Zum Tag des Waldes – Neues Biotope-Merkblatt erschienen: „Das Herrenholz: Alte Eichen, seltene Arten und eine lange Geschichte“

Passend zum internationalen Tag des Waldes erschien jetzt das neue NaFor-BSH-Biotope Merkblatt „Das Herrenholz: Alte Eichen, seltene Arten und eine lange Geschichte“.

Hendrik Scheele, Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Vechta, und Carolin Kemper, Betriebsdezernentin im Forstamt Ahlhorn, stellen auf zwölf Seiten, illustriert mit eindrucksvollen Fotos, die ökologische Bedeutung dieses historischen Waldgebietes im Nordkreis Vechta dar. Gefördert wurde der Druck des Merkblattes von der Stiftung für Umwelt- und Naturschutz im Landkreis Vechta. Es ist in der Printversion in der NaFor-BSH-Geschäftsstelle zu erhalten oder digital auf der Webseite der BSH herunterzuladen: www.bsh-natur.de/… merkblatt_30_biotope_herrenholz.

 

Titelseite des Merkblatts. Foto: BSHnatur

 

Die Bedeutung der Wälder – Daten zu Deutschland (Quelle: BMEL)
Die Förderung gesunder Wälder ist gleichbedeutend mit der Förderung vitaler Lebensgemeinschaften. Vor allem im ländlichen Raum bilden sie das wirtschaftliche Rückgrat und stabilisieren durch ihre kühlende Wirkung und Bodenbefestigung die gesamte Region. Es wird immer deutlicher, dass sich Investitionen in den Waldschutz, die Wiederherstellung degradierter Flächen und eine nachhaltige Nutzung langfristig auszahlen. Der Verlust von Waldflächen hingegen kommt die Gesellschaft teuer zu stehen, da Bodenerosion, Überschwemmungen und der Verlust an Produktivität die kurzfristigen Gewinne aus Waldrodungen bei weitem übersteigen. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit unseren Wäldern sichert somit eine stabile Wirtschaft für heutige und zukünftige Generationen gleichermaßen.

14 Fakten zum Wald:

 

1.) Mit einer Gesamtwaldfläche von rund 11,5 Mio. Hektar zählt Deutschland zu den waldreichsten Ländern der Europäischen Union nach Schweden, Finnland, Spanien und Frankreich (1.400 qm Wald pro Einwohner). Deutschland belegt hinsichtlich des Waldanteils an der Gesamtfläche (rund 33 %) aber nur einen mittleren Platz sowohl in der EU als auch in ganz Europa.

2.) Die größten Waldanteile (bezogen auf die Landesfläche) haben die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Hessen mit jeweils rund 43 Prozent.

3.) Von der Gesamtwaldfläche Deutschlands befinden sich rund 48 Prozent im Privatbesitz. 29 Prozent der Waldfläche gehören den Bundesländern. Die Städte und Gemeinden besitzen 20 Prozent. Im Eigentum des Bundes befinden sich rund 3 Prozent der Waldfläche.

4.) Im deutschen Wald gibt es insgesamt rund 80 Baumarten und 120 Straucharten. Die vier häufigsten Baumarten sind die Nadelbäume Kiefer (22 %) und Fichte (21 %) sowie die Laubbäume Buche (17 %) und Eiche (12 %). Außerdem leben dort 140 verschiedene Wirbeltierarten wie Reh-, Rot- und Schwarzwild, Dachs und Fuchs.

5.) Die heimischen Laubbäume wie Rotbuchen und Eichen erreichen Maximalhöhen von rund 35 – 45 Meter. Fichten dagegen können bis zu 60 Meter hoch werden und sind damit die höchstwachsenden heimischen Bäume Mitteleuropas. Der höchste Baum Deutschlands ist aber ein „Exot“, nämlich eine Douglasie im Stadtwald von Freiburg mit fast 68 Meter Höhe („Waldtraut vom Mühlwald“). Zum Vergleich: Die Höhe des Brandenburger Tores in Berlin beträgt gut 20 Meter, die Quadriga mit ihrer Spitze erreicht eine Höhe von etwa 26 Meter.

6.) Der Schutz der Wälder spielt in Deutschland eine wichtige Rolle. So sind 47 Prozent der Wälder ausgewiesene Landschaftsschutzgebiete, 38 Prozent sind Naturparks. Intensivere Schutzbestimmungen und damit Nutzungseinschränkungen wirken sich in Wäldern aus, die zu Natura 2000-Gebieten (24 %), Naturschutzgebieten (6 %), Biosphärenreservaten (4 %) oder Nationalparks (1 %) gehören.

7.) Jedes Jahr wachsen in den deutschen Wäldern rund 101 Mio. bis 127 Mio. Kubikmeter Holz nach. Dies entspricht mindestens vierzigmal dem Volumen der Cheops-Pyramide. Davon geerntet werden rund 73 Mio. Kubikmeter. Damit wird in Deutschland nach wie vor weniger Holz geerntet als im Durchschnitt pro Jahr nachwächst. Das ist ein Indiz für die nachhaltige Waldbewirtschaftung hierzulande.

8.) Mehr als 75 Prozent der deutschen Gesamtwaldfläche werden nach den strengen Kriterien unabhängiger Forstzertifikate, wie dem PEFC- und FSC-Siegel bewirtschaftet. Sie gelten als Nachweis einer nachhaltigen Forstbewirtschaftung, die die Grundlage für die positive Entwicklung der deutschen Wälder ist. Mit einer zertifizierten Waldfläche von zirka 8,8 Millionen Hektar (Stand: 2026) ist PEFC national (aber auch international) das meistverbreitete Zertifizierungssystem. Nach FSC-Standard sind in Deutschland aktuell knapp 1,2 Millionen Hektar Wald zertifiziert, d.h. rund 11 Prozent der Fläche (Stand: 2024).

