NaturschutzForum Deutschland lobt Umsetzung der FFH-Richtlinie in der Flusslandschaft Örtze

Der Landkreis Celle hat den Entwurf zur Umsetzung europarechtlicher Vorgaben aus der Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie in nationales Recht zur Flusslandschaft Örtze (LSG 081) vorgelegt. Er stößt damit auf Zustimmung beim NaturschutzForum Deutschland, das alle wichtigen Belange detailliert berücksichtigt sieht.

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Veranlassung und Schutzstatus aller Natur- und Landschaftsschutzgebiete werden über Verordnungstexte definiert und begründet. Das entspricht den Vorgaben  im Bundesnaturschutzgesetz  vom 29. 07. 2009, zuletzt geändert durch Gesetz vom 04. 03. 2020 (BGBl. I S. 2542 bzw. S. 440). Im Rahmen der FFH-Richtlinie 92/43/EWG (EU) des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (ABl.Nr.L 206, S. 7), zuletzt geändert  durch Art. 1 ÄndRL 2013/17/EU vom 13. 05. 2013 (ABl. Nr. L 158, S. 1293). Insoweit sind alle Landkreise betroffen, es ist also nichts Besonderes, außer dass festzustellen ist, wie viel Zeit Deutschland wieder mal hat verstreichen lassen, um EU-Recht in deutsches Recht umzusetzen.

Im aktuellen Fall wurde durch die Stabsstelle Wirtschaft und Tourismus des Landkreises Celle für das Gebiet des naturnahen Heidebachs Örtze samt Nebengewässern ein umfangreicher Entwurfstext erarbeitet. Er gehört nach Auffassung des NaturschutzForums Deutschland (NaFor) auch im Ländervergleich zu den bestformulierten  Texten und Verfahrensunterlagen. „Wir würden uns wünschen, wenn auch andere Landkreise ihre zum Teil noch auf alten Standard-Texten basierenden Verordnungen entsprechend überarbeiten würden“, so Prof. Dr. Remmer Akkermann, Präsident des NaFor.

Alle Dokumente können aufgerufen werden unter folgendem Link:

www.landkreis-celle.de/kreisverwaltung/umwelt-und-laendlicher-raum/naturschutz/natur- und-landschaftsschutz… ffh-gebiet-081-oertze-mit-nebenbaechen-teilgebiet-iso-oertze

Die Umsetzung naturschutzrechtlicher Ziele entlang der Flüsse Aller und Lachte galt über Jahrzehnte als bundes- und landesweite Modellfälle. Federführend war der Landkreis Celle mit umliegenden Kommunen wie den Landkreisen Gifhorn und der Samtgemeinde Hankensbüttel.

Begleitet wurden die Planungen im Einzugsgebiet der Aller als grenzübergreifendes Ökosystem von Anfang an durch örtlich aktive Naturschutzverbände, darunter den BUND und in GF der Zusammenschluss von KONU. Die Örtze liegt im Naturraum Südheide und gehört der naturräumlichen Einheit „Örtze-Urstromtal“ und Oerreler Sander an. Kennzeichnend sind auch Altwässer, Feucht- und Nassgrünländer, Sümpfe, feuchte Hochstaudenflure, Au- und Bruchwälder sowie Eichen-Mischwälder. Mit Inkrafttreten des vorgelegten Entwurfs tritt die bisherige Verordnung (LSG CE 2 „Örtzetal“) außer Kraft.

Das Gebiet verfügt über ein selten hochwertiges biologisches Inventar. Leitarten sind unter den Wirbeltieren Biber, Fischotter, Kranich, Schwarzstorch, Eisvogel und andere. Unter den Pflanzen sind die gefährdeten Arten von feuchten bis nassen Biotopen wie div. Orchideen zu nennen. Ausgewiesen werden ca. 880 ha gemäß den einschlägigen Gutachten von beauftragten Sachverständigen.

Im Sinne von gesetzeskonformen und gerichtsfesten Grundlagen enthält der 7-seitige Entwurf eindeutige Formulierungen, die das Betreten, die Zeiten und Nutzungen, auch in Berücksichtigung alter Rechte regeln. Damit sind die verschiedenen Ansprüche zwischen Landschaftsschutz und Nutzung sensibel abgewogen worden. Das bezieht die Ausnahmen, Verbote und Ahndungen mit ein.

