BMU und BfN fördern Insektenschutz im Ackerbau mit über 3 Millionen Euro

Gemeinsame Pressemitteilung mit dem Bundesamt für Naturschutz

Neues Projekt „FINKA“ erprobt mit Betriebspartnerschaften innovative Wege

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Mais verdrängt vielerorts das für den Artenschutz wichtige Grünland. Foto: BSH-natur

Die Begleitflora von Mais vermag sich nicht durchzusetzen. Die hochwüchsige Biomasse verhindert die Entwicklung von Schlaf- und Nistgelegenheiten für Bodenbrüter auf dem kahlen Boden. Foto: BSH-natur

Im Projekt
FINKA haben sich die Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen GmbH (KÖN), das
Landvolk Niedersachsen – Landesbauernverband e.V. (LV), das Netzwerk Ackerbau
Niedersachsen e.V. (NAN), die Westfälische Wilhelms-Universität Münster (WWU)
und die Georg-August-Universität Göttingen (GAUG) zusammengeschlossen, um
Lösungsstrategien zur Förderung der Insektenvielfalt und der Ackerbegleitflora
zu erarbeiten und zugleich ein breiteres Bewusstsein hierfür innerhalb der
Landwirtschaft zu fördern.

Die
Vielfalt der Insekten schwindet, ihre Häufigkeit nimmt weiter ab. Die Gründe hierfür
sind vielfältig ‒ einer davon ist der unverändert hohe Einsatz von Insektiziden
und Herbiziden in der Landwirtschaft. Das Bundesamt für Naturschutz fördert daher
das neue Projekt „FINKA ‒ Förderung von Insekten im Ackerbau“ im Bundesprogramm
Biologische Vielfalt mit rund 3,15 Millionen Euro aus Mitteln des Ministeriums
für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Modellhaft sollen im Vorhaben
mit Partnerschaften
zwischen
konventionell und ökologisch wirtschaftenden Ackerbaubetrieben neue,
insektenfreundlichere Bewirtschaftungsmethoden landwirtschaftlicher Flächen
erprobt werden.

Bundesumweltministerin
Svenja Schulze: „Pflanzenschutzmittel wirken schädlich auf Insekten, indem sie
Nahrungsnetze und Lebensräume beeinträchtigen. Effektiver Insektenschutz
erfordert deshalb auch einen grundsätzlich restriktiveren Umgang mit
Pestiziden, nicht nur mit Glyphosat. Mit dem neuen Projekt FINKA fördern wir
nun ein Vorhaben, das insektenfreundlichere Lösungen auch für die konventionelle
Landwirtschaft entwickelt und erprobt.“

BfN-Präsidentin
Prof. Dr. Beate Jessel: „Viele landwirtschaftliche Betriebe halten den Einsatz
von Insektiziden und Herbiziden für unabdingbar. Mit Betriebspartnerschaften
geht FINKA jetzt neue Wege: Zusammen mit Tandems von ökologisch wirtschaftenden
und konventionell arbeitenden Partnerbetrieben sollen Lösungsansätze entwickelt
werden, die sich auch im konventionellen Landbau einfach und
betriebswirtschaftlich sinnvoll umsetzen lassen.“

Im Rahmen des
Modellprojektes werden 30 Betriebspartnerschaften zwischen konventionell und
ökologisch wirtschaftenden Ackerbaubetrieben in verschiedenen
Boden-Klima-Räumen Niedersachsens geschlossen. Über einen Zeitraum von fünf
Vegetationsperioden verzichten die konventionellen Betriebe auf jeweils einer
Fläche auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Insektiziden und Herbiziden.
Gemeinsam mit landwirtschaftlichen Beraterinnen und Beratern sowie den
ökologisch wirtschaftenden Partnerbetrieben werden alternative Anbaumethoden
erarbeitet, erprobt und ausgewertet. Darüber hinaus finden auf den
Maßnahmenflächen sowie auf jeweils einer konventionellen und einer ökologisch
bewirtschafteten Vergleichsfläche wissenschaftliche Erhebungen zur
Ackerbegleitflora und Insektenfauna statt. Ziel dieser Erhebungen ist es, die
jeweilige Vielfalt der Flächen anhand ökologischer Messgrößen wie Artenvielfalt
und Biomasse zu dokumentieren.

Da die
Umsetzung des herbizid- und insektizidfreien Ackerbaus in der Praxis auf den
Maßnahmenflächen der Betriebe erfolgt, können die Landwirtinnen und Landwirte
ihre Erfahrungen unmittelbar an ihre Berufskollegen weitergeben. Die Ergebnisse
sollen nicht nur die Landwirtinnen und Landwirten ermutigen, sich verstärkt mit
dem Thema „Biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft“ auseinanderzusetzen,
sondern auch dazu beitragen, dass mehr Betriebe den Einsatz von
Pflanzenschutzmitteln reduzieren und durch praktikable, insektenfreundliche
Anbaumethoden ersetzen. Zusätzlich sollen öffentliche Feldtage und weitere regionale
und überregionale Veranstaltungen die Öffentlichkeit über die gefährdete
biologische Vielfalt einerseits und insektenfreundliche Agrarmaßnahmen
andererseits informieren und so das Bewusstsein für eine insektenverträgliche
Landwirtschaft fördern.

Kontaktdaten
sowie Projekt-Steckbrief unter: https://biologischevielfalt.bfn.de/bundesprogramm/projekte/projektbeschreibungen/finka.html