9.) Der deutsche Wald bindet jedes Jahr rund 127 Mio. Tonnen Kohlenstoff und ist damit ein wertvoller Klimaschützer. Damit kompensiert er rund 14 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland.

10.) Gleichzeitig ist der Wald ein Opfer des Klimawandels: Der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) hat mit seinen Experten aus Praxis, Wissenschaft und Verwaltung eine ökonomische Zwischenbilanz für die relevantesten Waldschäden von 2018 bis 2020 gezogen. Die Extremwetterereignisse haben demnach zwischen 2018 und 2020 bundesweit Schäden in Höhe von rund 13 Mrd. Euro verursacht. Die Folgen des Klimawandels würden den gesamten deutschen Wald und seine vielfältigen Leistungen für die Gesellschaft gefährden.

Im Mai 2024 veröffentlichte das Bundeslandwirtschaftsministerium die Waldzustandserhebung 2023.

11.) 3,6 Milliarden Waldbesuche ereignen sich laut einer Schätzung jedes Jahr. Jeder Deutsche geht damit statistisch gesehen 40 Mal jährlich in den Wald.

12.) Im Jahr 2024 blieb die Zahl an geschlagenem Holz auf hohem Niveau: 72,6 Millionen Kubikmeter Holz wurden in deutschen Wäldern insgesamt geschlagen. Das sind laut dem Statistischen Bundesamt Wiesbaden etwas weniger als im Rekordjahr 2021 (81 Mio.) – aber mehr als im Jahr 2023 (70,6 Mio.).

Das Aufkommen an Schadholz für das Jahr 2024 fiel im Vergleich zum Vorjahr um gut 29,4 Prozent von 38,7 auf 27,3 Millionen Kubikmeter. Auch wenn deutlich weniger Schadholzaufkommen zu beklagen ist als im Rekordjahr 2020 (60,1 Mio. Kubikmeter), so blieb das Aufkommen in diesem Jahr, wie schon in den vergangenen Jahren zuvor, sehr hoch. Knapp die Hälfte (44,7%) des gesamten Holzeinschlags wurde im Jahr 2024 durch Waldschäden verursacht. Vor allem Insekten wie der Borkenkäfer sorgen dafür, dass Bäume krank werden und vorzeitig gefällt werden müssen. Der Anteil des insektenbedingt geschlagenen Schadholzes am gesamten Schadholz lag 2024 bei rund 61,5%. Aber auch klimatische Bedingungen wie Trockenheit und Stürme tragen zu dem hohen Schadholz-Anteil bei. So lag dieser Anteil für das Jahr 2024 bei rund 12,8%.

13.) 1.805 Insektenarten bilden ein wesentliches Rückgrat unserer Waldnatur. Leider sind die Populationen auch in unseren Wäldern rückläufig. Das haben die Technischen Universtäten Darmstadt und München für den Zeitraum 2008 bis 2017 in einer Studie erforscht.

14.) Der Wolf ist zurück im deutschen Wald: In Deutschland leben 219 Wolfsrudel, vor allem in Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen. Europaweit sind die Wolfsbestände in den vergangenen Jahren stark angestiegen – von 11.200 Tieren im Jahr 2012 auf über 20.300 im Jahr 2023. Dies teilte das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat am 05.03.2026 mit.

 


Quellen:

AGDW – Die Waldeigentümer
Bundesamt für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
BMEL – Unser Wald
Bund Deutscher Forstleute (BDF)
Deutscher Forstwirtschaftsrat (DFWR)
Dritte Bundeswaldinventur
Vierte Bundeswaldinventur
Fachagentur nachwachsende Rohstoffe (FNR)
PEFC Deutschland
Statistisches Bundesamt
Umweltbundesamt
Waldzustandserhebung 2020


Hinweis des Naturschutzforums Deutschland:
Weitere wissenschaftliche Informationen:
https://www.uni-goettingen.de/de/67090.html
https://www.landesforsten.de/wir/struktur-und-organisation/nfp

und alle Fachministerien der Länder, z.B.:

Hessisches Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat
Mainzer Straße 80
65189 Wiesbaden
E-Mail: poststelle@landwirtschaft.hessen.de
Telefon: +49 611- 815 0

Niedersächsische Landesforsten
Bienroder Weg 3
38106 Braunschweig
Tel.: +49 531-1298-0
Fax: +49 531-1298-55
E-Mail: poststelle@nlf.niedersachsen.de

Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft
Wilhelm-Buck-Straße 4
01097 Dresden
Tel.: +49 351 564-0
Fax: +49 351 564-20007
E-Mail: Poststelle SMUL

Thüringen:
Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten (TMUENF)
Pressesprecher Tom Wetzling
Beethovenstraße 3
99096 Erfurt
Tel.: +49 361 57 39 11 099 (Zentrale)
Fax: +49 361 57 3911 939
E-Mail: presse@tmuenf.thueringen.de

sowie zum naturschutzfachlichen Hintergrund zu Thüringen:

 

 

Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen e.V. (AAT)
www.ag-artenschutz.de

 


Fr. 27. März Kostenfreier Besuch der analytica – Jobday

Auf der diesjährigen analytica bietet die Messe München – in Kooperation mit dem VBIO – jungen Menschen und Stellensuchenden die Möglichkeit, im Rahmen des Jobday@analytica ihre individuelle Karriere zu planen. Dafür steht über den VBIO ein exklusives, kostenloses Ganztagesticket für den 27. März zur Verfügung, das für den Besuch der gesamten Messe gilt.