Stellungnahmen von Seiten der gesetzlich anerkannten Verbände an den Landkreis Celle (Az. 66/N 332-303/11-81 LSG Örtze) sind bis zum 25. August möglich.


Elektroauto der Deutschen Post DHL Group hat sich bewährt

Der StreetScooter fährt bis zu 300 Stops an 300 Tagen im Jahr

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StreetScooter der DHL-Group (Quelle: dpdhl.com)

 

Bonn. Die Initiative der Deutsche Post DHL Group zum Bau eines eigenen zukunftsweisenden Elektroautos, des StreetScooters, hat sich bewährt. Inzwischen fahren schon rund 1.500 dieser Fahrzeuge durch die Lande, um Briefe und Pakete auf umweltfreundlichem Weg zu den Empfängern zu transportieren. Die Zustellung mit den leisen StreetScootern erfolgt vor allem auf dem Land sowie in kleineren und mittleren Städten.

Die maximale Reichweite des 4,6 Meter langen Fahrzeugs beträgt mit einer Nutzlast aus Briefen und Paketen von 650 kg bis zu 80 Kilometer, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 80 Stundenkilometer. Das reicht, um die bis zu 300 Stopps und Anfahrvorgänge an bis zu 300 Tagen zu bewältigen. Das NaturschutzForum Deutschland (NaFor) begrüßt diese umweltfreundliche Initiative und zukunftsweisende Investition der Deutschen Post, denn außer der Geräuscharmut werden auch schadstoffhaltige Emissionen vermieden. Das Fahrzeug verfügt über eine Leistung von 30 kW, die von einer Lithium-Ionen-Batterie und einem Asynchronmotor erzeugt wird. Die technische Entwicklung erfolgte mit Instituten der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen. Die Deutsche Post DHL Group fördert zur Zeit aktiv in Forschung und Nutzung 22.500 Effizienzmaßnahmen an 13.500 Fahrzeugen, unter anderem mit Elektro- und Hybridantrieben, alternativen Kraftstoffen und motorelektronischen und aerodynamischen Modifikationen auf der Straße.

Näheres dazu ist nachzulesen unter: http://www.dpdhl.com/de/presse/specials/elektromobilitaet.html

Miriam Buhl


Der Bundesverkehrswegeplan – in den nächsten 30 Jahren mehr sanieren statt auszubauen

NaturschutzForum Deutschland kritisiert zu lange Laufzeit und zu starke Förderung des traditionellen Straßenverkehrs, stattdessen mehr Bahn, mehr Ruhezonen und Visionen
Dazu ein Kommentar von Uwe Seeber.

