Naturschutzforum erinnert an bewährte Maßnahmen und gibt Tipps zur Umsetzung


Foto links: Auwälder sollten Flussniederungen und feuchte Senken begleiten.
Foto rechts: Handtorfstiche sind unverändert als Refugialräume für Spezialisten und Kulturflüchter zu erhalten. Fotos: BSHnatur
In Zeiten sommerlicher Dürre und zunehmenden Wald- und Moorbränden sind alle Maßnahmen gefragt, die eine Wasserrückhaltung fördern und den Folgen des Klimawandels entgegenwirken. Ob private Haus- und Grundstücksbesitzer, Kommunen oder Wasser- und Bodenverbände, alle können und müssen ihren Beitrag dazu leisten. Oft sind es gerade die einfachen Maßnahmen, so das Naturschutzforum Deutschland, die vor Ort Wirkung zeigen. Viele alte Tugenden der Wasserrückhaltung, die sich in Stadt und Land, Haus und Garten bewährt haben, sind zwischenzeitlich allerdings zum Teil in Vergessenheit geraten. Das Naturschutzforum möchte daran erinnern und gleichzeitig an weitere gemeinsame Anstrengungen appellieren.
Was kann jeder Grundstücksbesitzer tun?
In Deutschland beträgt die gesamte Wohnungsbaufläche, einschließlich der zugehörigen Freiflächen, laut Statistischem Bundesamt 1,43 Millionen Hektar (Stand 09.10.2025). Der weitaus größte Teil davon sind private Wohngrundstücke. Fast 20 Millionen Wohngebäude stehen drauf. Würde hier flächendeckend das Regenwasser gesammelt, könnten theoretisch bis zu 1,5 Milliarden Kubikmeter Wasser pro Jahr aufgefangen werden. Das entspräche etwa 60% des gesamten jährlichen Wasserdefizits, das Deutschland laut Studien zurzeit durch den Klimawandel und intensive Landnutzung verliert (Tagesschau vom 08.01.2025). Wer ein Grundstück besitzt und noch kein Regenwasser sammelt, der sollte genau jetzt damit anfangen! Die Fallrohre der Regenrinnen sollten das Dachwasser nicht mehr direkt in die Kanalisation und damit über das nächste Gewässer ab ins Meer schicken, sondern in Regenfässer und andere Behälter auf dem Grundstuck leiten, damit es dort nach und nach der Bewässerung dienen kann. Um die Entwicklung von Mücken zu verhindern, sollten die Behälter mit engmaschigen Netzen abgedeckt werden.


Foto links: Regenfässer oder andere Behälter dienen zum Auffangen von Wasser, um es bei späterer Dürre in den Boden zu leiten und Pflanzen damit zu bewässern. Die „Froschklappe“ im Fallrohr leitet das Wasser in das Regenfass. Der herausnehmbare Metallkorb darüber fängt Falllaub ab.
Foto rechts: Umleitung von Dachwasser zu entfernt stehenden Gehölzen – kann zur optischen Verschönerung mit Kletterpflanzen berankt werden. Mehrere Auffangbehälter können über Röhren im Verbund nebeneinander kommunizieren, bevor der letzte Überlauf erreicht ist.
In Zisternen und anderen größeren Auffangbehältern auf dem Grundstück lässt sich das aufgefangene Regenwasser für längere Zeit speichern. Zahlreiche Kommunen fördern bereits den Einbau und den Anschluss solcher großer Regenwasserspeicher (vor Ort erkundigen). Für Neubauten sollten die kommunalen Bebauungspläne den Einbau von Zisternen als Festsetzung in Zukunft zwingend vorschreiben.