Alle sind herzlich eingeladen am Freitag den 27. März 2026 in der Zeit von 10:30 – 15:00 Uhr im Forum Laboratory & Analysis, Halle B1 dabei zu sein und sich zu folgenden Themen zu informieren:

  • Welche Berufsfelder gibt es in der Labor-, Chemie-, Pharma- und Life-Science-Branche?
  • Welche Unternehmen haben offene Stellen und stellen sich vor?
  • Wie bewerbe ich mich richtig?
  • Was muss ich als Bewerber im Bewerbungsgespräch beachten?

Für Interessierte gibt es zusätzlich zahlreiche Möglichkeiten, die Laborwelt live zu erleben. Unter anderem werden in der Sonderschau „Live Lab“ tägliche Routineprozesse in einem eigens dafür aufgebauten Labor praktisch vermittelt. Wer einen anschaulichen Umgang mit Gefahrenstoffen im Labor erleben möchte, erhält im Rahmen von „explosiven Live Vorträgen“ im Forum Lab Safety (B1.537) wertvolle Tipps zur Unfallvermeidung im Labor. 

Daneben zeigen über 1.100 Aussteller aus 42 Ländern in fünf Messehallen ihre Innovationen.

Weitere Informationen unter www.analytica.de.
Anmeldung in Kooperation mit dem VBIO unter www.tickets.messe-muenchen.de.


Keine Priorität von Infrastruktur vor Naturschutzbelangen

Naturschutzforum lehnt den Entwurf eines Infrastruktur-Zukunftsgesetzes ab

Die von bundespolitischer Seite geplante Gesetzesänderung zur Verfahrensbeschleunigung kritisiert das Naturschutzforum Deutschland (NaFor) als zu einseitig und in wesentlichen Aspekten fachlich unzutreffend. Mit dem Gesetzesentwurf soll das Klagerecht der Naturschutzverbände als vermeintliche Hauptursache von Verzögerungen eingeschränkt werden. Die Bundesregierung möchte damit die Umsetzung von Bauprojekten und Infrastrukturmaßnahmen beschleunigen.

Dem stehen nach Auffassung des Naturschutzforums Deutschland international verbindliche Konventionen und Artenschutzabkommen entgegen. Deutschland hat die damit eingegangenen Verpflichtungen zum Beispiel im Sinne der Bestandssicherung bedrohter Pflanzen und Tiere sowie der Sicherung von Zugwegen für wandernde Tierarten zu respektieren. Eine Verschlechterung der ökologischen Situation in Natur und Landschaft ist nicht hinnehmbar, so das Naturschutzforum.

Die Ursachen für bauliche Verzögerungen sind zu einem überwiegenden Anteil zu suchen in den unzulänglichen personellen, materiellen und fachlichen Erfordernissen von Genehmigungsbehörden, komplizierten bau- und ingenieurtechnischen Vorgaben und – oft berechtigten – Einwänden von Anliegern. Bei dem von Befürwortern des Gesetzes zitierten langjährigen Bahnprojekt in Calw handelt es sich laut Naturschutzforum Deutschland um einen Einzelfall, der nicht allein dem Naturschutz angelastet werden kann.

Wenn Infrastrukturvorhaben nun den Status des „überragenden öffentlichen Interesses“ erhalten, werden die Ergebnisse von Abwägungen automatisch zu Lasten der Belange des Umwelt- und Naturschutzes vorgegeben. Angesichts der Bedeutung des Erhalts von intakten Landschaften als existenzielle Lebensgrundlagen des Menschen und seiner belebten Umwelt hält das Naturschutzforum dies für nicht tragbar.

Das Naturschutzforum Deutschland warnt deshalb davor, zugunsten einer wirtschaftlichen Mobilisierung die Lebensqualität zukünftiger Generationen in einer intakten natürlichen Umwelt als nachrangig einzustufen.

Weitere Informationen unter: Deutscher Bundestag – Infrastruktur: Umweltrecht-Experten warnen vor Systemwechsel


VBIO Online-Webinarreihe: „Die Hummeln Europas – Vielfalt, Ökologie und Gefährdung“

Die Online-Webinarreihe „Faszination Biologie“ des VBIO wird fortgeführt am 24.03.2026 von 17.00 bis 19.00 Uhr

 

 

 

Hummeln (Bombus) bauen im Sommer kleine Völker auf und verfügen über besondere Fähigkeiten zur Thermoregulation. Wild- und Nutzpflanzen können so selbst bei kühlem Wetter effektiv bestäubt werden und auf diese Weise konnten sich Hummeln sogar kalte Hochgebirgslagen und arktische Regionen erschließen.

Hummeln sind auf durchgängigen Blütenreichtum angewiesen. Aber die fortschreitende Vernichtung blütenreicher Lebensräume und der Klimawandel gefährden viele Hummelarten extrem.

Der reich bebilderte Vortrag zeigt Hotspots der Hummelvielfalt in Europa – von Korsika bis Lappland. Faszinierende Anpassungen der Hummeln an Blütenpflanzen und ihre Lebenszyklen werden veranschaulicht und die Ursachen für die teils dramatischen Rückgänge sowie wertvolle Refugien werden beschrieben.

Der vollständige VBIO-Text kann hier aufgerufen werden: www.vbio.de/aktuelles/..vbio-online-faszination-biologie ..webinarreihe-die-hummeln-europas-vielfalt-oekologie-und-gefaehrdung

Mitglieder des VBIO sowie Schüler/-innen und Student/-innen nehmen kostenfrei teil. Für Noch-Nichtmitglieder wird ein Teilnahmebeitrag von 5 € erhoben.

 


Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg lobt den Brandenburger Naturschutzpreis 2026 aus

Bis zum 30. April 2026 können Vorschläge eingereicht werden

Potsdam. Mit dem Naturschutzpreis ehrt die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg jedes Jahr richtungsweisende Leistungen im Bereich des aktiven, praktischen Naturschutzes, der nachhaltigen Landnutzung oder eine vorbildliche Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung. Darüber hinaus prämiert sie auch wissenschaftliche, planerische oder wirtschaftliche Leistungen.