Bundesverkehrsminister Dobrindt hat jetzt einen Verkehrswegeplan vorgelegt, aber es bleibt, was die Eckpunkte anbetrifft, alles beim Alten – und das für einen viel zu langen Zeitraum von drei Jahrzehnten. Wer weiß heute schon, welche Prioritäten sich in den nächsten sieben Legislatur- perioden auftun werden? Trotz der Energiekrise, trotz der Klimakrise, trotz der Umweltveränderung, trotz weiterer Umweltzerstörung, trotz der zur Neige gehenden Ölreserven und anderer Ressourcen wie Metalle und seltene Erden vermittelt der Plan keine überzeugende Vision. Eines von vielen Indizien zur ökologischen Situation ist der gerade bekanntgegebene 80 %ige Rückgang an fliegenden Insekten, das bedeutet einen Verlust an Bioindikatoren und auch ein entsprechend geringeres Nahrungsangebot für Vögel. Die E-Autos sind ja nicht nur positiv zu sehen, denn die Zahl der Fahrzeuge nimmt dadurch nicht ab, die Menge des Materialverschleißes könnte sogar noch zunehmen, der zur Zeit benötigte Strom wird noch überwiegend aus fossilen Brennstoffen gewonnen und die Kilometerleistungen sind relativ gering. An die stattdessen vielgepriesenen kosmetischen Ingenieurleistungen denkt man angesichts des ständigen Aus- und Anstellens der Motoren an Ampeln, es erspart etwas Kraftstoff, dürfte aber dem Motor nicht gut tun. Ständig überdecken in neuen Autos wartungsaufwändige und mehr und mehr kriminellen Cyberangriffen ausgelieferte IT-Anlagen den eigentlichen Bedarf, von A nach B zu kommen. Man darf sich angesichts unserer Zukunftsprobleme auch fragen, was eigenständig fahrende Automobile auf unseren Straßen zu suchen haben werden, einmal ganz abgesehen von der Tatsache, dass wir im Zeichen der größer werdenden Automatisierung der nächsten Arbeitslosigkeit entgegensteuern dürften. Insofern ist solche „künstliche Intelligenz“ mit großen Vorbehalten zu sehen.
Wir haben inzwischen in Deutschland fast 700.000 km Straßen und fast 40.000 km Schienenwege. Jetzt müssen nicht nur diese alle saniert und aufbereitet, sondern auch ein Großteil aller Brücken früher als geplant erneuert werden, weil ja der Verkehr nach aktuellen Berechnungen steigt. Bis 2030 soll der Personenverkehr um 15 %, der Güterverkehr sogar um 40 % zunehmen, Letzterer funktioniert heute mehr schlecht als recht. Die stauträchtigen Nordsüd- und Ostwest-Autobahnachsen sind auf vielen Abschnitten überlastet, wenn LKW-Schlangen sich bis zum Horizont stauträchtig unter großem Verlust von Arbeitszeiten und Wohlbefinden der Fahrer voran bewegen.
Wir brauchen regionale Verkehrskonzepte mit Vorrang für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und auch die Integration des Rads, wie uns Beispiele in den Niederlanden und Kopenhagen sowie Universitätsstädte wie Münster und Oldenburg vormachen. Gütertransport muss beschleunigt vom Lkw auf die Schiene, Lkw nur zur Nahverteilung. Es muss eine realistische Geschwindigkeitsregelung wie in den anderen Ländern der Fall erfolgen. Wer dort mal war, weiß, dass Geschwindigkeitsbeschränkungen bis zu 130 km/h zu einem ruhigen Verkehrsfluss führen und ein entspanntes Fahren ermöglichen. Von allen diesen Defiziten wissen Bevölkerung und Politiker seit langem.
Ein neues Denken ist in der Werbung zu favorisieren, dass Autos eine Transportfunktion erfüllen sollen und nicht zur Darstellung als Prestige-Objekt verkommen dürfen (der Papst macht es doch vor). Warum erklären wir das von Seiten der Naturschutzverbände? Als dezentral organisierter und unter den Mitgliedern vernetzter Naturschutzverband sind wir angesichts der kommenden drei Jahrzehnte Fernstraßenbau dafür,
– dass die Landschaft auch mit Ruhe- und Erholungszonen erhalten bleibt und nicht weiter für immer neue Bauprojekte zerschnitten wird,
– dass die Lebensräume für wildlebende Pflanzen und Tiere nicht weiter verkleinert oder zerstört, sondern Naturkorridoren (Biotopverbundsystemen) großräumig zugeordnet werden,
– dass die Fluss-Systeme und andere wertvolle Landschaftsbestandteile mindestens nach EU-Standards renaturiert und belebt werden,
– dass nicht nur Blühstreifen am Feldrand angelegt werden, sondern die Landwirtschaft zur Diversität und regelmäßiger Brache sowie mindestens 10 % jeden Betriebs als dauerhafte Ruhezonen verpflichtet wird,