Foto links: Häufig lassen sich auch ausrangierte Abwassergruben (Dreikammersysteme) mit entsprechender Verbindung zu den Dachrinnenfallrohren zu Wasserauffangbehältern umfunktionieren.
Foto rechts: Das aus den Zisternen hochgepumpte Wasser kann bei Dürre zur Bewässerung im Garten dienen.
Neben dem Auffangen des Niederschlagswassers gibt es zahlreiche bewährte weitere Möglichkeiten für Haus- und Grundeigentümer, den Folgen des Klimawandels entgegenzutreten.


Foto links: Kletterpflanzen wie Efeu oder Wilder Wein dämpfen das Erwärmen von Außenfassaden erheblich.
Foto rechts: Hier bedeckt Wilder Wein ein Gebäude in Klinkerbauweise. Er lässt sich je nach Lichtbedarf herunterscheiden.
Kletterpflanzen an Hauswänden, Bäume und Sträucher im Garten. Kletterpflanzen an der Fassade wirken wie eine natürliche Klimaanlage und kühlen das Gebäude sowie die Umgebung an heißen Tagen um mehrere Grad ab. Sie schützen zudem die Fassade vor direkter Sonneneinstrahlung und erhöhen die Luftfeuchtigkeit. Vögel und Insekten finden hier zusätzliche Nistmöglichkeiten und Lebensräume. Nicht nur an den Hauswänden, auch im Garten selbst gilt: Einfach mal wachsen lassen. Bäume und Sträucher sorgen für schattige Plätze im Garten und helfen auch unseren tierischen Mitbewohnern.




Im Garten gilt: Wachsen lassen und nicht versiegeln. Dachwasser bleibt im Garten.
Pflichtaufgabe der Kommunen
Auch wenn jeder zur Wasserrückhaltung beitragen kann, entbindet dies die Kommunen nicht von weiteren strukturellen Maßnahmen. Angesichts sinkender Grundwasserstände und extremer Wetterereignisse sind sie in der Pflicht, Klimafolgenanpassungskonzepte nicht nur zu entwickeln, sondern sie tatsächlich auch umzusetzen. Die längst entwickelten Schwammstadtkonzepte mit sogenannter grüner und blauer Infrastruktur helfen wenig, wenn im kommunalpolitischen Alltag bei Abwägungsprozessen in Bauleitplanungen Klima- und Naturschutzaspekte nach wie vor als nachrangig gegenüber wirtschaftlichen Aspekten gewichtet werden. Hier sind Politik und Verwaltung in der Pflicht, den Klima- und Naturschutz ernstzunehmen. Weitere Versiegelungen sind zu vermeiden, stattdessen sollten alle Anstrengungen gemacht werden, den innerörtlichen Versiegelungsgrad zu reduzieren. Grünflächen und alte Bäume sind zu unbedingt erhalten, keine Ersatzpflanzung mit Jungbäumen kann den ökologischen Wert alter Bäume in diesen Dürrezeiten je kompensieren. Wir haben zum einen nicht die Zeit, Jahrzehnte zu warten, bis Jungbäume auch nur annähernd das leisten, was die alten Bäume schaffen (s. Literatur unten), zum anderen ist nicht gewiss, dass die neu gepflanzten Bäume tatsächlich jemals so alt werden.

Buchenallee im Landkreis Oldenburg. Alte Bäume sind dringend zu erhalten. Wer alte Laubbäume wie Eichen und Buchen fällt, fördert die wachsende Austrocknung im besiedelten Bereich. Das gilt für Straßenbäume und sonstige alte Gehölze im öffentlichen Raum ebenso wie für jene auf privaten Grundstücken.
Um mehr Grün in den besiedelten Bereich zu bekommen, sollten auf freien Flächen möglichst viele Gehölze gepflanzt werden, nicht nur innerorts, sondern auch im Außenbereich. Je nach Standort sollten es passende heimische Arten in bunter Mischung sein, möglichst auch nektarreiche und fruchttragende Gehölze. Wie vielerorts schon der Fall, können hieraus jährliche Aktionen entstehen. Nachbarschaften, Vereine, Schulen gestalten gemeinsam ihren Ort lebenswert.