Brandenburgs Umweltministerin Hanka Mittelstädt: „Die Verleihung des Brandenburger Naturschutzpreises gehört zu unseren schönsten Aufgaben. Hier lernen wir so beeindruckende Projekte kennen, dass ich schon jetzt sehr gespannt bin auf die diesjährigen Einsendungen. Ich freue mich, dass dieser Wettbewerb das vielfältige und so wichtige Engagement in unserem Land sichtbar macht und ermutige jeden, eine Bewerbung oder einen Vorschlag einzureichen.“

Für den Brandenburger Naturschutzpreis können einzelne Personen, Verbände, Vereine, oder Unternehmen sowie Schulklassen, Kindergruppen oder Arbeitsgemeinschaften vorgeschlagen werden beziehungsweise sich selbst bewerben. Der Preis richtet sich auch an Menschen, die nicht in Brandenburg leben, sich jedoch in besonderem Maße um den Schutz von Natur und Landschaft zwischen Elbe und Oder verdient gemacht haben.

2025 wurde die vom STATTwerke e.V. getragene „Waldgärtnerei und Waldgartensysteme Kyritz“ mit dem Brandenburger Naturschutzpreis ausgezeichnet. Das Projekt zeigt, wie Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand gehen und zukunftsfähig gestaltet werden können. In seiner Komplexität und zudem als Betrieb wirtschaftlich tragfähig ist die Waldgärtnerei im Landkreis Ostprignitz-Ruppin deutschlandweit einzigartig und besitzt Modellcharakter.

Den Nachwuchspreis erhielt (fast) ein gesamtes Dorf im Landkreis Dahme-Spreewald: Nahezu jede Familie in Landwehr, einem Gemeindeteil von Golßen, ist im Verein Landwehr – Am Bergl e.V. vertreten und engagiert sich, damit es vor ihrer Haustür bunter und artenreicher wird. Die Jury beeindruckte besonders, dass hier alle generationenübergreifend Verantwortung für ihren Ort übernehmen.

Zudem verlieh die Stiftung anlässlich ihres 30-jährigen Jubiläums im vergangenen Jahr erstmals einen Ehren-Naturschutzpreis: Ralf Schwarz setzt sich seit über 40 Jahren unermüdlich für den Erhalt der Natur ein. Dabei versteht er es immer wieder, unterschiedliche Interessengruppen zu berücksichtigen und nimmt eine wichtige Mittlerrolle ein.

Bewerbungsformular, Auswahlkriterien und weitere Informationen unter: Naturschutzpreis – Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg

Die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg
Um die Vielfalt und die natürliche Schönheit der märkischen Landschaften zwischen Elbe und Oder, Lausitz und Uckermark auch für die kommenden Generationen zu bewahren, hat das Land Brandenburg die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg errichtet. Seit 1995 betreut die Stiftung die Ersatzzahlung im Land Brandenburg. 1.300 Naturschutzprojekte hat die Stiftung in diesen Jahren gemeinsam mit Landkreisen und Kommunen, Verbänden und Vereinen sowie weiteren Partnern wie zum Beispiel Landwirtschaftsbetriebe, Kirchengemeinden oder Privatpersonen möglich gemacht oder in eigener Trägerschaft verwirklicht.

Weitere Informationen:
Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft,
Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg

Henning-von-Tresckow-Straße 2-13, Haus S
14467 Potsdam
Internet: www.mleuv.brandenburg.de


Lebensräume heimischer Arten und deren Dokumentation standen im Vordergrund

Martin Görner, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen e.V. (AAT), verstorben


Jena-Ranis. Mit seiner „Schaffenskraft für den Naturschutz im Allgemeinen, die Zoologie im Besonderen und die Ornithologie im Speziellen“ (Prof. Helmut Witticke, schon 2003) wirkte Martin Görner weit über Thüringen hinaus. Denn als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen e.V. vertrat er den ehrenamtlichen Naturschutz auch im Bundesdachverband Naturschutzforum Deutschland e.V. (NaFor).

Das Engagement des nun im Dezember 2025 Verstorbenen würdigend, dankt das NaFor-Präsidium auch seiner Familie und dem zugehörigen Team des vom AAT errichteten Artenschutzzentrums. Besonders hervorzuheben sind darüber hinaus die Unterstützung und Finanzierung der jährlich auf Initiative von Martin Görner federführend veranstalteten internationalen Naturschutztagungen „Zoologischer und botanischer Artenschutz in Mitteleuropa“.

Nun gelte es, so das Naturschutzforum Deutschland, diese gute Kooperation im Sinne der gemeinsamen Sache und im Andenken an Martin Görner fortzusetzen.

Naturschutzforum Deutschland e.V. (NaFor)

Für das Präsidium

Prof. Dr. Remmer Akkermann

Weitere Informationen:
Wittecke, H. (2003): Martin Görner zum 60. Geburtstag.- Anz. Ver. Thüring. Ornithol. 54, 109-113, www.zobodat.at/biografien/Goerner_Martin_60_Anz-Ver-Thueringer-Ornith_5_0109-0113.pdf

Arbeitsgruppe-Artenschutz Thüringen e.V. (AAT): www.ag-artenschutz.de/


Das Aktionsbündnis gegen die Weservertiefung lädt ein zum Vortrag „Die Weser – Lebensraum und Wasserstraße“ mit Gert Rosenbohm am Mittwoch 21.1.2026 um 19 Uhr

20260121 Vortrag Weser

Wir befinden uns mitten in der Sturmflutsaison. Letzten Samstag ist in Brake ein Stück Uferbefestigung an der Weser abgebrochen. Die Wesermarsch ist laut neuem Klimarisikoindex des Instituts der deutschen Wirtschaft hinter der Stadt Wilhelmshaven der am meisten vom Klimawandel bedrohte Landkreis in Deutschland. Vor diesem Hintergrund gewinnt der Vortrag „Die Weser – Lebensraum und Wasserstraße“ unbequeme Aktualität. Zu diesem lädt das Aktionsbündnis gegen die Weservertiefung am Mittwoch 21. Januar um 19 Uhr zum Segelclub Nordenham ein.