– dass die agrarischen Tierbestände auf die vorhandenen Intensivflächen abzustimmen und zu begrenzen sind (laut ehemaligem Gülle-Erlass war eine Milchkuh/Hektar der Maßstab) – wie gerade vom Bundesumweltministerium gefordert. Mit diesen sinnvollen öffentlichen Subventionen können kleineren Betrieben landschaftspflegerische Aufgaben dauerhaft zugewiesen werden, ein Weg, um das unerwünschte Höfesterben aufzuhalten.
– dass Wind und Biomassen primär auf kommunaler Ebene entsprechend dem örtlichen Bedarf (und nicht mehr) von Energiewirten landschaftsschonend genutzt werden.
Aus diesen –und weiteren- Aspekten ist gemeinsam mit den hauptbetroffenen Interessengruppen eine Vision zu erarbeiten, die eine lebenswerte zukünftige Entwicklung im Siedlungs- und Außenbereich gleichermaßen schnell voranbringt. Ein „Weiter so“ kann es nicht geben, da die Grundlagen dafür fehlen und wir überall an Grenzen stoßen, ob beim Schutz der Böden, der Abwehr von exotischen Parasiten im Holz, der ausufernden Fischerei, der Kohlendioxid-Belastung und der aus dem Ruder gelaufenen Wachstumspolitik bis hin zu der Frage welche ökologischen Fußabdrücke eine immer weiter wachsende Bevölkerung mit sich bringt – die natürlichen Belange zu fördern, gelingt gerade auch jenen Staaten wie Schweden, wo nur ein Zehntel der in Deutschland ansässigen Bevölkerung lebt. Das Weniger trägt nicht nur zum Klimaschutz bei, sondern wird auch den Verkehrslärm, den Flächenverbrauch und die Luftschadstoffe deutlich ändern. Wir wollen einen effektiven Schutz vor Verkehrslärm an Straßen, Schienen und Flughäfen. Wir wollen die Rechte der Menschen, die von Lärm betroffen sind, stärken. Das Nachhaltigkeitsziel, den Flächenverbrauch zu begrenzen, nehmen wir ernst. Der Bundesverkehrswegeplan führt zu zaghaft aufs richtige Gleis!
Die Bahn muss das Verkehrsmittel der Zukunft werden, nicht der Vergangenheit gewesen sein. Wir brauchen attraktive Zugverbindungen Tag und Nacht. Und weil Bahnfahren umweltfreundlich, sicher und sozial ist, darf es nicht teurer sein als das individuelle Autofahren und Fliegen. Dazu brauchen wir bessere Wettbewerbsbedingungen der weiterhin bundeseigenen Bahn und sollten mit ihren (vorübergehenden) Schwächen nachsichtiger umgehen.
Die Infrastrukturplanung muss neu aufgestellt werden. Bahnverkehr und ÖPNV sollten gut getaktet und Anschlüsse besser aufeinander abgestimmt werden, Optimierungen in alle Richtungen sind ein Dauerthema. Warum geht das in der Schweiz, nicht aber in Deutschland? Außerdem könnte die Bahn weiterhin der Vorreiter für die Energiewende sein. Die Bahn sollte 100 % aus regenerativer Energie gespeist werden. Autos sollen den Anteil vernetzter Mobilität unterstützen, aber nicht verdrängen. An den Schnittstellen des ÖPNV stehen vor allen Dingen Car-Sharing-Modelle.
Nach wie vor spielt in unserer Region der Güterverkehr auf dem Lkw noch eine viel zu große Rolle. „Just in time“, der LKW als rollendes Lager, kann auch teure Kehrseiten haben, wie das Beispiel VW im August gerade gezeigt hat. Die Autobahn darf nicht die verlängerte Lagerhalle der Fabriken sein. Güterverkehr gehört auf die Schiene oder das Binnenschiff. Außerdem sollte unnötiger Transport durch halb Europa vermieden werden. Das setzt zugleich eine gute Information der Verbraucher und Verkehrsnutzer voraus. Denn in den Details der Abstimmungen liegen die notwendigen Fertigkeiten. Da bleiben abgelegene Dörfer und ältere Menschen nicht draußen vor, sondern werden über Shuttle-Busse, Rufbereitschaften, Schulbusverkehr und andere Fahrkonzepte 24 Stunden vernetzt und sei es über Rufbereitschaften und geförderte Taxis. Auch sollte beim Kauf täglicher Produkte auf die Herkunft geachtet werden, kurze Wege und Lebensmittel der Saison sollten bevorzugt werden.
Nur so kann eine auch im kleinteiligen Bereich lebendige und erholungswirksame Kulturlandschaft erhalten bleiben. Das NaturschutzForum Deutschland hält diese Vorgehensweise für notwendig und fordert eine beschleunigte Umsetzung, denn Energie-, Klima- und Rohstoffkrise sind schon Realität oder stehen vor der Tür und lassen sich nicht zurückdrehen. Versuchen wir jetzt das, was noch möglich ist für uns und kommende Generationen zu erhalten. Hier ist der Appell „Wir schaffen das!“ in existenzieller Hinsicht notwendig, benötigt aber ein gut aufeinander abgestimmtes europaweites bis internationales Zusammenwirken aller Akteure.