Gemeinsam lokale Projekte umsetzen. Vereine, Schulen und gesellschaftliche Gruppen aller Art sind gefragt und werden aktiv.
Wasserhaltung durch Gewässer-Rückbau, Wiederherstellung und Neuanlage
Ebenso wichtig ist es, das Wasser in der Fläche zu halten. Wasser- und Bodenverbände, private Grundbesitzer wie Mühlen- und Waldeigentümer, Naturschutzverbände und Schulen können im Winterhalbjahr geeignete Stillwasserzonen schaffen und wasserhaltende Brachen erhalten. Diese halten eingestautes oder eingeleitetes Wasser auch zum Einsatz in Brandfällen vor und sind zudem wichtige Laichgebiete für Amphibien und Lebensraum für am Ufer brütende Vögel. Neuanlagen lassen sich durch kleine Bagger oder bei Wiederanlage von Bachschleifen herstellen. Durch die Laufverlängerung wird zugleich dem Ableiten des Wassers in die Vorfluter vorgebeugt. Ehemalige Fischteiche und Feuerlöschteiche sind als Wasserreservoir wiederherzurichten, die Verlandung zurückzudrängen. Auch der Auwaldcharakter lässt sich an geeigneten Stellen entwickeln. Eigentümer von Mischwäldern sollten zudem befreit werden von Entwässerungsgebühren der Wasser- und Bodenverbände (Bsp: Für 32 ha naturnahem Mischwald werden jährlich 660 € Entwässerungsgebühr erhoben!)


Foto links: Öffnung eines verlandeten Teiches.
Foto rechts: Neuanlage eines Teiches.

Gab es zuvor jahrzehntelang flächenhafte Begradigungen und Entwässerungen zugunsten der Landwirtschaft, so müssen ab sofort – wie auf dem Foto oben an der Hunte – Renaturierungen, Laufverlängerungen und die Anlage von Retentionsflächen im Sinne des Hochwasserschutzes auf der Tagesordnung stehen. Die Entwässerungsgelder der Verbände sind dafür einzusetzen. Luftbild: Hunte-Wasseracht
Hintergrundliteratur:
BMUKN (2023): Nationale Wasserstrategie.- Berlin:
BMUKN: Wasserstrategie
BfN (2026): Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz | BfN Bonn
Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz | BfN
UBA 2026): Tipps für eine nachhaltige Regenwassernutzung.-
Tipps für eine nachhaltige Regenwassernutzung | Umweltbundesamt
Merkblätter zum Thema von NaFor, BSH und NVN:
MBl 74: Ist Landschaft reparierbar?
074 – Ist Landschaft reparierbar.pdf
MBl 70: Stagnierende Kleingewässer in Südniedersachsen.-
BSH 9_05_rg
MBl 20: Gestaltungsvorschlag Naturgarten.-
020-Gestaltungsvorschlag Naturgarten
MBl 6: Baumschutz-Baumpflege.-
006-Baumschutz – Baumpflege
Nafor – Pressemitteilungen
06. 04. 2023: Maßnahmen zur Rückhaltung von Wasser sind dringlich.-
Maßnahmen zur Rückhaltung von Wasser sind dringlich | Naturschutzforum Deutschland
18. 07. 2022: Rückhaltung von Niederschlägen muss intensiviert werden.
Rückhaltung von Niederschlägen muss intensiviert werden | Naturschutzforum Deutschland
UMG – Naturtipps (2008): Bäume in der Stadt.-
Naturtipps – Bäume in der Stadt
MLEUV Brandenburg (2026): Für zukunftsfähige Alleen: Empfehlungsliste für naturverträgliche Baumarten veröffentlicht.-
093_26_MLEUV_Empfehlungsliste_Baumarten_Alleen_2026_05_04.pdf
SenMVKU, Berlin (2026): Zustand der Straßenbäume.-
Zustand der Straßenbäume (Vitalität) – Berlin.de