Die Weser trägt wesentlich zu unserer regionalen Lebensqualität bei. Auf der anderen Seite fordern wir ihre Qualitäten durch immer neue Vertiefungen heraus. Gert Rosenbohm ist seit etlichen Jahrzehnten ein ausgemachter Kenner der Weser. Er ist aktiver Freizeitfischer im SFV Brake und Mitglied im Braker Segelverein und setzt sich beim BUND Wesermarsch und dem Aktionsbündnis gegen die Weservertiefung ein. Er wird berichten, was der Fluss in der Vergangenheit hat hinnehmen müssen: Naturereignisse veränderten Fluss und Landschaft. Das frühe Einwirken der Menschen auf den Fluss führte zu besonders umfangreichen und bis heute nicht endenden negativen Auswirkungen: Erosion, Versandung, Vertiefung, Strömung, Tidenhub, Versalzung, Verschlickung, Verschmutzung. Diese stehen unmittelbar in Zusammenhang mit der Ökologie des Flusses, dem Artenschwund, der Lebensqualität der Bevölkerung und besonders deren zunehmender Gefährdung durch Sturmfluten. Eine weitere Vertiefung der Weser würde alle genannten Probleme vergrößern. Die dadurch kalkulierten Zugewinne der Wirtschaft sind spekulativ. Eine Vertiefung würde auch gegen die gesetzlichen EU-Vorgaben für das Gewässer Weser verstoßen.

Gert Rosenbohm betrachtet alle diese Punkte im Detail und erläutert die Wirkungszusammenhänge. Er bezieht sich auf aktuelle, öffentlich zugängliche, wissenschaftliche Erkenntnisse und seine eigenen Beobachtungen seit 1960. Das Aktionsbündnis gegen die Weservertiefung heißt dazu alle Interessierten und insbesondere alle Aktiven im Wassersport herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei. Der Segelclub bietet Getränke zum Erwerb an.

Hintergrundinformation: Klimarisikoindex des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und der ERGO Versicherung

www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/johannes-ewald-hanno-kempermann-welche-regionen-besonders-vom-klimawandel-bedroht-sind

 

 


Wie eine Hitzewelle im Jahr 2003 den Nordatlantik bis heute verändert

aus VBIO – Aktuelles aus den Biowissenschaften

Extremereignisse verändern die Ökologie im Meer sprunghaft: Eine einzige marine Hitzewelle im Jahr 2003 hat beispielsweise Artenzusammensetzung und Nahrungsnetz-Beziehungen im Nordatlantik so beeinflusst, dass die Folgen bis heute wirken.

Die Lodde (oben links) gehört zu den Verlierern, wenn sich das Ökosystem ändert. Copyright: Thünen-Institut/Karl-Michael Werner

Zunächst erscheint es erstaunlich, dass diese Erkenntnisse bisher unentdeckt blieben. Die Ursache liegt darin, dass oft nur prominentere Arten wie Pflanzen und Wirbeltiere untersucht werden. Die Trierer Forschenden weiteten das Spektrum aber auf deutlich kleinere Ebenen wie Pilze, Plankton, Algen oder Gliederfüßer aus, von denen sie zehntausende Arten untersucht haben. Diese spielen in der Nahrungskette eine unverzichtbare Rolle.

Die Ökologie des Nordatlantiks ist im ständigen Wandel. Manchmal verändert sie sich jedoch sprunghaft. Ein Grund: sogenannte Extremereignisse. Ein Beispiel dafür sind marine Hitzewellen. Ein Forscherteam unter der Leitung des Thünen-Instituts für Seefischerei hat jetzt herausgefunden, dass eine einzige, weiträumige Hitzewelle im Jahr 2003 die Artenzusammensetzung und die Nahrungsnetz-Beziehungen im subpolaren Nordatlantik bis heute nachhaltig beeinflusst. Die Studie wurde jetzt in Science Advances veröffentlicht. „Die Auswirkungen eines solchen Ereignisses reichen bis an uns Menschen heran, weil sie die Verbreitung von Fischarten, die wir essen und an die der Fischfang seit Jahrzehnten angepasst ist, ändern“, erläutert Dr. Karl-Michael Werner vom Thünen-Institut für Seefischerei, Erstautor der Studie. Derartige physikalische Extremjahre könnten auch in Zukunft plötzliche und unvorhersehbare Auswirkungen auf das Leben im Ozean haben. Die Frage sei nun, unter welchen Bedingungen sich eine derart großflächige Hitzewelle mit so weitreichenden Folgen wiederhole. „Nach 2003 gab es weitere Hitzewellen, die aber keine nennenswerten Veränderungen hervorgerufen haben“, sagt Werner.