Der Autor ist zu erreichen unter: dr.u-seeber@ewetel.net


Eschensterben auch im Altkreis Wittlage

Bohmte. Fährt man die Bundesstraße 51 von Bohmte zum Mittellandkanal, so fallen bedrückend die z.T. fast kahlen Eschen ins Auge, die vom Eschensterben befallen sind. Bisher schien das sog. Eschen- oder Eschentriebsterben weit weg von hier zu sein. Anfang der 90er Jahre gelangte diese Pilzkrankheit aus Fernost über das Baltikum, Polen nach Dänemark/Skandinavien und Großbritannien. Sie erreichte Tschechien und Österreich, und in Deutschland ist sie offensichtlich mindestens seit 2008 vertreten. Wie ernst die Situation ist, zeigt das Beispiel Dänemark, wo bereits über 90 % der Eschen dieser Krankheit zum Opfer gefallen sind. Und auch für Deutschland sind die Prognosen recht unerfreulich, rechnet man doch bis 2017 mit einem Verlust von einem Drittel aller Eschen.

Sieht man sich hier in der Landschaft, an Hecken, Straßen, aber auch in Parks um, so scheint diese Vorhersage nicht unwahrscheinlich.

Wie äußern sich die Schäden? Konnte man bis Ende April auf Grund des milden Winters noch von einem sehr späten Austrieb ausgehen, so zeigen sich ab Mitte Mai bis jetzt sehr deutlich die gravierenden Schäden.

Die Spitzen der Astpartien oder manche Äste sind kahl, die Kronen der Bäume sind „verlichtet“, Neutriebe mit Blättern befinden sich in tieferen Bereichen, die abgestorbenen Triebspitzen und Zweige sind je nach Befallsdauer trocken-braun.

Ursache für diese Krankheit ist ein Pilz, der in Europa schon seit langer Zeit bekannt ist, dessen asiatischer „Zwilling“ aber aggressiv gewebezerstörend wirkt. Er befällt zunächst die Blätter und dringt dann über die Blattstiele in die Triebe/Äste bis in das Stammholz ein. Wasser und Nährstoffzufuhr werden behindert, das Holz durch weitere pilzliche und tierische Parasiten geschädigt, verfärbt und später wertlos. Die milden Winter in den letzten Jahren haben offensichtlich zur Verstärkung der Schäden beigetragen. Wie man leider sehen kann, werden sowohl junge wie ältere Bäume befallen.

Leider gibt es keine wirkungsvollen Abwehrmaßnahmen, da der Erreger über die Luft, also Wind und Wetter übertragen wird.  So ist es sinnvoll, keine neuen Eschen zu pflanzen. Das Laub von Eschen im Gartenbereich zu entsorgen, dürfte nur eine bescheidene Vorsorge sein.

Rückschnitt schafft keine Abhilfe. Bis auf Weiteres bleibt also nur die Hoffnung auf die Anpassung der Pflanze an den zerstörenden Pilz.

Prof. Dr. Christoph Wonneberger (BSH)

Zu dem Thema auch unter: NWZ Online

Geschädigte junge und alte Esche an der B 51 (Foto: C. Wonneberger)

Esche mit noch gesunder Krone (Foto: C. Wonneberger)


Alleen in Niedersachsen

NAFOR unterstützt Aktion des Niedersächsischen Heimatbundes

 

Hannover. Der Niedersächsische Heimatbund e.V. (NHB) möchte im Rahmen des von der Niedersächsischen-Bingo-Umweltstiftung geförderten Projekts mit Ihrer Hilfe bis Ende 2017 eine Übersicht der wichtigsten und schönsten Alleen Niedersachsens erstellen, um damit zur Erhaltung der Alleen beizutragen. Unter www.alleen-niedersachsen.de können Sie uns Ihre Allee mitteilen.

