „Sager Meere, Ahlhorner Fischteiche und Lethetal. Dr. Sabine Baumann. 028 – Sager Meere.pdf

sowie Veröffentlichungen von Dr. F. Goethe, Prof. Dr. Wolfgang Hartung, Gerhard Großkopf, Hans-Rudolf Henneberg und Dr. Hermann Blindow