Ein „perfekter Sturm“ wirkt bis heute nach

Die Forschenden haben untersucht, wie sich ein weiträumiges Extremereignis im Meer auf Artengemeinschaften und die Verbreitung einzelner Organismen auswirkt. Dafür haben sie rund 100 Zeitreihen untersucht, die biologische Kennzahlen enthielten. Unter anderem kamen wesentliche Daten aus der Wassersäule und vom Tiefseeboden vom LTER (Long-Term Ecological Research) Observatorium HAUSGARTEN des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). Dort in der Framstraße zwischen Grönland und Svalbard finden seit mittlerweile 25 Jahren ökologische Langzeituntersuchungen statt. Ein Großteil der untersuchten Parameter zeigte abrupte Änderungen im Jahr 2003 oder kurz danach. In dem Jahr fand ein sogenannter „perfekter Sturm“, eine Kombination aus Ereignissen mit besonders dramatischen oder überraschenden Auswirkungen, im und über dem subpolaren Nordatlantik statt. Während sich eine ungewöhnlich große Menge warmen, subtropischen Wassers zwischen Island und Schottland ihren Weg nach Norden bahnte, strömten ebenso ungewöhnlich kleine Mengen arktischen Wassers östlich von Grönland südwärts. Im selben Jahr erreichte die Atmosphäre über demselben Gebiet rekordheiße Temperaturen. Die Auswirkungen waren bis nach Zentraleuropa spürbar, wo tausende Menschen an den Folgen von Hitzewellen starben. Diese Kombination führte dazu, dass auch die Meerestemperatur im Nordatlantik zwischen Westgrönland und der norwegischen Küste Rekordwerte erreichte.

Von einzelligen Algen bis zu Walen – kein Lebewesen blieb von der plötzlichen Wärme verschont. Während sich Fischarten wie Kabeljau und Schellfisch nach Norden ausbreiten konnten, weil sich zurückziehendes Eis und höhere Temperaturen Lebensraum freigaben, fing die Lodde an zu leiden. Der wichtigste Futterfisch für höhere Ebenen im Nahrungsnetz des subpolaren Nordatlantiks verschob sein klassisches, südwestlich vor Island liegendes Laichgebiet nach Norden. Mit schwerwiegenden Folgen: Eier und Larven der Lodde treffen auf neue Strömungsmuster. Sie treiben nun bis an die Küste Ostgrönlands. Dort treffen sie auf ungleich schwierigere Lebensbedingungen, an die der Lebenszyklus der Art nicht angepasst ist. Nur wenige Eier und Larven überleben die ungewohnten Bedingungen. Gewinner auf der anderen Seite sind Wale, etwa der Buckelwal. Er kann den Lodden nun folgen und ist nach mehr als 150 Jahren wieder ein regelmäßiger Besucher Südostgrönlands.

Auch eine ungefähr zwei Jahre nach dem „perfekten Sturm“ einsetzende Wärmephase in der Framstraße zwischen Svalbard und Grönland, tausende Kilometer von der eigentlichen Rekord-Stelle gelegen, konnten die Autor*innen erstmals damit in Verbindung bringen. Das warme Wasser brachte neuen Organismen mit, die von der Oberfläche bis zum Meeresboden das gesamte Ökosystem abrupt veränderte. Das warme Wasser sorgte für mehr Biomasse, die abgestorben zum Meeresgrund sinkt. Dort dient sie Sediment-Bewohnern wie Schlangenstern und Fadenwurm als Nahrung. Allerdings heißt mehr nicht automatisch besser. Es gibt Anzeichen dafür, dass die Nährstoffqualität in der sinkenden Biomasse im gleichen Zeitraum abnahm.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass unerwartete Extremereignisse nicht vorhersehbare ökologische Kaskaden auslösen“, sagt Werner. Wie sich die Umwelt durch die erwartete Erwärmung verändern wird, wisse aktuell niemand. Man könne zwar vorhersagen, wie steigende Temperaturen den Stoffwechsel von Organismen beeinflussen und mitunter begünstigen. Aber wenn eine Art sich deshalb nach Norden bewege und dort entweder gefressen wird oder keine passenden Laichgründe findet, werde sie nicht davon profitieren. Die einzigen Arten, die sich immer wohl fühlen, seien die typischen Opportunisten, wie der Kabeljau. „Sobald die Umwelt es einigermaßen zulässt, breitet der sich aus und frisst alles, was ihm in den Weg kommt“, sagt der Wissenschaftler.

Thünen-Institut für Seefischerei


Originalpublikation:

Karl Michael Werner, Ismael Núñez-Riboni, Thomas Soltwedel, Raul Primicerio, Margrete Emblemsvåg (2025). Major heatwave in the North Atlantic had widespread and lasting impacts on marine life, Science Advances, DOI: 10.1126/sciadv.adt7125

 


Positionen des Naturschutzforum Deutschland e.V. – Jahresvertreterversammlung 2025

1. Paludikulturen ersetzen keinen Artenschutz in Mooren

Naturschutzforum fordert die Erhaltung alter Torfstiche zugunsten auch trockenheitsabhängiger Arten wie Reptilien und Schmetterlinge

Wardenburg / Diepholz / Emsland. Das Naturschutzforum Deutschland (Nafor) sieht keinen Vorteil in der derzeit politisch vorangetriebenen übermäßigen Vernässung von Moorstandorten. Besonders gefährdet sind vor allem Refugialräume von Wirbeltieren, die sich als Kulturflüchter in anmoorige Standorte zurückgezogen haben. Viele der heute in den ehemaligen deutschen Hochmooren lebenden Arten sind mooruntypisch, so NaFor. Das betrifft Singvogelarten wie Fitislaubsänger und Neuntöter ebenso wie Brachvögel, Bekassine und andere Schnepfen. Besonders hart würden Veränderungen durch ansteigende Wasserstände die trockenheitsliebenden Arten treffen. Beispiele sind Schlingnattern und Eidechsen, aber auch Schmetterlinge wie den Heidekrautbürstenbinder, deren Weibchen ähnlich wie bei Glühwürmchen nicht fliegen können. Hier muss äußerst sensibel vorgegangen werden. Wird einmal zu hoch angestaut, ertrinken die auf trockene oder mäßig feuchte Standorte angewiesenen Arten.

