Buchbesprechungen 2026


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26.06.2026

Naturschutz in Städten immer wichtiger

Senckenberg – Bücher erläutern die Stadtnatur und geben Hinweise auf künftige Erfordernisse

Frankfurt am Main. Die Kleine Senckenberg-Reihe Nr. 3 diente in den 1980er Jahren mit dem Titel „Umwelt 2000“ im gymnasialen Bereich als Leitfaden zur gesamtökologischen Einschätzung der Daten und Folgen anthropogener Tätigkeiten auf der Erde. Im Kapitel „Stadtökologie“ wurden die innerstädtischen Probleme wie die Versiegelung, Hitzestaus und der Mangel an Vegetation verdeutlicht. So ist hier schon vor 40 Jahren zu lesen: „Die modernen Städtebauer glaubten, mit Hilfe technisch raffinierter Hochhausanlagen und vieler Freizeiteinrichtungen … den Stadtmenschen frei und unabhängig von der Natur beglücken zu können. Inzwischen hat sich gezeigt, dass sie die „inhumane Stadt“ schufen. Denn auch für den Menschen spielt die Stadtökologie eine wichtige Rolle.“

In neueren Bänden der Kleinen Senckenberg-Reihe (Nr. 50, 2009 / Nr. 55, 2015) und in den Senckenberg-Büchern 82 (2019) und 87 (2022) dokumentiert die Arbeitsgruppe Biotopkartierung der Abteilung Botanik des Senckenberg Forschungsinstitutes gemeinsam mit MitarbeiterInnen des Naturmuseums sowie der Universität Frankfurt die biologische Vielfalt in Frankfurt am Main im Auftrag des Umweltamtes.

Diese jüngeren Publikationen zeichnen heute ein anderes Bild von der Biodiversität im Gebiet einer Großstadt mit mehr als 780 Tsd. Einwohnern. So überraschen Nachweise zahlreicher bedrohter und geschützter Arten wie Flussregenpfeifer und Knäkente, Springfrosch und Hirschkäfer, Widderchen und Ameisenlöwe und diverse Pflanzenarten, zum Beispiel von Silikat-Magerrasen sowie zahlreiche Pilzarten, darunter auch zuvor unbekannte Formen.

AutorInnen wie Indra Starke-Ottich und Georg Zizka, Thomas Gregor und weitere MitarbeiterInnen stellen ihre umfangreiche Artenkenntnis in zahlreichen Bilddokumenten und Tabellen mit Gesamtartenlisten unter Einbeziehung der wissenschaftlichen Angaben gem. Rote Listen zu Schutzstatus, Neophyten und Einbürgerungs-Tendenzen ausführlich dar.

Wie die Situation heute ist und wohin die Reise gehen sollte, zeigt der Band „Wildnis in Frankfurt“. Man traut seinen Augen nicht, wenn dort ein Bericht den Titel trägt: „Frankfurter Kreuz – Europäischer Knotenpunkt und unbekannter Hotspot der Biodiversität.“ Luftbild und Arteninventar belegen das Miteinander von höchstfrequentiertem Verkehr und heimisch gewordener Pflanzenwelt. Das Kapitel „Zwischen Ruhe und Lärm“ beschreibt andere scheinbare Gegensätze auf dem Gelände des Hauptfriedhofs Frankfurt. Auf Flächen ohne Gräber und strukturreichen Kulturlandschaften haben sich mittelfristig artenreiche Wildkrautfloren entwickelt. Angesichts der schutzwürdigen Pflanzen- und Tiergesellschaften wird appelliert, auch im städtischen Bereich mehr Mut zur Wildnis zu haben und entsprechende Flächen auch weiterhin zu sichern und zu bewahren.

Die Stadt Frankfurt verfügt nunmehr mit den hier vorgestellten Büchern aus den Reihen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung über eine umfangreiche Dokumentation der heimischen Lebensgemeinschaften, Biotope und ihrer Bewohner. Die fundierte, gestalterisch anspruchsvolle Darstellung bildet eine wichtige Planungs- und Entscheidungsgrundlage für die zukünftige Arbeit in Politik und Verwaltung. Eine weite Verbreitung dieser Bücher ist zu wünschen, auch im Sinne der hier gezeigten Beispiele zu naturnahen Flächen und Möglichkeiten zur klimatischen Anpassung und Verbesserung der Lebensqualität durch Stadtgrün im urbanen Raum.

 

Literatur-Bezug

Klausewitz, W. u.a. (1986): Umwelt 2000.- Kleine Senckenberg-Reihe 3, 4. Aufl., W. Kramer, Ffm, 224 S.

Ottich, I. u.a. (2009): Natur vor der Haustür. – Stadtnatur in Frankfurt am Main.- Schweizerbart Stuttgart, 204 S.

Starke-Ottich, I. u.a. (2015): Stadtnatur im Wandel. – Artenvielfalt in Frankfurt am Main.- Schweizerbart Stuttgart, 276 S.

Starke-Ottich, I. u.a. (2019): Stadtnatur in Frankfurt – vielfältig, schützenswert, notwendig.- Schweizerbart und Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, 252 S.

Starke-Ottich, I. u.a. (2022): Wildnis in Frankfurt.- Schweizerbart und Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung, 296 S.

Abb. Buch WEICHTIERE Helgoland
Auszug

22.03.2026

WEICHTIERE Helgoland / Klaus Kittel, Roland Hoffmann

Muscheln, Schnecken und Tintenfische in der südlichen Nordsee

Artentraining und Urlaub ermöglicht das Museum Aschaffenburg

Helgoland – Aschaffenburg. Wer hätte sich nicht schon mal gewünscht, die Vielzahl von Weichtieren an den Küsten der südlichen Nordsee mit Hilfe einer lesenswerten Dokumentation zu erleben und je nach Interesse den Weichtieren zuzuordnen? Möglich gemacht wird das mit einem Buch aus dem Naturwissenschaftlichen Museum der Stadt Aschaffenburg. Auf 440 Seiten werden in sehr anschaulicher Weise zahlreiche Meeresorganismen auf eindrucksvollen Fotos, Zeichnungen und Ausstellungsstücken abgebildet. Die interessierte Leserschaft, ob Fachbiologen oder Touristen dürften sich an der gelungenen Aufmachung des Buches erfreuen. Denn das fundierte Wissen des marinen Meeresbiologen und ehemaligen Leiters der Nationalparkverwaltung Hamburg Klaus Kittel und seines Kollegen Roland Hoffmann sowie MitarbeiterInnen beschreiben mit großer Akribie, was an Informationen zu Arten wie Herzmuschel, Käferschnecken und Kraken Wissenswertes mitzuteilen ist. Da werden Daten aus der Literatur ebenso berücksichtigt wie aktuelle Erfahrungen und Erlebnisse auf der Insel Helgoland. Es ist schon eine besondere Leistung, in der schnelllebigen Zeit eine solch umfangreiche Veröffentlichung vorzulegen. Allen Mitwirkenden in der Stadt Aschaffenburg, des Naturwissenschaftlichen Vereins und seiner Mitglieder in der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft wird für diese Veröffentlichung gedankt – gedankt auch gerade seitens einiger Mitgliedsverbände im Bereich des Nationalparks Wattenmeer. Es entspricht der auch in Wilhelmshaven ansässigen Forschungsstation von „Senckenberg am Meer“, die Bedeutung des Natur- und Artenschutzes durch wissenschaftliche Forschungsarbeit zu unterstützen.

Kittel, K. & R. Hoffmann: Die Weichtiere der Nordseeinsel Helgoland. – Aschaffenburg 441 S., www.nwv-ab ISSN 0939-1944