Alleen als wichtige Elemente der Kulturlandschaft
Seit Jahrhunderten prägen Alleen das Landschaftsbild Niedersachsens. Ursprünglich als gärtnerisches Gestaltungselement in herrschaftlichen Parkanlagen entstanden, begleiten sie seit der Mitte des 18 Jahrhundert die neue entstandenen Chausseen. andere zur Betonung von Schlössern, herrschaftlichen Gütern oder bedeutenden Bauernhöfen in der Landschaft. Gepflanzte Bäume können aus kirchlichen (Kirch- oder Pilgerwege, Toten- bzw. Begräbniswege), aber auch aus militärischen oder ökonomischen Motiven entstandene Wege wie Heerstraßen und Handelswege begleiten. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts waren Alleen überall in der Kulturlandschaft verbreitet. Mit dem Ausbau der Straßen vor allem in den 1960er und 1970er Jahren ging ein starker Rückgang der Alleen vor allem in den westlichen Bundesländern einher. Aber es sind sowohl historische Alleen erhalten geblieben, als auch neue Alleen gepflanzt worden, die bis heute wieder vielfach eine landschaftsprägende Bedeutung haben und Niedersachsen wie ein grünes Netz durchziehen. Sie sind wichtige Elemente der Landschaftsgestaltung, gliedern und beleben die Landschaft. Gerade in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gegenden sind sie oft die einzigen strukturgebenden Elemente in der Landschaft. Alleen vernetzen wertvolle natürliche Lebensräume und sind selbst Lebensraum für eine artenreiche Insekten- und Vogelfauna. Fledermäuse nutzen Alleen als Jagdbiotope und zeigen beim freien Flug eine enge Bindung an linienförmige Landschaftselemente, wie es Alleen an Straßen darstellen Straßenbäume sind zudem wichtig für das Mikroklima und tragen maßgeblich zur Luftfilterung und Reduzierung der vom Verkehr emittierten Feinstäube bei: Geschlossene Alleen können in belaubtem Zustand bis zu einen hohen Anteil der Feinstäube aus der Luft herausfiltern.
Die Funktionsvielfalt und Nutzungsgeschichte der Alleen macht sie zu wichtigen Elementen der Kulturlandschaft, die durch ihre landschaftsprägende Wirkung und kulturhistorische Bedeutung in erheblichem Maße zur Eigenart und Vielfalt und Schönheit des Landschaftsbildes beitragen.

Alleen in Gefahr
Jedoch bestehen aufgrund der Verkehrssicherungspflicht und der Unterhaltung von Straßen sowie dem Ausbau von Verkehrswegen ernsthafte Gefahren für den Fortbestand der straßenbegleitenden Alleen. Insbesondere die erhöhte Zahl an schweren Unfällen hat zu einer intensiven Diskussion zur Vereinbarkeit von Straßenbäumen und Straßenverkehr geführt, die in Niedersachsen nach wie vor aktuell ist Straßenbegleitende Alleen sind allerdings aufgrund des Ausbaus von Straßen in ihrem Bestand gefährdet. Neue Richtlinien (Empfehlung für den Schutz vor Unfällen mit Aufprall auf Bäume, ESAB und die Richtlinie für den passiven Schutz an Straßen durch Fahrzeug-Rückhaltesysteme, RPS 2009) erschweren Nachpflanzungen und fördern gemeinsam mit der Tatsache, dass nur wenige Alleen rechtlich geschützt sind, das Fällen von Alleebäumen. Zudem ist es mit wenigen Ausnahmen gängige Praxis in Niedersachsen, dass gefällte Alleebäume nicht nachgepflanzt werden. Dabei geht der typische Charakter von Alleen und der wesentlich durch sie bestimmten Landschaftsbilder im Laufe der Zeit verloren, und die Alleen verschwinden sukzessive aus dem Straßenbild. Da Alleen nur in Ausnahmefällen einem rechtlichen Schutzstatus unterliegen, existiert weder bei den Landkreisen noch in den Landesbehörden eine Übersicht dieser für das Land so prägenden Kulturlandschaftselemente.

Erfassung und Schutz von Alleen
Aufgrund der großen Bedeutung der Alleen für die Kulturlandschaft in Niedersachsen und der Verbundenheit der Bürger und Bürgerinnen mit diesen Landschaftselementen soll mit Hilfe dieses Projektes eine Übersicht der wichtigsten und schönsten Alleen Niedersachsens entstehen. Insgesamt sollen mindestens 500 Alleen aus allen Regionen Niedersachsen erfasst und durch den NHB nach ihrer Meldung vor Ort aufgesucht, nach einheitlichen Kriterien charakterisiert und bewertet werden. Die wesentlichen Merkmale sind dabei die Länge und das Alter der Alleen, ihre Baumartenzusammensetzung, Geschlossenheit und landschaftsprägende Bedeutung.
Die gewonnenen Informationen stehen auf der Seite www.alleen-niedersachsen.denicht nur allen Bürgern Niedersachsen zur Verfügung, sondern sie geben auch Behörden Hinweise zur Bedeutung der Alleen in ihrer Region und tragen damit zu deren Schutz bei.

Dr. Ansgar Hoppe

Pressemitteilung des Niedersächsischen Heimatbundes (NHB), abrufbar unter:
http://www.niedersaechsischer-heimatbund.de/alleen.html