Die Umwandlung von artengeschützen Moor- und Nachbarstandorten hin zu dauernassen Arealen ist daher nach Auffassung des NaFor mit dem Bundesnaturschutzgesetz und dem Tierschutzgesetz kaum vereinbar. Deshalb ist auch die großflächige Umsetzung der Paludikultur aus Artenschutzgründen sehr kritisch zu sehen und eine Höherbewertung von Klimaschutzaspekten keinesfalls gerechtfertigt. Zudem ist fraglich, ob der Torfmoosanbau tatsächlich eine funktionierende torferhaltende Bewirtschaftungsform sein kann. Erfahrung auf Versuchsflächen im Landkreis Oldenburg zeigen, dass oft eher Binsen die Oberhand auf diesen Flächen gewinnen. Angesichts der heimischen Not an Platz und geeigneten Flächen appelliert das Naturschutzforum an alle Behörden, die eine Umwidmung von jahrzehntealten Ruhezonen zu Paludiflächen planen, diese Vorhaben angesichts der erheblichen Störungen und Schäden nicht in die Tat umzusetzen. Ebenso kritisch sieht das Nafor ein ingenieurtechnisches Aufrechnen und Vergleichen von Klimaleistungen von Mooren und Waldgebieten. Nafor favorisiert die Förderung von Naturwäldern und Nutzgehölzen mit standort- und klimageeigneten Pflanzen, die Lebensgemeinschaften im überregionalen Verbund bilden und sich bestmöglich in Abstimmung mit den vorhandenen Wirtschaftsformen in ein abwechslungsreiches Mosaik mit möglichst gemischten Nutzungen zu entwickeln.

Die Details zum Bestandsschutz von Lebensgemeinschaften und speziellem Arteninventar sind der untenstehenden weiterführenden Literatur aus dem Diepholzer Moor und emsländischen Mooren zu entnehmen.

Haverkamp, Michael (2022): Ein Glücksfall – Artenreiches Moor. Kartierung der vorhandenen Flora und Fauna in den Naturschutzgebieten des Naturpark Moor.- Emsland Moormuseum e.V., Geestmoor 6, 49744 Geeste / Groß-Hesepe, 132 S., ISBN 978-3-89946-320-0; www.dnb.d-nb.de

Akkermann, Remmer (1982): Regeneration von Hochmooren – Zielsetzungen, Möglichkeiten, Erfahrungen.- Tagungsband. Informationen zu Naturschutz und Landschaftspflege. 3, 335 S., BSH Wardenburg

 


2. Naturschutzforum Deutschland kritisiert die Verpressung von Kohlendioxid in den Untergrund

Wardenburg. Kohlendioxid (CO2) benötigen chlorophyll-aktive Pflanzen zur Produktion von Zucker, begleitet von der Bildung von Sauerstoff. Atmende Lebewesen wiederum benötigen Sauerstoff und geben CO2 wieder ab. Dieses natürliche Gleichgewicht wird durch die anhaltende Verbrennung fossiler Brennstoffe im industriellen Maßstab gestört. Extreme Überschüsse von CO2 wurden und werden in der Atmosphäre angereichert und sind verantwortlich für den Klimawandel. Vor allem Industrie, Kohle- und Gaskraftwerke und die Verbrennertechnik in Fahrzeugen aller Art emittieren CO2. Es bedarf dringend der Gegensteuerung zur Reduzierung. Das kann über energiesparende Techniken erfolgen, durch den Verzicht auf Fern- und Kurzstreckenflüge, die Reduzierung des Fleischverzehrs und anderes mehr. Die notwendige Dekarbonisierung erfolgt nur langsam, die Bilanzen sind nach wie vor negativ.

Eine verstärkt favorisierte Möglichkeit, den CO2-Anteil zu reduzieren, ist die CCS-Technologie, d.h. die Verpressung und Lagerung von CO2 in tief gelegene Lückensysteme des Meeresbodens. Das Naturschutzforum Deutschland (nafor.de) lehnt CCS ab, da es sich um eine unerprobte Risikotechnologie handelt, die nicht dazu beiträgt, die Klimaveränderungen zu dämpfen. Im Gegenteil, so das NaFor, die kosten- und energieintensive CCS-Technologie würde dazu verleiten, weiterzumachen wie bisher und die dringend notwendige Dekarbonisierung zu verzögern. In der Folge würden Gletscher noch schneller schmelzen, sich der Meeresspiegel immer mehr erhöht und zusätzlich mit dieser Technologie unkalkulierbare Risiken in Kauf genommen werden.

Verbände wie die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste warnen nachdrücklich vor dieser Entwicklung. Gemeinsam wird darauf gedrungen, endlich schneller auf die energiesparenden Techniken beim Wohnen und Versorgen zu setzen, ungleich schneller damit voranzukommen und die bekannten Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz gemeinsam mit der Bevölkerung umzusetzen.

Bezug genommen wird auf Pressemeldungen der

Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste e.V. (SDN), z.B. vom 07. 07. 2025: Industriegebiet Nordsee – Gewerbepark oder Naturraum? Weiteres siehe www.sdn-web.de

 


3. Naturschutzforum fordert beschleunigte Bearbeitung der Durchfahrtsrechte für den Öltanker Eventin

Rügen / MV. Der vor der Ostseeinsel Rügen festgesetzte Öltanker Eventin dümpelt seit Monaten den stürmischen Zeiten an der Ostsee entgegen. Vollbeladen wartet das der russischen Schattenflotte zugeordnete Schiff auf die Genehmigung der Weiterfahrt. Das Naturschutzforum Deutschland (Nafor) hält es angesichts der hohen Risiken aus ökologischen Gründen für unvertretbar, das Schiff dort zu belassen, anstatt es unverzüglich in einen Hafen zu verbringen oder sofort weiterfahren zu lassen.

Sollte es zum Austreten von Öl kommen, wäre auch die Tourismuswirtschaft über Jahre schwer geschädigt. Das Naturschutzforum sieht darin eine hochgradige „Gefahr im Verzuge“ und fordert von Seiten der Bundesregierung sofortiges Handeln vor Ort. Die notwendige Klärung der hier gegebenen komplizierten Rechtsverhältnisse sollte von Seiten der EU über eine Ausnahmegenehmigung nach der Beseitigung der Gefahrenlage erfolgen.

Wie man schnell reagieren kann, zeigten 2023 die Niederländer.  Am 26. Juli 2023 havarierte die Autofähre Fremantle Highway mit 3.784 Fahrzeugen an Bord und wurde schnellstmöglich in den Hafen Eemshaven geschleppt und abgewrackt. Was an Natur- und Tourismuswerten auf dem Spiel gestanden hätte, stellte Nafor 2023 mit Fotos aus Schleswig-Holstein dar.

Der Bericht nimm Bezug auf:

Naturschutzforum Deutschland e.V. (20. 08. 2023): Mehr Abstand zum Nationalpark Wattenmeer. Naturschutzforum fordert Begrenzung der Schiffsgrößen und Sonderregelungen. www.nafor.de (Pressemitteilungen).

Greenpeace (11.11.2025): Greenpeace zeigt mit Simulation; Havarie des Öltankers “Eventim” hätte Ostsee-Ökosysteme schwer beschädigt. www.presseportal.greenpeace.de/257422

NDR Tagesschau (11.11.2025): Öltanker Eventin – Warten auf die Katastrophe? www.tagesschau.de

 


Naturschutz und Artenvielfalt sind überlebenswichtig

Naturschutzforum favorisiert Ruhezonen. Vorstand bestätigt.

Einen Rückblick auf die Tätigkeiten und Arbeitsfelder des vergangenen Jahres hielten die Teilnehmer der Jahresvertreterversammlung des NATURSCHUTZFORUMS DEUTSCHLAND e.V. (Nafor). In der Geschäftsstelle des Nafor gingen insgesamt 222 Planungsunterlagen für zahlreiche bundesbedeutsame Bauprojekte ein. Hierzu gehörten Planungen aus den Bereichen Deutsche Bahn, Wasserstraßen und Schifffahrt sowie div. Gesetzesvorhaben aus den Ministerien, die kommentiert wurden, soweit sie naturschutzrelevante Beteiligungen erforderten. Auch Regionale Raumordnungspläne und modellhafte Sanierungsplanungen wurden in der Bundesgeschäftsstelle bearbeitet.

Die Mitgliedsverbände berichteten über ihre aktuellen Aktivitäten und Schwerpunkte, z.B. über Bestandsaufnahmen von Tiergruppen wie Fischen (www.ichthyologie.de), Amphibien und Reptilien (www.dght.de). Betont wurde in der Diskussion die Bedeutung von Mooren und Wäldern. Angesichts der klimatischen Veränderungen werde deutlich, wie die Gefährdungen und Störungen von Lebensräumen vielerorts zunehmen.

Besonders kritisch wurde die großflächige Umwandlung von anmoorigen Böden und historischen Handtorfstichen zu Paludikulturen gesehen, zumal auch die Resonanz in der Landwirtschaft nicht gegeben sei. Die Teilnehmer betonten den großen ökologischen Wert der Handtorfstiche, in denen sich im Laufe von Jahrzehnten wertvolle Lebensgemeinschaften ansiedeln konnten. Schnepfen und andere Wiesenvögel fänden hier Nahrung. Deren Fortbestand inmitten der wertvollen Moorvegetation sei durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Die Absichtserklärungen, hier künstliche Torfmoosplantagen oder andere Paludikulturen anzulegen, laufe diesem Schutz zuwider und sei auch nicht mit dem Klimaschutzargument zu rechtfertigen. Gerade terrestrische Arten wie Eidechsen, Schlingnattern, aber auch Insekten wie Schmetterlinge, Laufkäfer und Ameisen seien durch derartige Planungen gefährdet.

Des Weiteren wurde auf den Wert von Wäldern hingewiesen, deren vielfältige ökologische Leistung eine intensive Förderung, insbesondere auf öffentlichen Flächen erfordere. Die Umwandlung zu Mischwäldern sei entsprechend zu fördern, weitere Flächen auszuweisen. Ein weiterer Punkt betraf den Schutz der Nordsee und der Küstenregionen. Hier wurde vor allem sofortiger Handlungsbedarf im Zusammenhang mit dem vor der Insel Rügen liegenden Öltanker „Eventim“ gesehen. Winterstürme würden die drohende Gefahr eines Ölunfalls forcieren. Es sei dringend erforderlich, das Schiff der russischen Schattenflotte in einem Hafen zu sichern oder eine Durchfahrtsgenehmigung zu erteilen.

Des Weiteren sprach sich die Versammlung gegen das Verpressen von CO2 in den Untergrund von Meeren aus (CCN), da das die Verbrennung fossiler Rohstoffe nur noch fördere und im Hinblick auf eine Langzeitabdichtung nicht sicher genug sei.

Auf der Tagesordnung der Vertreterversammlung standen in diesem Jahr auch Präsidiumswahlen. Das bestehende ehrenamtlich tätige Präsidium des Naturschutzforums wurde für die Zeit bis 2028 ohne Gegenstimme wiedergewählt. Somit wird Prof. Dr. Helmut Schmidt (Kaiserslautern) den bundesweit tätigen Naturschutzverband weiter anführen.